Sicherheitsthema: Kommunikation am Berg

Smartphone am Berg

Tipps & Tricks • 6. März 2018

Das allmächtige Smartphone: ein Allzweckgegenstand, der unser alltägliches Leben 24 Stunden am Tag begleitet. Was ihr allerdings beim Umgang mit dem Smartphone am Berg beachten müsst oder wie ihr einen Notruf ohne Empfang absetzt und vieles mehr erfahrt ihr hier.

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Foto: mauritius images

Text von Riki Daurer und Peter Plattner

Sicherheitsfalle Handy

Wir sind es gewohnt das Smartphone am Berg zu nützen. Egal, ob es darum geht unsere Tour mit GPS, Fotos und unseren Pulsdaten zu dokumentieren oder um einfach erreichbar zu sein. Das Smartphone ist immer dabei. Die Gefahr besteht darin, sich zunehmend auf das Mobiltelefon zu verlassen. Gerade in sicherheitsrelevanten Aspekten wie der Abspeicherung digitaler Karten incl. Track oder der Absendung eines Notrufes – das Smartphone wird zum Allheilmittel aller Probleme. Allerdings ist selbst die ausgeklügeltste Technik nicht fehlerfrei, denn ein Handy funktioniert nicht immer, überall und uneingeschränkt.

 

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Foto: Peter Plattner

Drei häufige Probleme im Umgang mit dem Smartphone am Berg

Netzabdeckung

Wir verlassen uns darauf, dass wir immer ein verfügbares Mobilfunknetz und somit die Möglichkeit zu telefonieren haben. Am Berg, außerhalb von Siedlungsräumen oder Skigebieten kann es jedoch immer wieder vorkommen, dass es keine Netzabdeckung und somit auch keinerlei Möglichkeit gibt einen Notruf abzusetzen. 

Energie

Die vielen Funktionsoptionen eines Handys werden rasch zum Energiefresser. Je mehr Funktionen, Apps, Push-Nachrichten und Einstellungen (WLAN, Blutooth, etc.) auf meinem Handy aktiviert sind, desto mehr arbeitet es (unbemerkt im Hintergrund) und die Akkuleistung wird sukzessive verbraucht.

Kälte

Kälte entzieht jedem noch so starken Akku Energie. Der Kälteeinfluss kann sogar dazu führen, dass das Handy nicht mehr einzuschalten ist – bei einigen Modellen (siehe Diskussionen zum iPhone-Update) tritt dieses Problem häufiger auf als bei anderen. 

Was kann ich tun?

Wofür nehme ich mein Handy mit?

Primär gilt es zu überlegen, wofür man das Handy auf Tour mithat: als Kamera, Navigationsgerät, Mail-Provider oder für einen eventuell eintretenden Notfall?

Tipp: Ein Riesen-Business-Handy ist zum Bergsteigen eher ungeeignet, ein robustes, mit vernünftig großem Display ausgestattetes Smartphone oder Mobiltelefon ist absolut ausreichend.

Wie kann ich Energie sparen?

Warm halten! Tiefe Temperaturen vermeiden: ideal sind ca. 20°, d.h. im Winter am Körper tragen (trotzdem sollte es mind. 30 cm von LVS-Gerät entfernt sein und sich an der anderen Körperseite befinden) und ev. Schutzhülle verwenden

  • WLAN, Push und weitere Dienste ausschalten bzw. auf Flugzeug- oder Stromsparmodus schalten (findet man unter Einstellungen/Batterie)
  • oder das Telefon gänzlich ausschalten
  • aktiv auf 2G/GSM umschalten
  • Freisprecheinrichtung über Headset (Kabel)
  • HandyAktivitäten im Freien reduzieren – hierzu gehören auch Selfies!
  • AkkuPack mitnehmen
  • Premium-Apps statt Werbeversionen verwenden: das Laden von Werbeeinblendungen bei der Wetter-App benötigt Strom
  • Display-Helligkeit reduzieren bzw. Display nur kurz aktivieren
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Foto: Peter Plattner

Wie gehe ich mit dem Thema Netzabdeckung um?

Prinzipiell gilt es sich zu informieren, ob und wo auf der Tour überhaupt Netzempfang vorhanden ist und von welchen Stellen aus ein Notruf absetzbar wäre. Dementsprechend muss man sich in einer Notsituation folgendermaßen verhalten: 

  • hochgelenen, von Hindernissen freien Ort aufsuchen
  • Headset verwenden, ruhig stehen und Telefon nach optimaler Empfangsposition ausrichten 
  • ist das primäre Netz eures Anbieters nicht zur Verfügung sondern nur ein Fremdnetz, so könnt ihr nur einen Notruf via 112 (EuroNotruf) absetzen. Achtung: dies bedeutet, dass man von der Leitstelle oder dem Helikopter nicht zurückgerufen werden kann!
  • bei schlechtem Empfang kann in vielen Fällen ein Notruf per SMS abgeschickt werden. Textnachrichten werden bei schlechter Netzabdeckung eher übermittelt als Sprachmitteilungen
  • findet sich weit und breit kein Netzempfang wird eine Person der Gruppe  abfahren bzw. -steigen und Hilfe holen müssen
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Foto: Peter Plattner

Apps und Einstellungen, die bei einem Notruf unterstützend wirken

  • Notruf-App
    Die App weiß wo ich bin und zeigt die Koordinaten an. So kann ich die Information selbst an den Notruf-Operator weitergeben (z.B. alpenvereinaktiv.com-Notruf App).
  • Notruf via SMS
    Sofern kein bzw. kaum Netzempfang vorhanden, aber ein Verbindungsaufbau per SMS möglich ist, kann der Gehörlosennotruf (Nr.: 0800133133) genutzt werden
  • Einmalige Standortfreigabe über Google Maps, Whats-App, Facebook (Es ist möglich, den aktuellen Standort mit einem bestimmten Nutzer zu teilen oder die Standortfreigabe zeitlich zu befristen.)
  • Freigabe des Standortes über Apple „Find me“
    Die App-Einstellung gibt euren Standort laufend bzw. über eine vordefinierte Zeit an eine oder mehrere Personen weiter. So ist im Notfall - zumindest bis zum Empfangsabbruch -sichtbar wo ihr zuletzt unterwegs wart.
  • Außerhalb von Mobilfunknetzen bieten moderne Notfallsender (z.B. Garmin InReach, Spot Messenger) die Möglichkeit SMS- und Mail-Nachrichten via Satellit zu senden und teilweise auch zu empfangen. So werden abgesetzte Notrufe an internationale Leitstellen oder Freunde abgesetzt und eine beidseitige Kommunikation zu deutlich günstigeren Konditionen als mit einem vollwertigen Satellitentelefon ermöglicht. Die SMS enthält dabei auch immer die Standortkoordinaten der sendenden Person.
  • Ein Satellitentelefon ermöglicht es je nach System von nahezu jedem Ort einen gezielten Notruf abzusetzen und auch zurückgerufen zu werden. Überraschend günstig und für die Alpen ideal ist das Thuraya System, wobei sich hier ein sog. Sat-Sleeve anbietet. Das ist eine Hülle die am Smartphone montiert wird, eine Satelliten-Verbindung herstellt und auch als externer Akkupack dient.
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Foto: Peter Plattner

Welche Möglichkeiten habe ich zusätzlich?

  • Karte immer in PrintVersion mitnehmen
  • Ebenso einen Ausdruck der Tourenbeschreibung
  • AkkuPack mit Ladekabel
  • Digitalkamera anstelle des Handys, um Akku zu sparen
  • Bei sehr abgelegenen und langen Touren alternatives Kommunikationsmittel (Sat.-Telefon, Messenger, Funk) mitführen
  • Notfallszenario ohne Handy vorab nochmals durchgehen
  • Familie und Freunde vorab über die Tour und den Zeitplan informieren
  • Die Tour als auch ein ev. Notfall sollte auch „analog“ durchführbar sein. Es empfiehlt sich ein solches Szenario einmal durchzuspielen. Doch mehr dazu im nächsten Beitrag, der am XYZ erscheint

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