Bergsage

Die verschüttete Stadt Roll

Wissenswertes • 14. Juni 2017

Merligen am rechten Thunerseeufer wird dank seines milden Klimas auch „Riviera des Thunersees“ genannt und ist Ausgangspunkt für schöne Touren im Berner Oberland. Unweit von Merlingen liegt einer alten Sage nach die Stadt Roll unter Bergschutt begraben.

Thunersee Berner Oberland
Foto: Switzerland Tourism
Der Thunersee mit Blick auf das Sigriswiler Rothorn und das Niederhorn
  • Gebirge: Emmentaler Alpen
  • Ort: Merlingen, Thunersee, Berner Oberland

Am rechten Ufer des Thunersees, unweit von Schloss Ralligen und des Dörfchens Merlingen, liegt einer Sage nach die Stadt Roll unter Schutt begraben. Sie soll durch einen furchtbaren Bergsturz verschüttet worden sein, indem sich ein großer Gipfel der Ralligstöcke losgerissen habe und in Richtung See hinabgestürzt sei. Noch jetzt liegen dort große Felsblöcke von festem Kalkstein. Auch ein schlossähnliches Gebäude, Ralligschloss, einige Minuten vor dem Schuttplatz gelegen, soll ein Überbleibsel sein. Vor nicht langer Zeit hat man unter einem großen Felsstück eiserne Werkzeuge gefunden. Folgende Sage wird darüber im Volk erzählt:

Eines Abends, als sich die Bewohner der Stadt zur Ruhe begeben wollten, kam ein Zwerglein vom Berg herab und begehrte Nachtherberge, wurde aber von den ungastlichen Leuten abgewiesen. Nirgendwo fand das Bergmännlein freundliche Aufnahme außer bei den Bewohnern des Ralligschlosses. Am nächsten Morgen stellte sich das Zwerglein auf den Gipfel der Giebelfluh und rief mit folgenden Worten die Unglücksbotschaft über die Stadt aus:

Stadt Roll, zieh us mit dinem Volch!
Die spitzi Ruh ist g'spalte;
Schlegel und Wegge si g'halte,
Zieh'us, dem Stampach zu!

Aber niemand hörte auf diese Warnung und das Unglück nahm seinen Lauf. Der größte Teil der Giebelfluh riss sich los und zermalmte die Stadt samt ihren Bewohnern. Niemand wurde gerettet außer die gastfreundlichen Bewohner des jetzt noch stehenden Ralligschlosses. Jetzt gleicht dieser Ort einer Einöde, nur auf eine spärliche Weide treibt der Schaf- und Ziegenhirt seine Herde.

(Quelle: Nach mehreren Überlieferungen. Theodor Vernaleken, Alpensagen – Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858; www.sagen.at)

Rund um den Thunersee

Die Sage heute: Fährt man von Thun am rechten Seeufer Richtung Interlaken ist zwischen Gunten und dem Dorfkern von Merligen das Schloss Rallingen nicht zu übersehen. Das imposante Gebäude wurde im 14. Jahrhundert vom damaligen Augustiner-Kloster in Interlaken als Weingut genutzt. Seit 1976 gehört das Anwesen der Christusträger Communität Schweiz und dient als Gästehaus.

Schloss Rallingen Thunersee
Foto: Christusträger Bruderschaft
Schloss Ralligen am Thunersee

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