Sicherheitscheck

Aufgebrannt: Schutz gegen Sonnenbrand

Wissenswertes • 2. Juli 2018
von Peter Plattner

Braun sein ist „in“ und viele Bergsteiger glauben immer noch, sich nach einer Tourenwoche durch ein sonnenverbranntes Gesicht auszeichnen zu müssen. Tatsächlich ist das ein Zeichen von Inkompetenz – erhöhtes Krebsrisiko inkludiert. Bergführer und Sicherheitsexperte Peter Plattner verrät, wie man sich am Berg am besten vor einem Sonnenbrand schützt.

Starke Sonneneinstrahlung am Berg
Foto: argonaut.pro
Starke Sonneneinstrahlung am Berg

Der Sonnenbrand ist eine der häufigsten Verletzungen beim Bergsteigen und Wandern. Während in anderen Ländern und in anderen Sportarten – etwa beim Surfen und in Australien – erkannt wurde, wie wichtig ein ernsthafter Schutz zur Vorbeugung von Hautkrebs ist, fordern viele Bergsteiger nach wie vor den Sonnenbrand heraus. „Ein echter Bergler hat ein sonnenverbranntes Gesicht“, scheint immer noch das Credo für viele Gelegenheitsbergsportler zu sein. Das Gegenteil ist der Fall: Ein Sonnenbrand ist nichts anderes als ein vermeidbarer Strahlenunfall.

Klar: Wer viel im Freien und im Gebirge unterwegs ist, wird zwangsläufig eine dunklere Pigmentierung haben, denn die Haut passt sich an. Der Sonnenbrand selbst aber ist vermeidbar! Übrigens bietet auch eine stark gebräunte Haut nur circa dieselbe Schutzwirkung wie ein Sonnenschutzfaktor 3 – doch der Reihe nach.

Was ist ein Sonnenbrand?

Ein Sonnenbrand ist ein Schaden der Haut durch ultraviolette Strahlung, der nach übermäßiger Sonnenexposition oft bei hellhäutigen Menschen (Hauttyp I und II) und selten bei Menschen mit guter Pigmentierung (Hauttyp III und IV) auftritt. Die Sonne schickt unter anderem ultraviolette (UV)-Strahlung Richtung Erde, deren UVA- und UVB-Anteil die Oberfläche und damit unsere Haut erreicht.

Während die UVA-Strahlung tiefer in die Haut eindringt und dort Langzeitschäden verursachen kann, ist der UVB-Anteil für die oberflächliche Bräunung verantwortlich – oder eben den Sonnenbrand. Der ist letztlich nichts anderes als eine akute Entzündung der Haut. Je nach Schwere muss man mit Symptomen wie leichter Rötung und Juckreiz bis hin zu Blasenbildung und starken Schmerzen rechnen. Ist das Auge beziehungsweise die Binde- und Hornhaut betroffen, spricht man von Schneeblindheit.

Was mache ich bei einem Sonnenbrand?

Bemerkt man erste Anzeichen eines Sonnenbrands (meistens erst nach einigen Stunden), ist es schon zu spät für eine Sonnencreme. Es gilt eine weitere Exposition möglichst zu vermeiden, was im Gelände bedeutet: Haut abdecken und Gesicht beschatten, beispielsweise mit Bekleidung und einem Sonnenhut.

Je nach Schweregrad wird der Sonnenbrand dann ähnlich einer Verbrennung behandelt, das heißt: Kühlung durch feuchte Umschläge (Achtung vor Kälteschäden und Infektionen durch Schnee/Eis oder unsauberes Wasser) und entsprechende Emulsionen/Sprays/Cremen. Letztere erhält man beim Arzt oder Apotheker. After Sun-Cremen und Co. bringen bei einem Sonnenbrand nichts – die belasten die Haut eher noch zusätzlich, etwa mit ihren Parfumstoffen.

Schutz vor Sonnenbrand am Berg
Foto: argonaut.pro
Sonnenbrand-Prävention: Zuweilen ist am Berg Kreativität gefragt!

Wie vermeide ich einen Sonnenbrand?

Indem ich mich abhängig von meinem Hauttyp, meiner Empfindlichkeit und der herrschenden Strahlung (UV-Index) einigermaßen vernünftig verhalte. Entscheidend für die aktuelle UV-Belatung sind unter anderem folgende „Sonnenbrand“-Parameter:

  • Meereshöhe,
  • Sonneneinfallswinkel,
  • Untergrund (Schnee),
  • Bewölkung (Nebel).

Faustregeln lauten: Zwischen 11:00 und 13:00 Uhr wirkt circa die Hälfte der sonnenbrandrelevanten UV-Strahlung. Deren Intensität nimmt pro 1.000 Höhenmeter um circa 1/8 zu. Das heißt: Auf 3.000 m ist die UV-Intensität um circa 50% höher. Dabei verursacht nicht nur die direkte Sonnenstrahlung einen Sonnenbrand, sondern ebenso die Streustrahlung bei Schnee und Nebel.

Kleidung

Mit Abstand der beste Sonnenschutz ist das Abdecken von Hautpartien durch Kleidungsstücke – eine seit Langem bewährte Methode in der Wüste und im Gebirge. Es gibt zwar eigens Bekleidung mit Sonnenschutzfaktor, de facto hält aber auch dichtgewebte (vorzugsweise dunkle) Kleidung die UV-Strahlung recht gut ab.

Das Gesicht inklusive Nacken und Ohren schützt ein klassischer Sonnenhut mit breiter Krempe konkurrenzlos gut: Nicht ohne Grund zählt er zu den alpinen Standard-Accessoires. In wüstenähnlichen Gebirgen schwören viele auf einen Regen- beziehungsweise Sonnenschirm.

Sonnenschutz am Berg: Bergsteiger mit Sonnenhut und Sonnenbrille.
Foto: argonaut.pro
Sonnenschutz am Berg: Bergsteiger mit Sonnenhut und Sonnenbrille.
Wüstenähnliches Gebirge: Wanderer mit Sonnenschutz
Foto: argonaut.pro
Einheimische Kufiya (arabisches Kopftuch), Sonnenhut oder Schirm: In wüstenähnlichen Gebirgen ist alles erlaubt, was vor massiver Sonnenstrahlung schützt.

Sonnenbrille

Egal ob im Nebel oder am Gletscher: Bitte keine Experimente mit den Augen eingehen! Eine entsprechend gute Sonnenbrille ist vor allem im vergletscherten Gelände ein Muss. Wer einmal miterlebt hat, wie es einem schneeblinden Bergsteiger geht, stellt das nie wieder in Frage.

Wichtiger als der Style-Faktor sind hier Passform – die Gläser müssen das Auge nach allen Seiten hin schützen, heißt: eng anliegen, um das Eindringen von Streustrahlung zu verhindern – und die Qualität der Gläser. Zum einen müssen die Gläser einen kompletten UV-Schutz garantieren, zum anderen sollten sie (zumindest im Hochgebirge) die Tönungskategorie 3 oder 4 aufweisen. Weil solche Gläser dann aber sehr dunkel sind, haben sich selbsttönende Gläser bewährt, die sich auf die jeweiligen Lichtverhältnisse einstellen.

Sonnenschutz am Berg: Sonnenbrille
Foto: argonaut.pro
Sonnenschutz am Berg: Eine auf den Seiten eng anliegende Sonnenbrille ist im vergletscherten Hochgebirge ein Muss!

Sonnenschutzmittel

Sonnencremen wandeln entweder chemisch die UV-Strahlung in langwelligere Strahlung um oder wirken physikalisch, indem entsprechende Mikropigmente die auftretende Strahlung streuen und reflektieren. Während nahezu alle Sonnencremen tadellos für einen Tag am Strand verwendet werden können, eignen sich nur wenige zum Bergsteigen beziehungsweise für sportliche Aktivitäten. Denn wir schwitzen und verwischen die Creme und sind bei einer Tour stundenlang nicht nur in der Sonne, sondern auch bei Wind und Kälte unterwegs – darauf reagiert unsere Haut und auch die Sonnencreme.

Folgende Voraussetzungen sollte eine  Sonnencreme zum Bergsteigen erfüllen:

  • Breitband-Schutz: UVB- und UVA-Filter.
  • Hoher Lichtschutzfaktor: Am Berg sind wir einer höheren UV-Intensität ausgesetzt und möchten uns idealerweise nur ein Mal einschmieren – heißt: die Creme muss eine lange Schutzdauer aufweisen.
  • Wasser-/schweißfest.
  • Gutes Handling: Die Creme sollte weder zu dünnflüssig noch zu geruchsintensiv sein. Eine kompakte Form sowie eine Verpackung mit zuverlässigem Verschluss sind wünschenswert.

Die beste Sonnencreme ist sinnlos, wenn sie nicht rechtzeitig – das heißt: circa eine halbe Stunde vor der Tour – aufgetragen wird. Dabei nicht Nacken und Ohren vergessen! Am besten bleibt die Creme dann weiterhin griffbereit eingesteckt.

Sonnenschutz am Berg: Sonnencreme
Foto: argonaut.pro
Sonnenschutz am Berg: Eine gute Sonnencreme sollte einen hohen Lichtschutzfaktor aufweisen, wasserfest sein und sich leicht auftragen lassen.

Lichtschutzfaktor

Der Lichtschutzfaktor (LSF oder SPF) sagt aus, wie lange man sich in der Sonne aufhalten kann, ehe die Haut geschädigt wird. Experten empfehlen für Outdoor-Sportarten mindestens LSF 15 beziehungsweise 20 (für die Lippen). Im Hochgebirge bewährt sich alles ab LSF 30.

Kinder

Während Erwachsene selbst für sich und ihre Haut verantwortlich sind, sieht es bei Kindern anders aus. Wer mit seinen Kindern am Berg unterwegs ist, trägt die Verantwortung für einen ausreichenden Sonnenschutz der Kleinsten. Gerade in der Kindheit kann ein Sonnenbrand das spätere Risiko einer Hautkrebserkrankung erheblich steigern!


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