Berg-Know-How

Was ist ein Fischmaul?

Wissenswertes • 22. Januar 2019

Gleich vorweg: Ein Fischmaul hat nichts mit Süßwasser- oder Meeresbewohnern zu tun. Es bezeichnet vielmehr ein Warnzeichen im winterlichen freien Gelände. Wir haben mit Christoph Mitterer vom Lawinenwarndienst Tirol gesprochen und verraten, warum man besser nicht unterhalb eines Fischmauls rasten sollte.

Fischmaul: Gleitschneelawine – Zürs am Arlberg
Foto: Lawinenwarndienst Tirol/Christoph Mitterer
Fischmaul: Warnzeichen für Gleitschneelawinen – hier bei Zürs am Arlberg

Was ist ein Fischmaul?

Als Fischmaul bezeichnet man Gleitschneerisse. Das sind sogenannte Zugrisse, die sich durch die gesamte Schneedecke ziehen und den Boden freilegen. Fischmäuler sind Warnzeichen, denn oft lösen sich unter ihnen Gleitschneelawinen.

Wie entsteht ein Fischmaul?

Fischmäuler entstehen, wenn die unterste Schneeschicht schneller gleitet als die oberen Schichten. Dieses Gleiten führt zunächst zu einem Zugriss durch die gesamte Schneedecke – parallel zum Hang. Ein Fischmaul ist geboren. Ob daraus eine Gleitschneelawine entsteht, hängt von der Gleitgeschwindigkeit der Schneetafel ab: Je schneller, desto wahrscheinlicher kommt es zum Lawinenabgang.

Wann kommt es zu einer Gleitschneelawine?

Ob und wann sich Gleitschneelawinen lösen, kann man bis dato nicht vorhersagen. Entscheidend für ihr Auftreten ist wie bereits erwähnt eine nasse, schmierige Schneeschicht zwischen Boden und Schneedecke bei glattem Untergrund  – zum Beispiel umgelegtes Gras und eine geneigte Fläche.

Fischmaul: Paznauntal in Tirol
Foto: Lawinenwarndienst Tirol/Patrick Nairz
Fischmaul: Im Paznauntal in Tirol

Zwei Formen von Gleitschneelawinen

Man unterscheidet zwischen warmen und kalten Gleitschneelawinen. Bei der warmen Gleitschneelawine kommt es zu einer Durchfeuchtung der untersten Schicht von oben – beispielsweise durch Schmelzwasser oder Regen.

Die kalte Gleitschneelawine entsteht durch die unterste nasse Schmierschicht im Schnee – beispielsweise wenn der noch warme Boden zugeschneit wird oder Wasser aus dem Boden in die unterste Schicht dringt.

Warum geht eine Gleitschneelawine ab?

Gleitschneelawinen lösen sich spontan. Dabei rutscht die gesamte Schneedecke vom Boden ab. Sie entstehen durch einen markanten Reibungsverlust zwischen Schneedecke und der untersten Schicht am Boden.

Wie verhalte ich mich, wenn ich ein Fischmaul sehe?

Das Problem mit Gleitschneelawinen: Man kann nicht vorhersagen, ob und wann sie abgehen. Ihre Zerstörungskraft aber ist immens, denn nasser Schnee ist schwer – und die gesamte Schneedecke ist betroffen. Fischmäuler sind hilfreiche Gefahrenzeichen: Zonen mit Fischmäulern sollten daher gemieden werden. Erkennen und Umgehen stellen die beste Prävention dar.

Mehr zum Thema

Winterpanorama: Sicherheit am Berg
Bergwelten-Profi Peter Plattner erklärt, was es alles braucht, um am Berg sicher unterwegs zu sein.
Lawine
Glitzerndes Weiß, Tiefschnee flaumig wie Daunendecken, unverspurte Hänge: Der Winter könnte so viel Spaß machen, wären da nicht die Lawinen. Egal ob man mit Tourenski, Schneeschuhen oder auch zu Fuß im Gelände unterwegs ist – die Gefahr von Lawinen darf man nie außer Acht lassen. Die richtige Ausrüstung und gute Vorbereitung helfen aber, dieses Risiko bestmöglich einzuschätzen. Wir haben daher wichtige Informationen zum Umgang mit der Lawinengefahr und Lawinenerlebnisse gesammelt. Das Hauptaugenmerk sollte hier immer auf der Prävention liegen: Die oberste Priorität ist es, von vornherein keine Lawine auszulösen.
Skitourengeher im Salzburger Lungau
Hier findest du nützliche Informationen für den Wintersport: Warum Felle halten, wie man für die Skitour richtig packt und wodurch sich eine wintertaugliche Jause auszeichnet. Wir verraten es dir!

Bergwelten entdecken