Doku-Serie

The Horn - Einer der weltbesten Alpinisten wählt den Retter-Weg, Teil 3

Aktuelles • 24. Oktober 2016
von Sissi Pärsch

Simon Anthamatten hat alpine Auszeichnungen im Schrank und Erstbesteigungen auf seinem Konto. Dennoch hat sich der 33-Jährige schon früh für eine Karriere bei der Air Zermatt entschieden.

Simon, der Bergspezialist der Air Zermatt
Foto: Original Media Red Bull Content Pool
Simon, der Bergspezialist der Air Zermatt

Simon Anthamatten ist nicht nur einer der Hauptdarsteller der Red Bull TV-Serie The Horn. Er ist zudem einer der weltbesten Alpinisten. (Die Gene scheinen dabei durchaus eine Rolle zu spielen: seine Brüder, Sam und Martin, sind ebenfalls Top-Bergsteiger.) Simon hat den Gesamtweltcup im Eisklettern 2008 gewonnen, hat alle Gipfel des Fitzroy bestiegen und u.a. mit Hansjörg Auer die Südostwand des Kungyang Chhish (7.400 m) in Pakistan erstbegangen. Dennoch hat er sich schon früh für einen Beruf entschieden, der ihm „vielleicht ein Drittel von dem bringt, was er mit seinem Talent wo anders verdienen könnte“ – so sagt sein Chef Gerold Biner, CEO der Air Zermatt. Warum? Simon sagt’s uns:

Bergwelten: Seit wann bist Du bei der Air Zermatt, Simon?

Simon: Seit 2006. Ich war 23 Jahre damals und wollte unbedingt Teil des Teams werden. Zunächst war ich nur als freier Bergführer im Einsatz. Seit Mai diesen Jahres bin ich nun fest angestellt und lasse mich auch zum Hubschrauberpiloten ausbilden.

Der Alpinist und sein „Hausberg"
Foto: Simon Anthamatten
Der Alpinist und sein „Hausberg"

Wieso hast Du Dich für diesen Weg entschieden und bist nicht einfach Profibergsteiger geworden?

Naja, so einfach wäre dieser Weg auch nicht. Ich bin ja noch als Alpinist unterwegs, wenn auch meine Priorität klar bei der Air Zermatt liegt. Auf Expeditionen gehe ich antizyklisch, also nicht während der Hochphasen, sondern in den Wochen, wenn es etwas ruhiger wird.

Und natürlich liegen Deine „beiden Jobs“ auch recht nah beieinander.

Ja, sie ergänzen sich natürlich auch. Ich bin bei der Flugrettung für spezielle Fälle zuständig, wo es viel alpines Wissen und viel alpine Erfahrung erfordert und natürlich auch die physische Voraussetzung. Auf der anderen Seite schult mich jeder Rettungseinsatz auch privat für den Berg. Ich lerne viel, ob mental, zwischenmenschlich oder was den täglichen Umgang mit extrem hoher Belastung anbelangt.

Und die Ausbildung umfasst sicherlich noch viele andere Punkte oder?

Ja, medizinisch genauso wie Aspekte der Helikopterrettung etc. Es gibt rund 10 verschiedene Bereiche, die man beherrschen muss. Aber natürlich hat jeder sein Spezialgebiet. Wenn ein Team ausrückt, dann mit Arzt, Sanitäter, professionellem Bergführer und Piloten.

Ihr müsst so ziemlich auf alles vorbereitet sein. Was bedeutet das in Sachen Ausrüstung?

Wir haben ein kleines Kit, in dem alles drin sein sollte, was wir brauchen. Auch wenn wir viele Einsätze mit dem Helikopter machen, dürfen wir uns nicht nur darauf verlassen. Die Bedingungen können sich schnell ändern, was bedeutet, dass du zwar mit dem Heli hochgeflogen bist, aber womöglich zu Fuß wieder runter musst. Du musst also immer auch die Ausrüstung für eine Rückkehr zu Fuß dabeihaben.

Friedliches Zermatt im Dämmerlicht
Foto: Andrew Geraci Red Bull Content Pool
Friedliches Zermatt im Dämmerlicht

Eine besondere Herausforderung sind Nachteinsätze oder?

Ja, sie sind extrem schwierig. Es ist nicht nur die Ortung, auch viele der Hindernisse siehst du nicht, Kabel etc. Die Absprache des Risikomanagements ist hier enorm wichtig. Da sind wir uns auch nicht immer einig. Wir müssen die Informationen der Verunglückten filtern und herausfinden, wie akut es tatsächlich ist. Können wir gut auf Tageslicht warten oder müssen wir den Einsatz riskieren? Herrscht auch nur der kleinste Zweifel wird natürlich geflogen.

Du kennst sicher privat viele Extremsportler. Extremsport nimmt auch in Zermatt zu – hat sich Deine Einstellung hierzu durch die Rettungstätigkeit verändert?

Wenn Extremsportler verunglücken bekommen sie meist vermehrt mediale Aufmerksamkeit. Dabei sind sie aber so etwas wie die Spitze des Eisberges. Ihre Unfälle werden draußen wahrgenommen, aber die Masse darunter, die nimmt man nicht so wahr. Es sind die Wanderer, der Breitensport, der den größten Anteil unserer Einsätze ausmacht.

Und was meine eigene Einstellung zum Alpinismus anbelangt: Wenn man so viel sieht, dann wird man durchaus vorsichtiger. Aber man muss die Balance finden und filtern: Welche Angst bremst und behindert mich eher – und was macht mich zu Recht vorsichtig.

TV-Tipp

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