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„Erde ab jetzt einzige Anteilseignerin“

Patagonia-Gründer vermacht sein Unternehmen dem Klimaschutz


3 Min. Lesezeit
von Martin Foszczynski

Yvon Chouinard, der vor 50 Jahren Patagonia gründete, wollte niemals Unternehmer werden und schon gar nicht als Milliardär gelten. Ab nun soll jeder Dollar Dividende der bekannten Outdoor-Sportbekleidungsmarke in die Rettung unseres Planeten fließen. Das könnten 100 Millionen jährlich sein.

Gründer Yvon Chouinard macht Patagonia zum Non-Profit-Unternehmen
Foto: Campbell Brewer
Gründer Yvon Chouinard macht Patagonia zum Non-Profit-Unternehmen
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Am Mittwoch-Abend um 18.30 Uhr Ortszeit informierte Patagonia seine rund 1.500 Mitarbeiter:innen weltweit über eine neue Eigentümerstruktur: Mit sofortiger Wirkung hat die Familie Chouinard alle Eigentumsrechte an zwei neue Instanzen übertragen – den Patagonia Purpose Trust und das Holdfast Collective. Das Wichtigste dabei ist: Patagonia wird ein Non-Profit-Unternehmen. Von nun an wird jeder Dollar, der nicht in das Unternehmen reinvestiert wird, als Dividende zum Schutz des Planeten ausgeschüttet.

In einem auf der Patagonia-Webseite veröffentlichten Brief schreibt Yvon Chouinard: „Ich wollte nie ein Geschäftsmann sein. Alles begann vor vielen Jahren damit, dass ich mit meinen eigenen Händen Kletterausrüstung für meine Freunde und mich herstellte. Dann erst stieg ich in die Bekleidungsbranche ein. Wir erkannten, wie groß das Ausmaß der globalen Erwärmung und der Umweltzerstörung ist und wir realisierten, welchen Anteil wir mit unserem Geschäft daran hatten. Das war der Moment, in dem wir uns dazu entschieden, anders zu wirtschaften.“

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  • Schon seit den 1980er Jahren verpflichtete sich Patagonia jedes Jahr ein Prozent des Unternehmensumsatzes an Umweltschutzorganisationen zu spenden. Es war eines der ersten Unternehmen, das sich als b-Corp zertifizieren ließ, um bestimmte Umwelt- und Sozialstandards zu erfüllen. Unter dem Eindruck der wachsenden Klimakrise wurde im Jahr 2018 der Unternehmenszweck überarbeitet und mit „der Rettung unseres Heimatplaneten“ definiert.

    Patagonia tue sein Bestes, um die Umweltkrise zu bekämpfen, etwa durch das Verarbeiten von Materialien, die die Umwelt weniger belasten (Biobaumwolle), – doch das reiche nicht aus, schreibt Chouinard weiter. Um das Maximum an Geld für den Zweck freizusetzen, hätte er das Unternehmen verkaufen und den gesamten Erlös spenden können. „Aber wir konnten nicht sicher sein, dass ein neuer Eigentümer unsere Werte beibehalten und unsere Mitarbeitenden auf der ganzen Welt weiter beschäftigen würde.
    Ein anderer Weg wäre gewesen, an die Börse zu gehen. Das hätte für uns jedoch eine Katastrophe bedeutet. Denn selbst börsennotierte Unternehmen mit guten Absichten stehen zu sehr unter dem Druck, kurzfristige Gewinne auf Kosten der langfristigen Vitalität und Verantwortung zu erzielen.“

    Der Patagonia Campus im kalifornischen Ventura
    Foto: Kyle Sparks
    Der Patagonia Campus im kalifornischen Ventura

    Kapitalismus für den Planeten

    Anstatt des Börsengangs macht der Patagonia-Gründer nun „die Erde zur einzigen Anteilseignerin“ des Unternehmens. Konkret funktioniert es so:
    Der Patagonia Purpose Trust, der die Werte von Patagonia verankert, besitzt nun alle stimmberechtigten Anteile des Unternehmens, das entspricht zwei Prozent der Gesamtanteile am Unternehmen. Er wird dazu beitragen, die wertebasierten Absichten des Gründers weiterzuverfolgen.
    Das Holdfast Collective besitzt alle nicht stimmberechtigten Anteile (98 Prozent der Gesamtanteile des Unternehmens). Jedes Jahr werden die Gewinne, die nicht in das Unternehmen reinvestiert werden, von Patagonia als Dividende an das Holdfast Collective ausgeschüttet. Es verwendet jeden erhaltenen Dollar, um die Umwelt- und Klimakrise zu bekämpfen sowie die Natur- und Artenvielfalt zu schützen. Das Unternehmen rechnet – abhängig von seinem Gedeihen – mit einer jährlichen Ausschüttung von etwa 100 Millionen Dollar.

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  • An der Führung des Unternehmens ändert sich nichts. Als CEO fungiert nach wie vor Ryan Gellert, die Familie Chouinard wird weiterhin im Vorstand von Patagonia sitzen. Sie wird zudem den Patagonia Purpose Trust leiten, den Vorstand von Patagonia wählen und beaufsichtigen sowie die philanthropische Arbeit des Holdfast Collective leiten.

    Vom Kletter-Pionier zum Unternehmer

    Yvon Choinard hat Patagonia 1973 in Kalifornien gegründet. Er gilt als Pionier des Ende der 1950er Jahre im Yosemite Valley entstandenen Bigwall-Kletterns. Für das Erklimmen mächtiger Felswände wie dem Half Dome oder El Capitan wurden große Mengen von Sicherungs- und Fortbewegungshaken benötigt, aus Kostengründen begann er diese Utensilien selbst zu schmieden und bald auch zu verkaufen. Auch seine Frau Malinda Pennoyer, mit der er seit 1971 verheiratet ist, lernte Choinard in Yosemite kennen. Sowohl sie, als auch seine beiden Kinder sind am Unternehmen beteiligt und haben der jüngsten Neuausrichtung zugestimmt.

    Yvon Choinard beim Bigwall-Klettern in den 1960er und 70er-Jahren
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    Der New York Times zufolge fährt der 83-jährige Patagonia-Gründer, der früher gerne im Van zum Surfen, Skifahren oder Fliegenfischen reiste, bis heute einen alten Subaru, besitzt kein Handy und trägt mitunter „zerlumpte alte Kleidung“. Er soll entsetzt gewesen sein, dass ihn das Forbes-Magazin als Milliardär aufgeführt hat.

    In seinem offenen Brief schreibt er: „Wenn wir in den nächsten 50 Jahren auch nur die geringste Hoffnung auf einen lebenswerten Planeten – geschweige denn auf ein prosperierendes Unternehmen – haben wollen, müssen wir alles tun, was wir mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen können.“

    Und weiters: „Die Ressourcen der Erde sind nicht unendlich, und es ist eindeutig, dass wir ihre Grenzen bereits überschritten haben. Aber sie ist auch widerstandsfähig. Wir sind überzeugt: Wir können unseren Planeten retten, wenn wir uns dazu verpflichten.“

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  • Gemeinsam für den Planeten

    Es bleibt abzuwarten, ob Patagonia mit seiner neuen Ausrichtung eine Vorbildwirkung auf die internationale Outdoor-Industrie hat. Was jede und jeder Einzelne von uns für den Planeten tun kann, können wir euch hingegen schon jetzt verraten. In den nachfolgenden Artikeln findet ihr jede Menge Tipps.

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