In 6 Schritten zum perfekten Outdoorkocher
Foto: Primus
Wissen

In 6 Schritten zum richtigen Outdoorkocher

Tipps & Tricks • 15. September 2020
von Riki Daurer

Sei es der Kaffee bei der Sonnenaufgangswanderung in den Alpen, das Abendessen für die vierköpfige Familie am Strand oder das notwendige Teewasser auf einer Expedition im Himalaya – Outdoorkocher haben einen vielfältigen Einsatzbereich und so unterscheiden sich auch die verschiedenen Modelle. Wenn du folgende 6 Fragen beantwortest, wirst du garantiert die richtige Wahl treffen.

1. Wofür braucht man den Kocher?

Die Wahl des Kochers hängt grundlegend von der Aktivität ab, die man ausüben möchte. Wofür brauche ich den Kocher? Die Unterteilung in Camping, Trekking und Expedition deckt die drei großen Anwendungsbereiche an Outdooraktivitäten ab.

Camping

Beim Campen ist es mit dem Packmaß nicht ganz so tragisch - nichts desto trotz muss der Kocher aber kompakt sein und gut im Van verstaut werden können. Die Outdoor Küche ist hier meist vielfältiger, bunter und für mehrere Personen. Daher empfiehlt es sich einen Kocher mit zwei Flammen zu verwenden, der zudem stabil genug konstruiert ist und nicht beim ersten Umrühren umfällt (etwa mit Wänden an drei Seiten, die auch als Windschutz dienen). Bei solchen Kochern können meist größere Brennstoffvorräte angeschlossen und somit auch größere Gruppen versorgt werden.

Ein klassischer Zweiflammen-Kocher ist der Annatto Stove von outwell.

Kocher mit Gaskartusche
Foto: Florian Lierzer / Bergwelten
Kocher mit Gaskartusche

Wandern & Bergsteigen

Trekkingkocher sind kompakter, kleiner und leichter als die oben beschriebenen Campingkocher. Sie bestehen meist aus einer Gaskartusche, auf die der Brenner aufgeschraubt wird. Bei Benzin bzw. Multifuel stehen die Brenner stabil am Boden und sind über einen Schlauch mit dem Brennstofftank verbunden. Für Alpinisten gibt es spezielle Topfsets, in die der Kocher verpackt werden kann.

Beispiel: Mulitfuel-Trekkingkocher Hexon von Edelrid.

Expedition

Extreme Aktivitäten brauchen extreme Ausrüstung. Expeditionskocher müssen unter widrigen Umständen – große Höhe, Wind, extrem kalte Bedingungen – zuverlässig funktionieren. Zudem sollten sie maximal effizient arbeiten und robust sein.

Ein bewährter Mehrstoff-Expeditionskocher ist der  XGK-EX von MSR.

2. Welcher Brennstoff?

Gaskocher

Gaskocher sind unkompliziert und am einfachsten zu bedienen. Gas verfügt über einen hohen Energiegehalt, ein sehr gutes Verhältnis von Heizwert zu Gewicht, verbrennt geruchsarm und rußfrei. Gas brennt wetterunabhängig und auch bei niedriger Sauerstoffkonzentration – somit ist Gas der bevorzugte Brennstoff für den Einsatz in großer Höhe. Gas besteht immer aus einer Mischung aus Propan, Isobutan und Butan. Bestimmte Hersteller bieten mehrere Gassorten für unterschiedliche Temperaturen an. 

Nachteil: Nicht in allen Ländern und an allen Orten ist das passende Gas erhältlich. Da es ein Gefahrgut ist, darf es nicht im Flugzeug transportiert werden.

Preisgünstig, klein und sehr funktional ist z.B. der Gaskocher von Edelrid.

Benzin- bzw. Multifuel-Kocher und ihre Brennstoffe

Bei unsicherer Versorgungslage für Gas ist ein Multifuel-Kocher die ideale Lösung. Diese Kocher können nicht nur mit Benzin, sondern mittels einer auswechselbaren Düse auch mit Diesel oder Kerosin betrieben werden (manche funktionieren sogar mit Gas). Die Flamme ist extrem temperatur- und windbeständig. 

Nachteil: Diese Kocher sind meist relativ laut, rußen gern, brauchen schon etwas Übung bei der Benutzung und müssen regelmäßig gewartet werden. 

Beispiel: MSR Whisperlite™ International Benzinkocher.

Ein Allesbrenner – der Mini-Ofen von Biolite
Foto: Rene Sendlhofer
Ein Allesbrenner – der Mini-Ofen von Biolite

Mini-Ofen

Mittlerweile gibt es auch kompakte Mini-Öfen, die durch erneuerbare Ressourcen befeuert werden können und damit Umwelt und Gesundheit schonen. Daher kann man in dem kleinen Ofen/ Thermogenerator wie bei einem normalen Ofen Holz, Pellets, Tannenzapfen etc. verheizen. Der eingebaute Thermogenarator erzeugt 50% mehr Leistung und kann über einen USB-Ladeausgang sogar elektronische Gadgets mit Bio-Strom versorgen.

Beliebt und bekannt ist z.B. der BioLite CampStove Mini-Ofen.

Solar-Kocher

Wirklich genial, aber aufgrund ihres Packmaßes meist nur für den Heimgebrauch oder den Van zu verwenden, sind Solar-Kocher, die mit Sonnenenergie arbeiten. Solarkocher bündeln das Sonnenlicht und ermöglichen somit ausreichend Energie, um zu kochen oder einen Kuchen im Solar-Backrohr zu backen.

Solar-Kocher und -Backrohre gibt es z.B. von der Firma Sunok aus Portugal.

Gebündeltes Sonnenlicht erzeugt die notwendige Energie für den Solar-Kocher.
Foto: Sunok
Gebündeltes Sonnenlicht erzeugt die notwendige Energie für den Solar-Kocher.

Spiritus und Trockenbrennstoffkocher

Beide Brennstoffe haben einen sehr geringen Energiegehalt und werden deshalb meist nur als Notfallbrennstoffe genutzt, wenn wirklich keine andere Alternative zur Verfügung ist.

3. Welches Packmaß und Gewicht darf der Kocher haben? Wie wird er transportiert?

Mit einem Zweiflamm-Kocher kann man gut die ganze Familie bekochen
Foto: Primus
Mit einem Zweiflamm-Kocher kann man gut die ganze Familie bekochen

Wird der Kocher nur im Van verstaut oder soll er auf einer Biwaktour mit in den Rucksack? Kleine Kocher passen zusammengeklappt in einen kleinen Kochtopf oder sogar in eine größere Tasse. Wichtig ist, dass man sich zu den kleinen Kochern auch gleich die kleineren Gaskartuschen oder Brennstoffbehälter, sowie passendes Geschirr, kauft.

Das WindBurner® Group Stove System ist ein modulares Kochersystem, bei dem man den Kocher im Kochtopf kompakt verstauen kann und der groß genug für das Kochen richtiger Gerichte ist.

4. Was will ich kochen? Wasser oder mehr?

Für richtiges Kochen für mehrere Personen (etwa am Campingplatz) benötigt man einen Kocher, auf dem die großen Pfannen und Töpfe stabil stehen können. Weiters muss die Hitze gut regulierbar sein.

Sobald man zu Fuß unterwegs ist, wird wohl nicht mehr viel gekocht, sondern meist gefriergetrocknete Nahrung mit heißem Wasser angerichtet oder überhaupt nur Kaffee oder Tee zubereitet. Hierfür haben sich in den letzten Jahren Gaskocher bewährt, die kompakt in einem Isolierbehälter verstaut werden können. Zum Kochen wird dieser direkt am Brenner fixiert – somit ist der Brenner windgeschützt und die Energie wird optimal übertragen. Der isolierte Behälter kann danach sofort abgeschraubt und daraus gegessen oder getrunken werden. 

Ein Beispiel für einen sogenannten Systemkocher ist der Lite Plus Piezo von Primus.

Der Primus Lite+ ist ein kleiner Systemkocher mit kleinem Packmaß, ideal für Teewasser oder ein schnelles Gericht.
Foto: Riki Daurer
Der Primus Lite+ ist ein kleiner Systemkocher mit kleinem Packmaß, ideal für Teewasser oder ein schnelles Gericht.

5. Wieviel Zeit für Handhabung, Wartung und Pflege?

Nicht zu unterschätzten ist die Handhabung, Wartung und Pflege der Kocher. Hören sich die Multifuel-Kocher aufgrund ihrer flexiblen Einsatzweise sehr verlockend an, sind sie in ihrer Handhabung um einiges komplizierter. Einen Gaskocher auf eine Kartusche aufzuschrauben schafft jeder, doch schon viele Leute verzweifeln mit einem Benzin-Kocher. Ebenso sind die Düsen der Benzinkocher aufgrund des Brennstoffes für Verunreinigungen anfälliger, die meisten Kocher haben aber sogenannte Schütteldüsen, die sich selbst reinigen.

6. Wohin geht die Reise?

Hier geht es um die Frage, ob vor Ort die Brennstoffart in der notwendigen Form verfügbar ist. So wird es etwa im russischen Kaukasus einfacher sein, Benzin zu bekommen, als die bei uns handelsüblichen Gaskartuschen.

Wenn man Gas verwendet, ist es wichtig, den richtigen Adapter für die Gasflaschen mitzunehmen, da nicht alle Länder dieselben Ventile verwenden.

Ein mehrfach ausgezeichneter Kocher, der mit fast jedem Brennstoff funktioniert, ist der Primus Omni Fuel.

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