16.000 Touren,  1.700 Hütten  und täglich Neues aus den Bergen
Kanufahrt über den See.
Foto: Sam Strauss
48 Stunden Rosental

48 Stunden im Rosental

• 29. Oktober 2021

Im Süden Kärntens am Fuße der Karawanken liegt ein stilles Tal, das alles hat, was man sich für ein Wochenende wünschen kann: Wasserfälle, Berggipfel, Klettersteige, Kanufahrten, Hütten und den vielleicht schönsten Tümpel des Landes.

Harald Nachförg für das Bergweltenmagazin August/September 2020

1. Tag

13 Uhr: Malerische Tscheppaschlucht 

Tosend fällt das Wasser 26 Meter tief in das von mächtigen Felsblöcken umrahmte Becken. Die feuchte, kühle Luft erfrischt. Opulent steigt einem der Geruch von nassem Gestein, von Wald und Moos in die Nase. Wir stehen in der Tscheppaschlucht und da an ihrem spektakulärsten Punkt: am Tschaukofall. Der erste Eindruck vom Rosental ist schon einmal atemberaubend. Wir sind gerade angekommen und erst dabei, die Gegend zu erkunden.

Einquartiert haben wir uns im Gasthof „Deutscher Peter“ – nachdem wir die gemütlichen Zimmer bezogen und großartige Kärntner Kasnudeln gegessen haben, geht es nun talwärts. Unsere Unterkunft und der nur wenige Schritte entfernte Wasserfall befinden sich nämlich am obersten Ende der Klamm. Darum steigen wir nun über Brücken, Leitern und Stiegen die Schlucht hinab. Unerschrockene können sich auch im Wasser hinunterstürzen, am Tschaukofall beginnt ja ein Canyoning-Abenteuer der Sonderklasse – mit Sieben-Meter-Sprüngen in die Tiefe und allem Drum und Dran.

Für unsere, die gemächlichere Variante brauchen wir etwa zwei Stunden bis zum Eingang. Und weil es von da nur wenige Schritte zum Walter sind, einem echten Original, schauen wir dort auch gleich vorbei.

Ein kleiner Wasserfall im Wald.
Foto: Sam Strauss
Die meisten Wanderer sehen den spektakulären Tschaukofall am Ende ihrer Tour, die Canyoning-Abenteurer am Anfang.
Anzeige
Anzeige

15.30 Uhr: Schreie im Waldseilpark

Walter Mamedof ist durch die Bäume kilometerweit zu hören. Gut, das ist übertrieben, aber ein Megafon braucht der bestens gelaunte Mann mit Sicherheit nicht. Er hat den Waldseilpark Tscheppaschlucht gegründet, den ersten und größten seiner Art in Kärnten, samt 300 Meter langer Flying-Fox-Anlage. In 42 Meter Höhe fliegst du da über den Loiblbach.

Die meisten schreien, auch wenn Walters Schmäh die Angst mildert. Seine Augen sind überall, nicht selten ruft er Klettertipps hinauf ins Geäst oder spricht Mut zu. Dennoch: „10 bis 15 Personen muss ich täglich mit der Leiter runterholen“, sagt er und lacht. Vor allem vom FledermausParcours. „Der wird unterschätzt. Der braucht viel Kraft.“

Ein Hochseilgarten im Wald.
Foto: Sam Strauss
87 Hindernisse hat die Anlage. Der Fledermaus-Parcours ist der schwierigste. Nichts für Schwächlinge.

19 Uhr: Herrliches Essen, große Geschichte 

 Es war Kaiser Karl VI., der Vater von Maria Theresia, der dem Gasthaus seinen Namen gab. Als er 1728 den Ausbau des Loiblpasses inspizierte, fand er dort niemanden, der Deutsch sprach. Nur der Wirt Peter Tschauko konnte es. Und weil dem Monarchen die Unterhaltung mit ihm gefiel, stellte er ihm eine Urkunde aus, wonach sich die Wirtschaft fortan „Deutscher Peter“ nennen dürfe.

Seitdem heißt jeder erstgeborene Sohn der Tschaukos Peter. „Ich bin der zweiundzwanzigste, mit meinem Sohn hab ich bereits für die dreiundzwanzigste Generation gesorgt“, witzelt unser Gastgeber. Ein anderer Vorfahre wiederum – „mein Urgroßvater, er war Arzt, Weltreisender und Forscher“ – hat den Wasserfall in der Tscheppaschlucht entdeckt, der dann ihm zu Ehren Tschaukofall benannt wurde.

Die Wirtsfamilie erfreut aber nicht nur mit Geschichte und Geschichten, sondern auch mit großartigem Essen. Sabine, die Chefin, steht persönlich am uralten Holzofen. Gekocht wird Kärntner Hausmannskost ebenso wie leichte, moderne Kreationen. Gourmets preisen auch die Schnäpse (Tannenzapfenbrand!) – gut, dass man hier auch übernachten kann. 
 

Die Besitzer vor ihrem Wirtshaus.
Foto: Sam Strauss
Sabine und Peter Tschauko vor ihrem legendären Wirtshaus „Deutscher Peter".

2. Tag

10 Uhr: Den Gämsen sind wir ziemlich egal 

 Heute wollen wir den Hochstuhl bezwingen, den mit 2.237 Metern höchsten Berg der Karawanken. Auf ihn führt ein Klettersteig – er gilt als der Klassiker im Rosental. Um den Einstieg zu erreichen, muss aber zuerst ein elend langes Schuttfeld gequert werden. Während wir hoch konzentriert übers Geröll stolpern, spaziert unser Guide Emanuel Koschat über die Steine wie über eine Almwiese. Der 47-Jährige kennt das Gebiet wie seine Westentasche. Er ist auch Bergretter – und das beruhigt. Denn ein Spaziergang ist der Hochstuhl-Klettersteig keineswegs. Vor allem im unteren Bereich. „B/C, mittelschwer“, sagt der Emanuel und kraxelt behände am Nordgrat hinauf.

Der Blick auf die Landschaft ist atemberaubend, nur die Gämsen zeigen daran ebenso wenig Interesse wie an uns. 550 Meter ist der gut gesicherte Eisenweg lang, steilere Passagen wechseln sich mit leichterem Gelände ab. Ohne vernünftige Ausrüstung sollte man sich aber keinesfalls auf die alles in allem etwa fünfstündige Tour begeben. Nach dem grandiosen Gipfelerlebnis und dem Abstieg auf slowenischer Seite beendet man sie üblicherweise in der Klagenfurter Hütte.

Ein Bergsteiger am Klettersteig.
Foto: Sam Strauss
Der Hochstuhl-Klettersteig gilt als der Klassiker im Rosental. Für seine 550 Klettermeter braucht man inklusive Zustieg etwa fünf Stunden.

 15 Uhr: Klagenfurter Hütte

 Das in 1.664 Meter Höhe gelegene Schutzhaus auf der Matschacher Alm ist ein beliebtes Ausflugsziel. Außen rustikal, präsentiert sich das Haus innen unerwartet stylish. Hüttenwirt Roland Ertl, lebensfroher Genießer und Geschichtenerzähler, bringt das Essen à la Haubenlokal auf den Tisch. „Ich will ja meinen Gästen was bieten“, sagt er und lacht.

Welche Wanderrouten empfiehlt er? Die auch für sportliche Kinder bestens geeignete Tour auf den Matschacher Gupf. Dann die ebenfalls leichte Tour zur Narzissenwiese im Bärental. Und die alpine Hochstuhl-Tour über den Bärensattel und den Weinasch am Panoramaweg Südalpen. „Die ist landschaftlich atemberaubend, aber extrem schwierig. Die verlangt hohes Können und viel Kondition.“

Die Bergütte in der Berglandschaft.
Foto: Sam Strauss
Die Klagenfurter Hütte ist außen rustikal, innen aber sehr stylish – bis hin zum feinen Essen.

3. Tag

 8.30 Uhr: Gleiten statt hetzen

Langsam gleiten wir dahin. Neben uns schaukeln ein paar Enten am Wasser, nur das leise Platschen vom Eintauchen der Paddel ist zu hören. Manfred Winkler sitzt im Kanu hinter mir. Er kennt jeden Winkel des mehr als 220 Kilometer langen Draupaddelwegs. Aufgebrochen sind wir in der Selkacher Bucht, gleich beim Zikkurat. Der schneckenförmig angelegte Grashügel ist der markanteste Aussichtspunkt am Fluss. Er ist Teil eines Landart- und Naturschutzprojekts, zu dem auch das strudelförmige Hafenbecken gehört, von dem wir losgefahren sind. Flussaufwärts.

Anstrengend ist das nicht, das Wasser fließt langsam, steht sogar manchmal. „Der Draupaddelweg ist in elf Etappen gegliedert“, erklärt Manfred, „wir sind jetzt in Abschnitt acht unterwegs.“ Der ist 23 Kilometer lang und endet in Ferlach. Rund viereinhalb Stunden braucht man für die malerische Strecke. Wer dann noch etwas unternehmen will, der kann im nahegelegenen Kirschentheuer dem Carnica Bienenmuseum einen Besuch abstatten und Honig einkaufen – eine Spezialität, für die das Rosental auch bekannt ist. 

Der Betreuer des Kajak-Centers posiert für das Foto.
Foto: Sam Strauss
Ob mit Kanu, Kajak oder Stand-up-Paddle-Board – Manfred Winkler zeigt einem die schönsten Plätze auf der Drau.
Ein glasklarer Teich in der Natur.
Foto: Sam Strauss
Faszinierendes Relikt aus der Würm-Eiszeit. Im glasklaren Wasser des Tümpels schaut man in die Vergangenheit.

12 Uhr: Ein tiefer Blick ins „Meerauge“

Das Rosental zu verlassen, ohne ins Meerauge geschaut zu haben, geht natürlich nicht. Der Tümpel mit dem glasklaren, türkisblau leuchtenden Wasser ist in der letzten Eiszeit, also vor 70.000 bis 10.000 Jahren, entstanden. Vermutlich hat – nach zunehmender Erwärmung – ein später geschmolzener Eisklumpen die Bodenvertiefung hinterlassen, die bis heute von Grundwasserquellen gespeist wird.

Man kann den Teich, der kaum Nährstoffe und damit keine Algen enthält und in dem uralte Baumstämme wie Mikadostäbchen verstreut liegen, auf einem Holzsteg bequem umrunden. Der Sage nach soll das Meerauge ein ganzes Ochsengespann verschluckt haben. Besser, wir reizen es nicht und fahren gesund und munter wieder nach Hause. 

Abo-Angebot

Wenn die Wildnis ruft

  • 8 Ausgaben jährlich
  • Praktischer Wanderrucksack von Gregory als Geschenk
  • Wunsch-Startdatum wählen
  • Über 10% Ersparnis
  • Kostenlose Lieferung nach Hause
Jetzt Abo sichern

Mehr zum Thema

Bergwelten entdecken