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E-Mountainbikes: 11 nützliche Tipps

Tipps & Tricks • 7. März 2018

E-Mountainbikes liegen im Trend. Auch wenn sie das Radfahren nicht neu erfinden, sollte man über einige Eigenheiten der motorenunterstützten Velos Bescheid wissen. Das steigert den Spaß und fördert die Sicherheit. Wir haben für euch die wichtigsten Tipps und Kniffe in Sachen Kauf, Fahrtechnik und Wartung zusammengetragen.
 

E-Mountainbikes
Foto: Philip Platzer
E-MTBs sind echte Spaßmacher, sofern man einige Grundlagen über sie weiß (Foto: Unsere Bergwelten-Tester bei der Trail-Abfahrt im Tiroler Gschnitztal)

1. Kenne die unterschiedlichen Bike-Klassen

Die drei wichtigsten Klassen beim E-MTB sind: Trailbikes, All Mountains und Enduros.

  • Ein Trailbike hat 120–130 mm Federweg und ist gut für einfache Trails und längere Touren geeignet. Es ist komfortabel und damit ein beliebtes Einsteigermodell.
  • All Mountains sind sozusagen die Schweizer Messer unter den Bikes. Sie sind bergauf effizient, schaffen aber auch viele schwierigere Trails bergab sehr gut.
  • Das Enduro kann alles, was das All Mountain schafft, ist aber mit ca. 160 mm Federweg auch für sehr schwierige Trails geeignet.

2. Beachte die Latenzzeit

Wenn man anfängt zu treten, dauert es bis zu einer Sekunde, bis der Motor unterstützend wirkt. Das kann beim Anfahren oder nach einem kurzen Pedalier-Stopp am steilen Trail ein Ende der Fahrt – inklusive unsanftem Abwurf – bedeuten.

3. Fahre richtig bergab

Der Motor schiebt beim Tret-Stopp noch eine kurze Zeit mit der eingestellten Power nach – man sollte sich also an Kurven langsam herantasten, sonst schafft man durch den Anschub den Kurvenradius vielleicht nicht und landet im Gestrüpp.

Generell gilt: beim Bergabfahren auf die schwächste Unterstützung (Economy-Modus) schalten! Ein E‑MTB mit rund 20 kg an Eigengewicht fährt sich bergab anfangs ungewohnt – das bedingt auch einen längeren Bremsweg auf Schotterstraßen.

4. Nutze die Hochschiebe-Funktion

Mit E‑MTBs wird ein alter Traum wahr – das Bike, das sich neben dir von selbst am Trail „hochschiebt“. Für die Schiebehilfe muss man am Lenker einen kleinen, aber leider von allen Herstellern ungünstig platzierten Knopf permanent gedrückt halten.

Tipp:
Am hinteren Kranz in einen der mittleren Gänge schalten, dann „rollt“ das Rad schön mit Schrittgeschwindigkeit den Trail hinauf.

E-MTBs
Foto: Philip Platzer
E-MTB-Neulinge müssen beim Bergabfahren das Nachschieben des Motors einkalkulieren. Für Downhill-Staatsmeister Christian Piccolruaz (Bild) stellt das kein Problem dar

5. Schätze deine B+-Reifen richtig ein

Die leichten und gleichzeitig dicken Reifen im Format B+ bieten allen, die sich bisher auf Schotterstraßen-Abfahrten und Trails schwergetan haben, zusätzliche Sicherheit durch Komfort und Traktion. Wunder darf man sich von den Leichtbaureifen aber keine erwarten.

6. Vergiss nicht auf den Zweitakku

Bei Touren mit mehr als 1.200 Höhenmetern sollte man prinzipiell einen zweiten Akku im Rucksack mitführen. Wer einen Alpencross fahren will, muss auch das Ladegerät in den Rucksack packen. Stark frequentierte Hütten in den Ostalpen bieten oft schon Ladestationen an.

7. Fackle dein Haus beim Akkus-Laden nicht ab

Die Akkus hochwertiger E-MTBs sind in den meisten Fällen extrem leistungsfähige Lithium-Ionen-Akkus mit hoher Energiedichte. Sie sollten jedoch niemals ohne Aufsicht geladen werden, am besten im Fahrradkeller. Im schlimmsten Fall brennt ein Li-Ionen-Akku lichterloh und ist nur mit einer Spezialvorrichtung löschbar. Hierzu sollte man die Betriebsanleitung des Fahrrads genau studieren.

Tipp: Bei Verdacht auf Beschädigungen am Akku (z. B. durch einen Sturz) sollte man sofort die Ausfahrt abbrechen und den Fachhändler aufsuchen. E‑MTB-Akkus halten in der Regel 500 Ladezyklen durch, danach verlieren sie an Kapazität.

8. Kenne die Tücken der Akku-Schlüssel

Die Akkus der Motoren von Yamaha und Bosch können bei fast allen Modellen nur mit speziellem Schlüssel gewechselt werden. Das Schlüsselmanagement kann einen manchmal fast in den Wahnsinn treiben. Auch wer nur ein Bike fährt: die Nummern der Akku-Schlüssel sofort beim Kauf notieren und Schlüsselkopien anfertigen lassen. Diese in allen Rucksäcken und Autos verteilen. Sonst steht man bei einer langen Tour auf halbem Weg zum Gipfel und kann den leeren Akku nicht gegen einen voll geladenen Zweitakku tauschen.
 

E-MTBs
Foto: Philip Platzer
Auf längeren Touren gehört ein Zweitakku mit in den Rucksack. Am Specialized Turbo Levo z.B. kann die leere Batterie mit speziellem Schlüssel leicht gegen einen vollen Ersatzakku ausgewechselt werden.

9. Sei dir über versteckte Verschleißkosten bewusst

Bei E‑MTBs muss man nach unserer Testerfahrung mit einem erhöhten Verschleiß bei Reifen, Kette, Bremsen und Antriebseinheit rechnen. E‑MTB-spezifische Reifen und Ketten sind zu empfehlen.

10. Bastle nicht an deinem Bike herum. Und wenn doch, kenne die Folgen

Einfach so Federgabel oder Scheibenbremsen wechseln ist nicht mehr möglich. Die Hersteller schreiben genau vor, welche Reifen, Vorbauten, Federgabeln und Lenker an einem E‑MTB nachträglich getauscht oder umgebaut werden dürfen. Diese Arbeiten sollte man nur vom Fachhändler ausführen lassen.

Tipp: Wurden an einem E‑MTB Teile getauscht, die nicht vom Hersteller vorgesehen sind, oder wurde ein Chiptuning durchgeführt, erlöschen Herstellergarantie und Versicherungsschutz.

11. Versuche niemals ein Bike mit Akku im Flugzeug zu transportieren

E-Bikes mit Akku werden von keiner Airline transportiert. Wer es probiert, gefährdet sich und andere, riskiert hohe Strafen und die Konfiszierung des teuren Geräts. Grund: die hohe Energiedichte der Akkus. E-MTB-Akkus dürfen momentan nur auf dem Seeweg oder von spezialisierten Cargo-Unternehmen transportiert werden (z. B. bei Inselreisen etwa nach Teneriffa).

Die Lösung: Leihakkus vor Ort besorgen. Doch Achtung: E‑MTBs mit fest eingebauten Akkus sind daher von Flugreisen ausgeschlossen.

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