Dossier

Bekleidung: Das Zwiebelschalen-Prinzip

Blog • 17. Oktober 2016
von Peter Plattner

In den Bergen muss die Bekleidung verschiedene Aufgaben übernehmen und Eigenschaften erfüllen. Auf den Punkt gebracht soll sie auch bei anstrengenden Aktivitäten und unterschiedlichen Wetterverhältnissen ein angenehmes Köperklima aufrecht erhalten. Eine herausfordernde Aufgabe, die im Winter durch tiefe Temperaturen noch erschwert wird, und die mit einer Gewandschicht nicht zu erfüllen ist. 

Das Zwiebelschalen-Prinzip
Foto: Peter Plattner
Das Zwiebelschalen-Prinzip

„Mehrere dünne Schichten sind besser als eine dicke“. So kann entsprechend den Witterungsverhältnissen und der körperlichen Aktivität kombiniert werden, was am Beispiel Skitour bedeutet: Für den Aufstieg bei höherem Puls reicht mir eine Softshelljacke über der Unterwäsche um nicht zu frieren aber auch nicht zu überhitzen, für die Gifpelrast schlüpfe ich in die warme leichte Daunenjacke und bei der Abfahrt wechsle ich diese gegen einen winddichten Anorak. 

Das funktioniert bei mir. Kunden müssen selber herausfinden, was am Besten funktioniert. Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und abhängig von vielen Faktoren: Ist ihnen leicht zu kalt oder fühlen sie sich erst bei Minusgraden richtig wohl? Schwitzen sie stark oder bleiben auch bei Anstrengung „trocken“? Gehen sie lieber langsam und gleichmäßig mit wenigen Pausen oder springen sie im „stop and go-Modus“, weil sie gerne fotografieren?  

Es bringt also nichts, das Bekleidungssystem der erfahrenen Bergpartnerin 1:1 zu kopieren. Es geht darum, dass sie sich immer wohl fühlen, egal ob die anderen gerade zwei Schichten mehr ode weniger tragen.

Mehrere dünne Schichten werden beim Zwiebelschalen-Prinzip getragen
Foto: Peter Plattner
Mehrere dünne Schichten werden beim Zwiebelschalen-Prinzip getragen

Das Tolle am Zwiebelschalen-System ist, dass sie die meisten Schichten das ganze Jahr über bei allen Berg- und vielen sonstigen Freizeitaktivitäten einsetzen können. Clever eingekauft rechnen sich also hochwertige – und damit meist teurere – Produkte, weil sie oft getragen werden und nicht im Schrank oder Rucksack vergammeln (nebenbei auch eine gute Rechtfertigung für Luxuseinkäufe: „Aber es ist ja so vielseitig verwendbar...“). 

Folgende grundlegende Einteilung gibt es: 

  • Erste Schicht: Wird direkt auf der Haut getragen, also die Unterwäsche, die folgende Funktionen übernehmen soll: Feuchtigkeits-(Schweiß-)Transport von der Haut weg um diese trocken zu halten und bei tiefen Temperaturen auch zu isolieren sprich zu wärmen. Wichtig ist ein angenehmes Körpergefühl bzw. hoher Tragekomfort. 
  • Zweite Schicht: Je nach Verhältnissen und Tätigkeit werden hier unterschiedliche Produkte gewählt. Für den Skitourenaufstieg ist eine Softshell unschlagbar die ohne Anorak getragen wird, für einen Skitag wird ein Fleece unter einer Hardshell gut funktionieren und bei sehr tiefen Temperaturen ist hier eine Jacke gefüllt mit Daunen oder Primaloft ideal. 
  • Dritte Schicht: Diese äußerste Schicht schützt gegen die Elemente und wird meist eine Hardshell, also ein Anorak sein, der Wind und Schneefall abhält. Diese Schicht soll auch robust gegen mechanische Beanspruchung sein.  
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