15.500 Touren,  1.700 Hütten  und täglich Neues aus den Bergen
Anas Weitwander-Lexikon, Teil 4

Alpenüberquerung – Tipps für unterwegs: Alle Wetter

Blog • 6. Dezember 2017

Ana Zirner ist in 60 Tagen alleine über die Alpen gegangen (wir haben darüber berichtet). Angehenden Weitwanderern gibt sie praktische Tipps und erfrischende Gedanken mit auf den Weg. Heute geht es um das Wetter und welche Wetterzeichen man auf Wanderschaft unbedingt berücksichtigen sollte.

Ana Zirner Alpenüberquerung
Foto: Ana Zirner
Schlechtes Wetter gibt es nicht: Ana Zirner in den Karnischen Alpen

Viel von dem „Wissen“, das ich in meinen Beiträgen vermittle, ist von subjektiven Faktoren und meiner persönlichen Erfahrung geprägt. Je länger ich unterwegs war, umso stärker hat sich meine innere Stimmung mit den Elementen verbunden. Deswegen gab es für mich dann auch kein „schlechtes Wetter“ mehr. Ich konnte irgendwann nicht mehr unterscheiden, ob meine Laune aus mir heraus kam oder ob sie sich mit dem Wetter gewandelt hat. Für mich gab es irgendwann eben auch gutgelaunten Regen oder traurigen Schnee. Es gab schützenden Nebel und wütenden Wind.

Geheimnisvoller Nebel im Valle Devero (Italien)

Aber es gibt auch einfach Regeln, wie man sich verhalten sollte, wenn beispielsweise ein Gewitter kommt. Sich darüber zu informieren ist natürlich Pflicht für jede/n Bergsteiger/in. Das Wetter in den Bergen schafft die unglaublichsten Szenerien und es gibt sehr viel, das man lernen kann, wenn man dem Wetter genau zusieht und ein paar der Zeichen zu lesen lernt. Dazu hatte ich auf meiner Tour viel Zeit und es würde diesen Artikel sprengen ins Detail zu gehen. Aber ein paar Beispiele will ich doch nennen.

Mehr zum Thema

  • Gutgelaunter Regen, wütender Wind

    Ich finde zum Beispiel interessant, dass ein Gewitter völlig unabhängig von der Gesamtwettersituation entsteht. Vielmehr bildet es sich durch verschiedene Verhältnisse in der Thermik, wobei man zwischen Wärmegewittern (meist nachmittags, örtlich und zeitlich begrenzt) und Frontgewittern (entstehen sehr plötzlich, oft in der Folge schlechten Wetters) unterscheidet. Ein heranziehendes Gewitter frühzeitig zu erkennen ist auch Übungssache. Man muss dafür den Himmel beobachten und es gibt Zeichen, wie hoch stehende Cirruswolken (auch Federwolken genannt), die auf ein drohendes Gewitter hinweisen können. In der Essenz heißt es dann runter vom Gletscher, Grat oder Gipfel, fernhalten von hohen Masten, einzelnen Bäumen, Seilbahnen und Liften und sich nicht an Felsen lehnen. Gut sind hingegen Mulden, trockene Höhlen oder gleichmäßig hoher Wald. Gefährlich wird es, wenn zwischen Blitz und Donner nicht mehr als 10 Sekunden liegen. Dann sollte man metallische Gegenstände ablegen und sich mit dicht nebeneinander gestellten Füßen auf den Boden kauern.

    Auch die Beschäftigung mit Hochdruck- und Tiefdruckgebieten, sowie mit Warm- und Kaltfronten und ihrem Einfluss auf das Wetter in den verschiedenen Alpenregionen ist durchaus empfehlenswert. Eine heranziehende Kaltfront kann man dadurch vorhersehen, dass sich der Wind im Verlauf des Tages spürbar einmal um 360° dreht. Doch in der Schweiz beispielsweise herrschen – ja, auch beim Wetter – ganz eigene Verhältnisse.

    Ana Zirner Alpenüberquerung
    Foto: Ana Zirner
    Föhnwalze vor der Berninagruppe

    Wetter-Zeichen erkennen

    Ich habe unterwegs immer gerne Wolken beobachtet. Sie haben ziemlich spannende Charaktereigenschaften und – wie ich finde – auch eine Menge Persönlichkeit. Da sind die dicken Kumuluswolken, die sich am Himmel gerne breit machen als würde er ihnen gehören. Sie drücken oft eine satte Zufriedenheit aus und sind ein Zeichen für gutes Wetter. Allerdings können sie auch böse werden und dann zu gewaltigen Gewitterwolken anwachsen. Die Cirruswolken hingegen sind, wie auch das Wort schon anklingen lässt, eher feinere Strichwolken, die sich allerdings auch zu Türmen aufrichten können (etwa zu einer Ambossform) und die dann fest und wie eingefroren am Himmel stehen. In ihrer Starre wirken sie bedrohlich und sind auch ein Indikator für schlechtes Wetter.

    Am liebsten mochte ich Situationen, wenn ich über einen Grat kam und das Wetter oder die Sichtverhältnisse sich auf beiden Seiten deutlich unterschieden haben. Das ist recht oft passiert und es kam sogar vor, dass ich über einen Grat vom Regen in den Sonnenschein hinüberging. Die Berge halten sogar Wolken fest und auch wenn ich das faktisch vorher schon wusste: das unmittelbare Erlebnis ist wirklich faszinierend.

    Freie Sicht auf einer, bewölkt auf der anderen Seite

    Nächstes Thema: Energiehaushalt

    Nächste Woche geht es in meinem Beitrag um den sehr wichtigen physischen Energiehaushalt auf langen Touren.

    Mehr zum Thema

    Bergwelten entdecken