5 Fragen an Bergmenschen

Familie Schön: „Das tägliche Gassigehen ist ein Highlight“

• 14. April 2020
von Martin Foszczynski

Im August 2019 sind Outdoor-Blogger Katharina und Peter Schön mit ihren beiden Kids (3 und 5 Jahre) nach Südamerika gereist, um dort ihre einjährige Elternzeit im Pickup-Camper zu verbringen. Ihr Abenteuer führte sie von Uruguay bis Nordargentinien, wo es aufgrund der Corona-Krise ein jähes Ende nahm. Vier Monate früher als geplant hieß es: zurück nach Deutschland – wie es ihnen derzeit im „Großeltern-Exil“ geht, verraten sie uns im Interview.

Angang des Jahres war Familie Schön noch in Südamerika unterwegs. Hier am 4.780 m hohen Agua Negra-Pass zwischen Chile und Argentinien
Foto: outdoorpashionists.com
Familie Schön am Agua Negra-Pass zwischen Chile und Argentinien, kurz bevor die Grenzen Mitte März geschlossen wurden

Bergwelten: Wo seid ihr gerade?

Momentan befinden wir uns in Franken, wo wir bei Peters Eltern untergeschlüpft sind. Hier werden wir den Rest unserer Elternzeit verbringen. Unsere Wohnung in Oberbayern ist noch bis Ende Juli vermietet. Aktuell genießen wir bestes Frühlingswetter und die hügelige Landschaft mit schönen Fernblicken auf die Rhön. Glücklicherweise können wir in einem großen Garten fast den ganzen Tag draußen sein.

Wie gestaltet sich nun euer alltägliches Leben?

Wir haben einen Wochenplan aufgestellt, mit täglichen Aktivitäten für unsere Kinder und uns selbst. Salzteigbacken, Pfeil- und Bogen bauen, Vogelhaus schreinern, Windlichter basteln und vieles mehr steht auf dem Programm. Zudem ist das tägliche Gassigehen mit dem Hund von Peters Eltern ein Programmhighlight. Dazwischen haben wir genügend Zeit für Sport und sonstige Aktivitäten.

Wie holt ihr euch die Berge nach Hause?

Wir haben auf unserer achtmonatigen Reise etwa 10.000 Fotos und 3 Terrabyte Videos mit unseren Kameras und der Drohne gemacht. Das Aussortieren dieses Materials lässt uns nochmals in zauberhafte Bergwelten abtauchen – wir haben Aufnahmen von den patagonischen Nationalparks Tierra Del Fuego und Torres Del Paine, von Wanderungen zum Grey Gletscher, Fitz Roy, Cerro Torre, zu den Vulkanen Llaima und Lonquimay etc. Und es geht nicht nur uns so, die Kids sind voll dabei und erinnern sich erstaunlich gut an alle Details. In Südamerika rissen die schönen Erlebnisse niemals ab – jetzt haben wir erst Zeit, sie richtig zu verarbeiten.

Gassigehen mit Oma bei Wülfershausen in Franken

Wie haltet ihr Körper und Geist gerade fit?

In unserem Wochenplan haben wir tägliche Slots für Krafttraining, Laufen, Yoga und Cross-Trainer eingetragen. Für‘s Hirn arbeiten wir an unserem Blog outdoorpashionists.com, texten, schneiden Videos und arbeiten an Projekten, zu denen wir sonst nicht kommen. Darüber hinaus lernen wir weiterhin Spanisch. Die Kids geben zudem ihr Bestes, damit unsere Körper und Geister fit bleiben.

Wovon träumt ihr, wenn ihr an die Berge/die Natur denkt?

Von Freiheit. Auf all unseren Reisen mit unseren Campern haben wir die Freiheit genossen, an wunderschönen Orten aufzuwachen und weiterzufahren, wenn wir es wollten. In den letzten Wochen in Südamerika wurde uns genau diese Freiheit genommen. Grenzen wurden abgeriegelt, wir konnten unseren letzten Campingplatz nicht mehr verlassen, ohne sofort von der Polizei kontrolliert zu werden und am Ende durften wir nicht einmal mehr selbst einkaufen gehen. Aus der Sicht einiger Argentinier waren es die reisenden Europäer, die das Virus importiert haben...
Nichtsdestotrotz können wir die drastischen Maßnahmen der südamerikanischen Staaten sehr gut verstehen, denn die medizinische Versorgung dort ist bei weitem nicht so gut wie in Europa. Wir träumen davon, dass diese Freiheit irgendwann wieder zurückkehrt und dass alle Menschen auf der Welt näher zusammen rücken, indem sie solidarisch und hilfsbereit sind.

Outdoorpashionists
Foto: outdoorpashionists.com
Wildcampen am Meer: Katharina und Peter Schön träumen davon, dass diese Freiheit wieder möglich wird

Mehr von den outdoorpashionists:

Katharina und Peter Schön haben von mehreren ihrer Reisen auf Bergwelten.com berichtet – hier könnt ihr ihre Blog-Beiträge nachlesen:

Familie Schön aus Oberbayern – Eltern, Kleinkind und Baby – verabschiedet sich vom Alltag und macht sich im Camping-Bus auf nach Korsika und Sardinien, um dort viel Zeit in der Natur zu verbringen. Hier schildern Kathy und Peter Schön ihre Erlebnisse auf Elternzeit-Roadtrip und geben Nachahmern praktische Tipps.
Über die Vorbereitung auf ihren Norwegen-Roadtrip haben Kathy und Peter Schön an dieser Stelle bereits berichtet. Nun liegen drei Wochen Norwegen im Pickup-Camper hinter ihnen. Obwohl sich ihnen das nordische Land eher von seiner ungemütlichen Seite gezeigt hat, haben sie viele schöne und unvergessliche Eindrücke gesammelt. Mit uns teilen sie ihre Top 3-Stellplätze und Wanderungen für einen gelungenen Norwegen-Trip mit Kleinkindern.
Elternzeitroadtrip durch Südamerika, Teil 2

5 Tipps für einen Campervan-Roadtrip durch Südamerika

Aus dem Alltag ausbrechen und ihren Kindern die Welt zeigen – Kathy und Peter Schön erfüllen sich gerade einen lang gehegten Wunsch und reisen ein Jahr lang mit Camper und Kids durch Südamerika. Im letzten Beitrag ging es um Tipps für die Vorbereitung einer solchen einjährigen Familien-Abenteuer-Reise. In diesem Beitrag beschreiben die beiden die fünf größten Herausforderungen vor Ort und wie man diese am besten bewältigen kann.
Abo-Angebot

Der See ist das Ziel

  • 8 Ausgaben jährlich
  • Praktische Jausenbox als Geschenk
  • Wunsch-Startdatum wählen
  • Über 10% Ersparnis
  • Kostenlose Lieferung nach Hause
Jetzt Abo sichern

Mehr zum Thema

Laura Horvat hat vergangenes Jahr unseren Bergwelten-Bus in ein Zuhause auf vier Rädern verwandelt, nun erwartet sie mit ihrem Verlobten Markus ihr erstes Kind! Bis vor kurzem verweilten sie noch auf der Kanarischen Insel Fuerteventura, jetzt sind sie aber zurück in Österreich. Wir haben mit Laura über Veränderungen, Vorstellungen und Vanlife als kleine Familie gesprochen.
Raus gehen, reisen, das Abenteuer suchen: Auf kaum jemanden trifft dieses Verlangen mehr zu, als auf Ana Zirner. Sie hat alleine die Alpen überquert, die Pyrenäen der Länge nach überschritten und ist dem Colorado-River 2.330 Kilometer trekkend und paddelnd vom Ursprung bis nach Mexiko gefolgt. Wie sie nun zuhause die Selbstisolation erlebt, verrät uns die Bloggerin und Autorin im Interview.
Ernst Merkinger ist kein Stubenhocker. Der Blogger und Autor schnürt am liebsten die Wanderschuhe und macht sich auf den Weg. Zum Beispiel 3.000 Kilometer von Wien bis nach Marrakesch oder über den Alpe-Adria-Trail. Zuletzt ging er 8 der schönsten Weitwanderwege der Alpen – die Story findet ihr im aktuellen Bergwelten Magazin (April/Mai). Wie sich Ernst derzeit in seiner Wiener Stadt-Wohnung fühlt, verrät er uns hier.

Bergwelten entdecken