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Berg-Know-How

Sicher unterwegs: Checkliste fürs Bergwandern

• 22. April 2020

Gemeinsam mit dem Kuratorium für Alpine Sicherheit haben wir eine kleine Fibel rund um das Thema „Sicheres Bergwandern“ zusammengestellt und präsentieren euch hier eine umfassende Checkliste sowie hilfreiche Tipps für alles, was vor, während und nach der Tour anfällt.

Tre Cime: Bergwanderer in den Dolomiten
Foto: Elias Holzknecht
Tre Cime: Bergwanderer in den Dolomiten
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Wir haben mit Peter Veider über Sicherheit beim Bergwandern gesprochen und seine Empfehlungen für euch zusammengefasst. Veider ist Vizepräsident des Kuratoriums für Alpine Sicherheit sowie Ausbildungsleiter und Geschäftsführer der Bergrettung Tirol – und, so ganz nebenbei, auch noch staatlich geprüfter Berg- und Skiführer. Man kann also sagen: Wenn es um die Berge geht, weiß dieser Mann ganz genau, was Sache ist.

Im Vorfeld

Eine solide Tourenplanung stellt die Basis jeder Bergwanderung dar. Sie umfasst das Einholen aller relevanten Informationen zur geplanten Tour – also das Studieren von:

  • Kartenmaterial,
  • Erfahrungsberichten im Netz und
  • Touren-Beschreibungen einschlägiger Portale oder Apps.

Mindestens genauso wichtig ist die Berücksichtigung des Wetterberichts. Dabei gilt es folgende Fragen zu beantworten:

  • Ist Niederschlag prognostiziert? Wenn ja: Wann sollen wie viel Liter Regen niedergehen?
  • Besteht Gewittergefahr?
  • Wie ist es um die Temperatur im Gebirge bestellt? Wichtig: Immer darauf achten, dass sich die eingeholten Informationen dezidiert aus einem Bergwetter-Bericht speisen – und nicht auf den Talort beziehen. Die Temperaturunterschiede können beträchtlich sein!
  • Welche Auskünfte gibt das Bergwetter zur Windstärke? Grundsätzlich gilt: Eine frische Brise (bis zu 35 km/h) hat noch keinem Wanderer geschadet, ab 40 km/h aber spricht man bereits von starkem Wind. Ab 50 km/h hat man bereits „fühlbare Hemmungen beim Gehen gegen den Wind“.
  • Was für Informationen liegen zur Sichtweite vor? Hier gilt zu beachten: Nebel mag in Talnähe stimmungsvoll sein, am Berg kann er schnell gefährlich werden und das Orientierungsvermögen massiv beeinträchtigen.

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  • Das Kuratorium für Alpine Sicherheit rät: „Wenn die Wetterverhältnisse nicht für die geplante Tour passen, dann sollte man sein Ziel abändern und kein unnötiges Risiko eingehen“. Peter Veider beschwichtigt: „Man muss deshalb ja nicht gleich daheim bleiben“ – es findet sich immer ein taugliches und sicheres Alternativprogramm. Eine gemütliche Wanderung in Talnähe zum Beispiel, ein Spaziergang entlang eines Flusses oder die Besichtigung von Höhlen und Grotten. Veider rät zudem, immer zwei bis drei verschiedene Wetterberichte einzuholen und zu vergleichen, um deren Stichhaltigkeit zu belegen.

    Kanada: Bergwandern im Herbst
    Foto: mauritius images / imageBROKER / Stefan Wackerhagen
    Wandern im Herbst: Goldene Zeiten am Berg

    Ein weiteres Kriterium im Rahmen der Tourenvorbereitung ist eine realistische Selbsteinschätzung. Klingt einfach? Ist es nicht. Allein in Tirol kommt es jährlich zu 700 Bergunfällen, die meisten sind auf Stolpern in Folge von Ermüdung, zu langen Touren und zu schweren Rucksäcken zurückzuführen, weiß Peter Veider. Um eine Selbstüberschätzung zu vermeiden, sollte man sich langsam an die eigentlichen Ziele herantasten. Warum nicht erst einmal zwei bis drei rote Touren begehen und sich langsam in puncto Zeit, Strecke und Höhenmeter steigern?

    Dabei bekommt man auch ein Gefühl für die eigene Trittsicherheit, Muskelkraft und Verträglichkeit von Höhe (Stichwort: Schwindelfreiheit). Darüber hinaus entwickelt man ein Gefühl für die Klassifizierung von Wanderwegen und weiß bald einmal, was einen auf einer roten, schwarzen oder alpinen Route ungefähr erwartet – und, nicht zuletzt, ob die veranschlagte Tourenzeit ein realistischer Paramter für die eigene Geschwindigkeit ist. Erst dann kann man abschätzen, wie lange man tatsächlich unterwegs sein wird. „Früh genug aufzubrechen ist wichtig“, unterstreicht Peter Veider – immerhin muss immer auch ein Puffer für Pausen und etwaige unvorhergesehene Ereignisse eingerechnet werden.

    Sicherheitstraining für den Berg

    Veider ist überzeugt, dass Aufklärung im Rahmen einer realistischen Selbsteinschätzung eines der wichtigsten Mittel zur präventiven Unfallverhütung darstellt und fragt: „Warum gibt es sonst das verpflichtende Fahrsicherheitstraining, wenn man den Führerschein macht?“. Ein wandertaugliches Pendant dazu hat das Kuratorium für Alpine Sicherheit in St. Magdalena im Tiroler Gschnitztal geschaffen. Die Alpine Safety Area (ASA) ist ein Trainingsgelände, wo man sich einerseits gründlich informieren und andererseits in Form eines Trainings aktiv werden kann. Das Schulungsgelände ist im Alpenraum die erste Anlage ihrer Art und den steigenden Unfallzahlen am Berg geschuldet.

    Tipp

    Peter Veider empfiehlt zudem das Prüfen des Versicherungsstatus: „Kommt es zu einer Heli-Bergung bei fehlendem Versicherungsschutz wird das teurer Spaß.“

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  • Es geht los

    Kurz vor Start – oder bereits am Vorabend – gilt es eine Gepäckkontrolle durchzuführen. Was muss mit?

    • Ausreichend Flüssigkeit,
    • Jause,
    • Orientierungs- und Führermaterial (Karte, Führer, GPS, ...),
    • Ausrüstung (Fleece, Regenjacke und eventuell Wechselshirt, Handschuhe, Mütze, ...),
    • Notfallausrüstung (Erste Hilfe-Set, Biwaksack, ...),
    • Mobiltelefon (geladen!).

    Bevor es dann wirklich endlich losgehen kann, sollte man sein Vorhaben kommunizieren und im Quartier und/oder bei der Familie Bescheid geben, wo man für ungefähr wie lange unterwegs sein wird.

    Die Notrufnummern sollten im Handy eingespeichert sein (Bergrettungsdienst: 140, Euronotruf: 112).

    Nach der Tour ist vor der Tour

    Alles geschafft? Die Endorphine schießen ein? Der Kaiserschmarrn winkt schon als Belohnung? Großartig – aber man sollte sich dennoch kurz mit einer Rückschau und Bewertung der Tour befassen. Für nachfolgende Bergwanderungen ist es sinnvoll sich mit einigen wenigen Fragen auseinanderzusetzen:

    • Wie lange habe ich im Vergleich zur veranschlagten Zeit gebraucht?
    • Wie habe ich mich subjektiv bei der Tour gefühlt?
    • War mir kalt/heiß? Habe ich die entsprechende Ausrüstung im Rucksack mitgeführt oder ist mir etwas abgegangen?
    • Haben Wasser und Jause ausgereicht?
    • Gab es Stellen entlang der Tour, wo ich mich unsicher gefühlt habe?
    • Habe ich das Wetter im Vorfeld richtig eingeschätzt oder kam es zu Überraschungen?
    • Entsprachen Routenverlauf und Beschaffenheit der Tour meinen Erwartungen/Vorstellungen?

    Tipp

    Erstellt euch eine eigene, auf eure Bedürfnisse und euer Können abgestimmte Checkliste! Nach dieser könnt ihr dann standardmäßig verfahren – vor, während und nach der Tour.

    Weitere Informationen rund um das Thema „Sicher Bergwandern“

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