
Selbstversuch im Survival Camp: Wie finden wir zurück zur Natur? – Podcastfolge #106
Foto: Julia Wesely
von Katharina Löffler
Ein Wochenende ohne Dusche, ohne Bett, ohne Strom – dafür mit selbstgemachtem Feuer, einem Unterschlupf aus Laub und Ästen und Essen vom Waldboden. Bergwelten-Redakteurin Kathi Löffler hat an einem Survival Training teilgenommen – und ist mit einer überraschenden Erkenntnis nach Hause gefahren.
Bergwelten-Podcastfolge #106: Selbstversuch im Survival Camp
Meine Erfahrung im Survival Camp
Es ist 23 Uhr. Ich liege am Boden, auf einer Matratze aus Ästen und Laub und starre an die Decke meines selbst-gebauten Unterschlupfes, ebenfalls aus Blättern und Zweigen. Höre ich da ein Rascheln neben meinem linken Ohr? Nein, das bilde ich mir nur ein. Schon eine Überwindung, hier zu übernachten – ohne Isomatte, nur mit Schlafsack und mitten im Wald in einer Höhle aus Laub. Wie diese Nacht wohl wird...

Als ich am nächsten Tag aufwache, bin ich erstaunlich gut ausgeschlafen. Die Nacht ist ruhig verlaufen, kein Wildschwein hat mich in meinem Biwak gestört und keine Spinne ist in mein Ohr gekrabbelt. Jetzt heißt es: Aufstehen und ab zum Frühstück. Wir wollen heute noch lernen, wie man Trinkwasser in der Natur findet und so aufbereitet, dass man es sicher trinken kann. Spoiler: Abkochen schadet nie. Dafür braucht man allerdings ein Feuer. Gut, dass wir gestern schon gelernt haben, wie man ein Feuer ohne Feuerzeug und Streichhölzer, dafür mit einem selbst-gemachten „Feuerbohrer“ entfacht.
Zwar werden die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese Techniken nie wieder im Leben brauchen, doch ein Basiswissen zu haben „gibt einem Freiheit und verringert die Angst vorm Draußen-Sein“, wie der Organisator des Survival Camps Benedict Fuchs von Native Skills erklärt. Auch mein Fazit nach dem Wochenende ist: Ich gehe mit einem anderen Blick durch die Natur und fühle mich etwas wohler draußen.
Was lernt man in einem Survival Camp?
Bei einem Survival Camp soll man lernen, in der Natur mit wenig bis gar keinen Hilfsmitteln zu überleben. Durch unsere moderne Lebensweise haben die meisten Menschen verlernt, ihre Grundbedürfnisse nur mit Dingen, die sie in der Natur finden, zu stillen. Die erfolgreiche YouTube Doku Seven vs. Wild hat das Thema in den vergangenen Jahren wieder populär gemacht.
In einem Survival Camp lernt man, wie man diese Grundbedürfnisse stillt. Typische Aktivitäten sind zum Beispiel:
Feuer machen
Unterschlupf bauen
Trinkwasser aufbereiten
Essbare Pflanzen sammeln oder jagen und Fallen bauen
Gefäße und Werkzeuge schnitzen und anfertigen
Die Angebote reichen von eintägigen Basiskursen bis hin zu ganzen Wochen in der Wildnis und mehrjährigen Ausbildungen. Ich habe an einem Basiskurs von dem österreichischen Survival Anbieter Native Skills in der Nähe von Wien teilgenommen. Die beiden Kursleiter Benedict Fuchs und Jonathan Bonsels geben ihre langjährige Expertise im Survival Bereich mit Humor an die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer weiter. „Wir wollen ihnen zeigen, dass es kein Überlebenskampf ist draußen, sondern dass es schön ist, sich mit der Natur zu verbinden. Weil wir einfach Teil davon sind", erklärt Benedict Fuchs im Podcast.
Die Natur wirkt positiv auf die menschliche Psyche
Ein Aufenthalt in der Natur tut uns gut – das sagt uns nicht nur unser Gefühl, sondern auch die Wissenschaft. Umweltpsychologe Markus Spletzer bestätigt, was viele aus eigener Erfahrung kennen: „Die Erholungswirkung und die Verbesserung der Stimmung gehören mit zu den am besten belegten Aspekten von Naturkontakt." Naturräume verfügen über sogenannte Soft Fascinations – Eindrücke wie das Plätschern eines Baches oder eine vorbeiziehende Wolke, die die Aufmerksamkeit mühelos auf sich ziehen und dem Gehirn so Raum zur Erholung geben.
Dabei hilft schon ein 15-minütiger Spaziergang in der Natur – im Wald, in den Bergen oder auch im Stadtpark – dabei, dass wir uns erholen. Natur ist damit eine kostengünstige und einfache Erholungsmöglichkeit, die uns allen zugänglich sein sollte. Markus Spletzer plädiert daher an Regierende, Naturräume zu schaffen – insbesondere für Menschen, die in der Stadt leben, oder Personen, deren Mobilität eingeschränkt ist. Wie Markus Spletzer erklärt, ist „Naturkontakt kein Luxus und kein Nice-to-have, sondern ein ernstzunehmender Beitrag zur Gesundheit."



