Wetterregel

Halo – bald schlägt das Wetter um

8. August 2019
von Andreas Jäger

Halos – helle Ringe um Sonne oder Mond – sind Wetterzeichen, die ein Bergführer sehr ernst nimmt. Sie prophezeien nämlich einen Wetterumschwung, allerdings auch nicht immer. Meteorologe Andreas Jäger verrät uns, wie Halos zustande kommen und wie man sie richtig deutet.

Sonnen-Halo
Foto: Servus Verlag
Sonnen-Halo: Ähnlich einem Regenbogen sind Halos farbig, nur weniger intensiv und diffuser

Halo um Sonne oder Mond: In 24 Stunden Schlechtwetter

Halos entstehen, wenn Licht auf Eiskristalle trifft. Typischerweise sind es Cirruswolken in eisigen Höhen zwischen 5.000 und 13.000 Meter, an denen sich die Sonne oder der Mond zu einem kreisrunden Halo bricht. Ein milchiger, dünner Schleier aus Eiskristallen zieht dann über den Himmel, mit freiem Auge kaum wahrnehmbar. Und oft haben solche Cirruswolken am Boden eine Warmfront im Schlepptau, an der wiederum ein ganzes Tief mit Schlechtwetter hängt.
Aber man hat noch Zeit: Vom Halo bis zum Wetterumschwung vergehen ein bis zwei Tage.

Vorsicht Fehlprognose

Aber ein Halo bedeutet noch nicht zwingend Regen: Ein Cirrenschleier, der in der Nacht von einem Halo um den Mond oder am Nachmittag um die Sonne verraten wird, kann auch während einer Schönwetterlage durchziehen – und ist dann harmlos. Erst wenn mehr Cirruswolken auftauchen, typischerweise vom Wind verbogene faserige, hohe Federwolken, und diese sich langsam verdichten, ist es ein sicheres Indiz für Schlechtwetter.

Hier erfährst du mehr über Cirruswolken und wie man sie deutet.

Mond-Halo
Foto: Servus Verlag
Mond-Halo: Kreisrunde Halos entstehen, wenn sich das Licht des Mondes an Eiskristallen bricht, in eisigen Höhen zwischen 5.000 und 13.000 Meter

Wie sieht ein Halo genau aus?

Ähnlich einem Regenbogen sind Halos farbig, nur weniger intensiv und diffuser. Der Rand des leuchtenden Kreises ist innen etwas schärfer begrenzt, mit einer matten rötlichen Färbung, die nach außen immer diffuser wird und am Außenrand manchmal in einen bläulich violetten Farbsaum übergeht.

Test: Zwischen Daumen und Zeigefinger

Wenn man sichergehen will, ob es sich tatsächlich um einen Halo handelt, braucht man nur die Hand Richtung Sonne oder Mond zu strecken. Berührt bei gestreckter Hand der Daumen quasi den Rand des Himmelgestirns und reicht der kleine Finger bis zum leuchtenden Ring, sind das ca. 20 Grad zwischen Daumen und kleinem Finger – und damit ein Halo!

Halo
Foto: Servus Verlag
Hand Richtung Sonne oder Mond halten und Finger spreizen - so identifizierst du einen Halo

Unterschied zum Regenbogen: Brechung an Eiskristallen

Halos entstehen im Gegensatz zum Regenbogen nicht an Wassertropfen, sondern an Eiskristallen. An den sechseckigen Eisnadeln oder Eisplättchen werden die Sonnenstrahlen bevorzugt in eine Richtung gebrochen – 22 Grad von der Sonne weg – das gebrochene Licht aus Hunderttausenden Eiskristallen formt dann einen farbigen Ring, den Halo. Das Wort Halo stammt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet Kreis oder Rundung.

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