Die richtige Schnüren erhöht den Gehkomfort beim Bergsteigen, hier oberhalb der Nürnberger Hütte.
Foto: argonautpro, alpinonline
Tipps & Tricks

So schnürst du deinen Wanderschuh richtig

28. Mai 2021

Der Gehkomfort beim Wandern hängt stark vom richtigen Wanderschuh ab. Aber nicht nur von Modell, Passform und Größe, sondern vor allem von der richtigen Schnürung. Diese kann den Halt und die Kraftübertragung verstärken als auch Druck- und Reibestellen am Fuß entlasten. Anbei acht Tipps für mehr Gehkomfort am Berg.

1. Auf die Qualität des Berg- oder Wanderschuhs achten

Voraussetzung für eine optimale Schnürung ist neben der Passform (Größe, Leistenbreite und -höhe) auch die Art des Wanderschuhs. Die Schnür-Möglichkeiten bei Halb- oder Trailschuhen sind beschränkt, ein hoher Wanderschuh mit Schaft oder hochwertiger Trekking-Schuh kann dagegen individuell geschnürt werden und somit an verschiedene Bedingungen beim Bergsteigen angepasst werden.
Dazu kommt auch die Qualität des Schuhs – qualitativ hochwertige Bergschuhe haben im Vorfußbereich meist Ösen für die Schnürung und am Schaft Haken, um die Bänder zu fixieren. Auch die Socken und Schnürsenkel müssen passend zum Schuhtyp ausgewählt werden.

2. Vor dem Anziehen die Schnürung lockern

 

Vor dem Schnüren die Lasche hochziehen
Foto: Hanwag
Vor dem Schnüren die Lasche hochziehen

Die richtige Schnürung fängt beim Anziehen des Bergschuhs an – und zwar in die umgekehrte Richtung. Vor dem Hineinschlüpfen sollten die Schuhbänder so weit gelockert sein, dass man gut in den Schuh hineinkommt. Nun bewusst die Ferse nach unten und somit in die Fersenkappe drücken, Socken und Lasche richten, damit keine Falten entstehen, die Druck- oder Reibestellen verursachen können. Die Lasche bietet zudem Schutz für das Schienbein.

3. Beim Binden das Sprunggelenk nicht beugen

Den Bergschuh im Sitzen schnüren
Foto: Hanwag
Den Bergschuh im Sitzen schnüren

Die Schuhe am besten im Sitzen schnüren – Fuß und Schienbein sollten sich ungefähr im 90-Grad-Winkel befinden, der Fuß ist leicht nach vorne gestellt. Schnürt man die Schuhe stehend, ist der Schaft meist zu locker und die Feste nicht in optimaler Position.

4. Den Vor- und Mittelfuß fixieren

Zwei halbe Knoten helfen die unterschiedlichen Zonen verschieden fest zu schnüren.
Foto: Hanwag
Zwei halbe Knoten helfen die unterschiedlichen Zonen verschieden fest zu schnüren.

Die erste Zone eines Bergschuhs fixiert den Vor- und Mittelfuß und hat meist eine Ösen-Schnürung. Der Vorfuss sollte eher eng gebunden sein, um für optimalen Halt im Gelände zu sorgen. Dies ist vor allem wichtig, wenn man im felsigen Gelände, beim Klettern oder auf Klettersteigen unterwegs ist. Wenn der Vor- und Mittelfuß unterschiedlich fest gebunden werden sollen, hilft es, die ersten von der zweiten Zone mit zwei halben Knoten zu unterteilen.

5. Die Ferse fixieren

Ab dem sogenannten Spann bzw. Rist beginnt die zweite Zone eines Bergschuhs. Von diesem Bereich an führt die Schnürung durch Haken. Der erste Haken wird als Tiefzughaken bezeichnet, der sich auf Höhe der Ferse und meist etwas nach hinten versetzt befindet. Durch eine gute Fixierung des Hakens wird der Fersenschlupf und somit eine der Hauptursachen für Blasen vermieden. Befindet sich die Ferse noch immer eher locker im Schuh, kann man die Fixierung mit einer bestimmten Schnürtechnik verbessern.

Die Schnürung soll während der Wanderung nachgezogen werden.
Foto: Hanwag
Die Schnürung soll während der Wanderung nachgezogen werden.

6. Druck vom Spann nehmen

Kein Fuß gleicht dem anderen und fast jeder Fuß hat eine anatomische Besonderheit: Manche Menschen haben zum Beispiel einen hohen Spann oder ein Überbein. Um diese Unebenheiten zu entlasten, fädelt man die Schnürsenkel an dieser Stelle durch zwei oder mehr Ösen auf der gleichen Seite, anstatt sie zu kreuzen. Mit dieser Parallelschnürung nimmt man den Druck von dieser Stelle und sorgt für Entlastung und mehr Raum.

7. Den Schaftbereich optimieren

Durch das umgekehrte führen der Schnürsenkel kann der Schaft enger gebunden werden.
Foto: Hanwag
Durch das umgekehrte führen der Schnürsenkel kann der Schaft enger gebunden werden.

Je nachdem, ob man bergauf oder bergab geht, wird der Schaft locker oder fest geschnürt. Während der Wanderung kann es auch notwendig sein, die Schnürung zu lockern, nämlich dann, wenn der Fuß bzw. das Bein aufgrund von Hitze oder langen Distanzen anschwellen. Bei einer Druckstelle am Schienbein lässt man einfach den letzten Haken aus. Normalerweise wird der Schnürsenkel normal von unten nach oben über die Haken geschnürt. Will man es enger haben, kann der Schnürsenkel auch umgekehrt in die Haken geführt werden.

Tipp: Zu lange Schnürsenkel nicht mehrfach um das Schaftende führen oder schnüren. Dies sorgt für Druckstellen, schränkt die Bewegungsfreiheit ein und kann sogar für schlechtere Durchblutung sorgen. Schnürsenkel kürzen oder neue kaufen.

8. Während der Tour nachschnüren bzw. an Auf- und Abstieg anpassen

Wenn sich die Schnürung lockert oder sich der Fuß verändert, dann ist es Zeit, die Schnürung nachzuziehen. Bei Anzeichen von Druckstellen sollte der gesamte Schuh komplett neu geschnürt werden, wobei die gereizten Regionen möglichst entlastet werden sollten. Für den Aufstieg soll der Vor- und Mittelfußbereich mittel bis fest gebunden sein.
Die obere Schafthälfte kann für gute Beweglichkeit hingegen locker sein. Bergab sollen beide Zonen fest geschnürt sein – dies bietet optimalen Halt und gute Stabilität im Gelände.

Das Schienbein entlasten indem man den obersten Haken auslässt.
Foto: Hanwag
Das Schienbein entlasten indem man den obersten Haken auslässt.

Weiters kann es auch notwendig sein, die Schnürung zu lockern – dann wenn sich der Fuß und das Bein aufgrund von Hitze oder langen Distanzen verändert – oder man lässt den obersten Haken aus, wenn man zum Beispiel ein Druckstelle am Schienbein hat.

Wenn sich die Schnürung während der Tour lockert oder sich der Fuß verändert, dann ist es Zeit, die Schnürung nachzuziehen oder bei auftretenden Druckstellen komplett neu zu schnüren.

Hanwag vereint traditionelle Handwerkskunst mit ausgereiftem technischen Know-how
Foto: Hanwag
Hanwag vereint traditionelle Handwerkskunst mit ausgereiftem technischen Know-how

Hanwag – 100 Jahre Qualität und Know-how für innovatives Schuhwerk aus Bayern

Seit 1921 bis heute steht Hanwag für traditionelle Handwerkskunst in Kombination mit ausgereiftem technischen Know-how, kontinuierlicher Verbesserung, Langlebigkeit und Tradition. Seit 100 Jahren entstehen am Firmensitz in Vierkirchen bei München funktionale Berg- und Trekkingschuhe von höchster Qualität. Gemeinsam mit vielen erfahrenen Profi-Sportlern – Alpinisten, Trekkern und Bergführern – entwickeln die Hanwag-Schuhmacher und -designer innovatives Schuhwerk für den sportlichen Einsatz, perfektioniert bis ins kleinste Detail. Hanwag bietet nicht nur eine große Palette unterschiedlicher Schuhmodelle, sondern hat auch zwanzig Spezialleisten entwickelt, um individuell auf die verschiedenen Füße eingehen zu können. Hanwag zudem 100 Jahre Erfahrung im Leistenbau

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