Interview

Furtenbach Adventures: Expedition am K2

Aktuelles • 6. Juni 2017

Es ist die erste Expedition auf den K2 (8.611 m), die von einem österreichischen Veranstalter organisiert wird: Morgen fällt der Startschuss für die Expedition des Tiroler Reiseveranstalters Furtenbach Adventures auf den zweithöchsten Berg der Welt. Wir haben mit Gründer und Geschäftsführer Lukas Furtenbach gesprochen.

Der K2 im Karakorum an der Grenze von China und Pakistan
Foto: Lukas Furtenbach
Der K2 (8.611 m) im Karakorum an der Grenze von China und Pakistan

Bergwelten: Ihr seid der erste österreichische Veranstalter, der eine Expedition zum K2 durchführt. Warum hat sich bis dato noch keiner über diesen Berg getraut?

Lukas Furtenbach: Zum einen gibt es in Österreich außer uns keine Veranstalter von Achttausender-Expeditionen mehr. Zum anderen ist eine kommerzielle Expedition zum K2 eine recht komplexe Angelegenheit. Das Schwierigste ist wohl, geeignete Teilnehmer zu finden – also Leute, die dem Berg und seinen Anforderungen gewachsen sind und sich auf die bestehenden objektiven Gefahren am K2 einlassen wollen. Geld und Zeit sind weitere Faktoren. Potentielle Teilnehmer mit diesem Anforderungsprofil gibt es nicht viele: Man muss sie auf der ganzen Welt suchen. In unserem Team sind folgende Nationalitäten vertreten: Österreich, Deutschland, Schweiz, Kanada, Australien, Polen, USA. 

Du planst diese Expedition nunmehr schon seit 3 Jahren. Wieso hat es so lange gedauert?

Nach dem Terroranschlag von 2013 im Nanga Parbat-Basecamp habe ich beschlossen nichts mehr in Pakistan zu machen – zumindest bis sich die Situation stabilisiert hat. In den letzten beiden Jahren war die politische Lage in Pakistan nach meinem Befinden nicht stabil genug, um eine Expedition ruhigen Gewissens durchzuführen. Obwohl der Norden Pakistans, wo der Karakorum liegt, grundsätzlich stabil und kaum von Terrorismus betroffen ist, hatte ich kein gutes Gefühl. Ich wollte abwarten. Heuer ist es für mein Dafürhalten vertretbar. Wir nutzen unser Kontakt-Netzwerk vor Ort und versuchen den Aufenthalt in Islamabad so kurz als möglich zu halten. Touristenhochburgen und Menschenansammlungen werden wir meiden und generell versuchen, „low profile“ unterwegs zu sein.

Blick aus einem Expeditionszelt in den Karakorum
Foto: Lukas Furtenbach
Blick aus einem Expeditionszelt in den Karakorum

Ihr arbeitet mit denselben Sherpas zusammen, mit denen ihr auch am Everest unterwegs wart. Ist das für euch ein entscheidendes Kriterium?

Unsere Sherpas sind sehr wichtig. Unser Lead-Sherpa stand heuer zum 18. Mal am Everest und war auch schon zwei Mal am K2. Sie alle sind top ausgebildet und bringen sehr, sehr viel Erfahrung mit – nicht nur am Berg, beim Versichern der Route und im Umgang mit dem Sauerstoffsystem, sondern auch in der Kundenbetreuung. Und mich freut es, wenn wir sie auch im Sommer, wo es für sie normalerweise keine Arbeit gibt, beschäftigen können. Wir arbeiten zusätzlich mit pakistanischen Hochträgern zusammen, auch diese Menschen habe ich sehr schätzen gelernt. Die Sherpas kommen direkt vom Everest zum K2. In Islamabad treffen sie auf unser restliches Team. Sie sind perfekt vorakklimatisiert und können gleich mit dem Einrichten der Route und der Hochlager beginnen. Ich schätze ihre Arbeit und sie selbst als Menschen über alles. Sie sind Helden.

Eure Expedition besteht aus neun Personen, nur vier davon wollen auch auf den K2 steigen. Der Rest begnügt sich mit dem Broad Peak (8.051 m). Sind unter den K2-Aspiranten auch Frauen?

Zunächst einmal steigen alle neun Expeditionsteilnehmer gemeinsam mit Bergführer Rupert Hauer auf den Broad Peak. Danach wechseln vier von ihnen zum K2, die beiden Basislager liegen ja nur etwa zwei Stunden auseinander. Unter den K2-Aspiranten ist auch eine Frau, insgesamt sind drei Frauen an der Expedition beteiligt. Eine so hohe Frauenquote hatten wir noch nie und ist generell selten in der Branche. Ich für meinen Teil freue mich, dass endlich auch mehr Frauen auf hohe Berge steigen. Nicht zuletzt weil diese statistisch gesehen weniger anfällig für die Höhenkrankheit sind und insgesamt als zäher, ausdauernder und mental stärker gelten – also alles mitbringen, was man braucht, um an einem Achttausender erfolgreich zu sein.

Welche Erfahrungen habt ihr bereits mit dem leitenden Bergführer Rupert Hauer aus Salzburg sammeln können?

Das ist die erste Expedition, die Rupert für uns leitet. Er ist ein sehr erfahrener Profi-Bergführer und hat schon viele Expeditionen geleitet. Im Hauptberuf ist er Polizeibergführer und Alpinpolizist. Ich bin auf Rupert aufmerksam geworden, weil er am Everest seinen eigenen Gipfelversuch ohne Sauerstoff kurz unterhalb des Gipfels abgebrochen hat, um einem schneeblinden Amerikaner beim Abstieg zu helfen. Er hat ihm wohl das Leben gerettet und er hat das ohne Zögern gemacht. Jemand mit dieser Einstellung ist bei uns immer willkommen.    

Hochlager am Broad Peak im Karakorum
Foto: Lukas Furtenbach
Hochlager am Broad Peak (8.051 m) im Karakorum

War er schon einmal vor Ort oder sogar am K2 unterwegs? Welche Anforderungen muss ein Bergführer an einem Berg wie diesem erfüllen?

Der K2 ist auch für Rupert neu. Ein Expeditionsleiter, der eine Expedition auf den K2 leitet, muss vor allem besonnen und vorausschauend handeln können, in schwierigen Situationen schnell und rational die richtigen Entscheidungen treffen und eine große Empathie für die Sherpas und Teilnehmer mitbringen, um sie unter Umständen auch vor sich selbst schützen zu können. Und zuletzt braucht er auch ein gutes Bauchgefühl.  Rupert hat genau diese Eigenschaften in seiner bisherigen Laufbahn als Bergführer unter Beweis gestellt.

Welchen Grund hat es, dass ihr die Expedition als Doppelexpedition konzipiert habt? Vor dem K2 geht es ja erst einmal hinauf auf den Broad Peak.

Die Idee der Doppelexpedition rührt unter anderem daher, dass wir das Risiko am K2 minimieren wollen. Die Aufstiegsroute am K2 – wir werden je nach Verhältnissen den Abruzzen-Sporn oder die Cesen-Route versuchen – birgt objektive Gefahren in Form von Steinschlag, Eisschlag und Lawinen. Je kürzer man sich ihnen aussetzt, desto geringer ist auch das Risiko. Der objektiv relativ sichere Broad Peak wird zwecks Akklimatisation bestiegen. So könnten wir den K2 in nur einem Aufstieg schaffen – sofern die Verhältnisse passen. Höhenbergsteigen ist keine Raketenwissenschaft. Je weniger oft ich an einem gefährlichen Berg aufsteigen muss, desto sicherer wird das Unternehmen. Bei einem Berg wie dem K2 verstehe ich nicht, warum das irgendjemand überhaupt anders macht.  

Der K2 gilt als der schwierigste Achttausender, wenn nicht sogar als der schwierigste Berg der Welt. Womit muss man rechnen, wenn man ihn besteigen will?

An einem Berg wie dem K2 hat man es mit  Risiken zu tun, die man nur bedingt beeinflussen kann. Insbesondere der sogenannte Flaschenhals am Gipfeltag ist gefährlich. Man steigt mehrere Stunden in einer Höhe von über 8.300 m in einer engen Rinne auf, über der ein riesiger Hängeserac thront. Von ihm brechen immer wieder kleinere oder auch größere Teile ab. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Man ist in dieser Rinne sehr exponiert. Es gab hier immer wieder Unfälle und man kann hier nur versuchen, möglichst schnell zu sein – und das funktioniert in dieser Höhe nur mit Sauerstoff. Im unteren Bereich des Bergs ist Steinschlag ein Problem und bei starken Neuschneefällen auch Lawinengefahr. Befindet man sich da gerade in einem Hochlager, sitzt man fest. Am K2 gab es Katastrophenjahre mit etlichen Toten wie auch Rekordjahre mit 28 Gipfelerfolgen an nur einem Tag. Zugleich gab es auch Jahre ohne einen einzigen Gipfelerfolg. Der K2 ist nun einmal ein schwieriger und gefährlicher Berg.

Bergsteiger am Broad Peak im Karakorum
Foto: Lukas Furtenbach
Bergsteiger am Broad Peak (8.051 m) im Karakorum

Was macht den K2 so schwierig? Worin liegt seine Faszination?

„Der gefährlichste Berg der Welt“ oder „der schwierigste Berg der Welt“ – beides stimmt und stimmt doch wieder nicht. Aber beides macht den Nimbus dieses Bergs aus und erklärt – zusammen mit seiner formvollendeten Gestalt –, warum er eine so hohe Anziehungskraft ausübt. Am K2 gibt es keinen technisch einfachen „Normalweg“ wie an anderen Achttausendern. Lange hatte er eine sehr schlechte Statistik: Auf drei bis vier Gipfelerfolge kam ein Toter. In den letzten Jahren sind statt privater Expeditionen zunehmend professionelle kommerzielle Expeditionen am K2 unterwegs und arbeiten dort mit den gleichen Sicherheitsstandards und Sherpas wie auch am Everest. Das hat die Statistik signifikant verbessert. Der Berg bleibt aber dennoch gefährlich.  

Welche Anforderungen müssen die K2-Aspiranten erfüllen? Wie prüft ihr deren Tauglichkeit im Vorfeld?

Alle K2-Teilnehmer standen bereits auf mehreren Achttausendern, sind technisch versierte, selbstständige Bergsteiger und sind körperlich und mental topfit.

Bist du zuversichtlich, dass die Expedition glücken wird? Glaubst du, dass es alle Teilnehmer auf den Gipfel schaffen?

Ich hoffe, dass alle gesund zurückkommen. Das ist für mich das Wichtigste. Wir bemühen uns in erster Linie darum, aber selbstverständlich tun wir auch alles in unsere Macht stehende dafür, dass die Expedition erfolgreich wird. Wetter, Zustand der Route sowie Gesundheit der Teilnehmer sind allerdings Faktoren, auf die wir keinen Einfluss haben. Ich denke immer positiv und bin daher zuversichtlich. Alle Teilnehmer haben das Potential den Gipfel zu erreichen.

Wie wirst du den Verlauf der Expedition aus Innsbruck mitverfolgen? Fieberst du mit?

Ich fiebere extrem mit! Gerade die Gipfelphase wird mir bestimmt schlaflose Nächte bereiten: Ich hänge dann nur am Telefon. Es würde mir viel leichter fallen, wenn ich vor Ort dabei sein könnte. Ich werde aber im Juli zum zweiten Mal Vater – da fällt mir die Entscheidung nicht schwer.


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