
Mit Spaß und Sturheit. Barbara Zangerl klettert „Bellavista“
Foto: Stefan Kürzi
von Simon Schöpf
Die allermeisten Besucher begnügen sich mit dem Blick vom Paternsattel, und natürlich mit den obligaten Wandfotos: Wenige Berge werden ähnlich frequentiert abgelichtet wie die Drei Zinnen.

Kaum jemand – abgesehen natürlich von
Im August 2015 lockte das warme Wetter die österreichische Extremkletterin
Barbara: Vor der „Bellavista“ bin ich viele längere Routen geklettert, zwar mit weiten Hakenabständen aber eben doch mit Bohrhaken. An den Zinnen warten ganz andere Herausforderungen: Eine im Vergleich zu früheren Projekten von mir extrem schlechte Felsqualität und ein Klettern an „alten Rostgurken“ (Anm. d. Red.: alte, rostige Schlaghaken). Aber genau das macht den Reiz der Zinnen aus: die gewaltigen Wände, die genialen Linien, die ganze Geschichte des Kletterns dort. Selten, dass eine Wand so cool ausschaut.
Das Besondere an der „Bellavista“ ist natürlich der gigantische Überhang, eines der größten frei kletterbaren Dächer der Alpen. In der Route dreht sich alles um das Dach – wenn man stürzt, fällt man durch die extreme Steilheit soweit weg von der Wand, dass man sich erst einmal wieder 10 Meter am Seil nach oben ziehen muss, sonst kommt man nicht mehr zurück an die Wand. Projektieren ist natürlich dementsprechend mühsam und langwierig.
Rostige Schlaghaken, brüchiger Fels, dazu klettern im 11. Schwierigkeitsgrad – wie bewältigt man die psychische Belastung in solchen Situationen?
Also beim ersten Versuch hab ich mir schon gedacht, oje, das ist zu wild. Aber kaum war ich dann wieder am Boden, musste ich zurück hinauf zum Dach schauen und ich hab mir gedacht: ‚Harrschdigott!’ Warum hab ich’s nicht einfach probiert? Schlussendlich habe ich es dann einfach nochmal probiert, und nochmal, und nochmal ... obwohl ich mich am Anfang echt angeschissen hab. Aber meine Sturheit war am Ende größer als meine Angst!
Wenn man dann ein paar Mal gestürzt ist und merkt, es passiert einem eh nichts, weil man im Riesendach im Falle eines Sturzes durch die Steilheit den Fels gar nicht berührt, dann wird mit der Zeit auch die Angst weniger. Das gefühlte Risiko ist immer größer als das wirkliche Risiko.
Viel gefährlicher als die schweren, überhängenden Seillängen sind eigentlich die ‚leichteren’, vertikalen. Die sind dann wirklich zum Teil sehr spärlich abgesichert, da gibt es schon genug Stellen, wo man einfach nicht stürzen darf. Da heißt’s dann, totale Konzentration und viel überlegen.

Ja, eigentlich schon! Christian „Pinky“ Winklmair und ich sind an diesem Tag erst relativ spät und noch merklich müde von den Versuchen des Vortages in die Route gestartet. Ich dachte, ich schau einfach mal, wie weit ich komme. Aus irgendeinem Grund bin ich in der Schlüssellänge dann aber gar nicht gestürzt, da mussten wir quasi weitermachen. Danach warten allerdings nochmals 17 Seillängen, man ist also erst bei einem Drittel der gesamten Wand!
Gegen 19:00 Uhr waren wir dann am Band, wo die „Bellavista“ mit der klassischen „Cassin“ zusammenläuft. Nach nur 5 weiteren Seillängen in der „Cassin“ begann es schon zu dämmern und wir mussten mit Stirnlampen weiterklettern. Im Dunkeln den richtigen Weg und die wenigen vorhandenen Schlaghaken zu finden war schon ein Nervenkitzel. Man sieht eben nur die 2 Meter des Lichtkegels der Stirnlampe und kann nicht mehr so richtig einschätzen, ob der Griff, den man gerade angreift, auch wirklich hält; und man klettert schon mal 20 Meter über die letzte, wackelige Sicherung! Schlussendlich waren wir dann um 2 Uhr nachts am Gipfel – und dann kam erst der Abstieg, im 3er Gelände! Da wir diesen beide noch nicht kannten haben wir uns natürlich auch gleich verlaufen. Das Härteste war dann aber wohl, dass wir seit 20 Stunden nur je einen halben Liter getrunken haben – völlig am Verdursten! Im Morgengrauen waren wir dann wieder zurück am Auto, total fertig, aber überglücklich. Da wir leider beide am nächsten Tag arbeiten mussten folgte wohl die schrecklichste Autofahrt meines Lebens – 4 Stunden zurück nach Bludenz. Echt wild. Und danach direkt in die Arbeit ...

Ja, und wie! Am 9. September konnten
Babsi, Gratulation zu deinen beeindruckenden Begehungen und vielen Dank für das Interview!
