Blick von der Zugspitze im Wettersteingebirge
Foto: mauritius images / BY
Berg-Philosophie

Vom Denken über die Berge

• 6. Februar 2017
von Christina Geyer

Warum steigen wir eigentlich auf Berge? Welche Rolle spielen Faktoren wie Ehrgeiz und Leidenschaft? Wird Zeit am Berg größer oder kleiner? Hier findet ihr Gedanken, Fragen und Antworten rund um die Berge.

Auf echte Bergfexe wirkt das Bergsteigen wie eine Sucht: Sie scheinen einfach nicht genug zu bekommen vom Gipfelstürmen. Sobald es das Wetter zulässt, sieht man sie schon wieder keuchend an Höhe gewinnen - mit überlebensgroßen Rucksäcken bepackt, schwitzend, unerbittlich. Da darf man schon mal fragen, warum man sich sowas eigentlich freiwillig antut.
Warum erst der mühselige Weg hinauf das Gipfelerlebnis so besonders macht und warum Freude und Leid am Berg zusammengehören.
Berg-Philosophie

Ehrgeiz am Berg

Es heißt, die Berge würden wie ein Vergrößerungsglas auf unsere Persönlichkeit wirken. Hier zeigt sich der wahre Charakter eines jeden Menschen, hier offenbart sich, wer das eigene Tempo zugunsten der Gruppe zu drosseln bereit ist – und wer nicht. Aber wie verwerflich ist es eigentlich, seinem Ehrgeiz am Berg freien Lauf zu lassen?
Menschen steigen aus Leidenschaft auf hohe Berge. Sie tun das, weil sie es wollen – nicht aber aus freien Stücken. Hat einen die Leidenschaft nämlich erst einmal gepackt, hat man eigentlich schon keine Wahl mehr.
Im Jahr 1953 erreichten der neuseeländische Bergsteiger Sir Edmund Hillary und der nepalesische Sherpa Tenzing Norgay erstmals den Gipfel des Mount Everest (8.848 m). Als Hillary einmal gefragt wurde, warum er auf hohe Berge steigt, gab er ganz lapidar zur Antwort: „Weil sie da sind.“ Er hätte auch sagen können: Weil halt. Aber: Wie plausibel ist diese Begründung eigentlich? Ist sie überhaupt ein Grund im herkömmlichen Sinne?
Eigentlich ist Einsamkeit ja nichts, was man sich wirklich wünscht. In den Bergen aber ist das anders. Da genießen wir es, allein inmitten von endlosen Gipfelketten zu wandeln. Das hat gute Gründe.
Die vielbeschworene Bergkameradschaft macht einen wesentlichen Bestandteil des Alpinismus aus. Immer wieder kommt sie zur Sprache, wenn Bergsteiger von ihren Erlebnissen und Abenteuern berichten. Zeit zu fragen, warum das eigentlich so ist und was das Wesen der Bergkameradschaft ausmacht.
Wer nach Abenteuern sucht, wird in den Bergen fündig. Nicht umsonst sind die großen Expeditionen namhafter Alpinisten untrennbar mit dem Begriff des Abenteuers verbunden. Aber was genau zeichnet ein Abenteuer eigentlich aus? Und warum schwingt dabei immer auch der Hauch von Faszination mit? Eine Spurensuche.
Warum Zeit nicht gleich Zeit ist und es nicht ganz so wichtig ist, ob sie schnell oder langsam vergeht. Ein Plädoyer für „große“ Zeit. Am Berg zum Beispiel.
Gäbe es eine einende Überzeugung unter großen Bergsteigern, es wäre wohl jene: In den Bergen ist Freiheit. Dort scheint man sich uneingeschränkt entfalten zu können, dort dringt man offensichtlich in eine Sphäre der absoluten Freiheit vor. Aber warum ist das eigentlich so? Und was ist so erstrebenswert daran, sich „frei“ zu fühlen?
Gibt es einen schöneren Ausgleich zum hektischen Alltag als einen Tag in der Natur zu verbringen? An der frischen Luft, zwischen archaischen Felswänden, umgeben von verheißungsvollem Vogelgesang? Aber warum zieht es uns eigentlich überhaupt in die Natur – und was genau ist das: Natur?
Wann „zählt“ eine Bergtour? Nur wenn sie alleine oder auch wenn sie mit einem Bergführer begangen wird? Über den Wert des Bergsteigens und die Entwicklung der moralischen Debatte im Alpinismus.
Zwischen Gipfelglück und Spaltensturz: Warum sich Vertrauen immer im Spannungsfeld von etwas Bedeutendem und einer Gefahr bewegt. Und – warum das Risiko es trotzdem wert ist.
Wir wandern, um den Kopf frei zu bekommen. Um zur Ruhe zu kommen. Um einen Ausgleich zur Hektik des Arbeitsalltags zu schaffen. Wir wandern freiwillig. Unsere Vorfahren hätten sich ungläubig an den Kopf gegriffen.
Wanderer sind die glücklicheren Menschen. Das ist sogar medizinisch erwiesen: Wandern wirkt präventiv gegen Kummer, Antriebslosigkeit und Depressionen. Ein Plädoyer für die Berge.
Darf man eigentlich noch von einem Abenteuer sprechen, wenn man es bequem mit wenigen Mausklicks beim Expeditionsveranstalter buchen kann? Und was genau unterscheidet das Abenteuer vom durchdachten Bergsteigen? Eine philosophische Begriffssuche zwischen Wagnis und Risiko.
Das Internet hat unsere Form von Kommunikation grundlegend verändert. Warum es das persönliche Gespräch – gerade im Bergsport – nicht ersetzen kann, erläutert Bergwelten-Expertin Riki Daurer.
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