Lawinen-Notfallmanagement

Was bei einer Verschüttung zu tun ist

Tipps & Tricks • 16. März 2017

Wenn eine Lawine Menschen verschüttet, zählt jede Sekunde bei der Rettung. Nach 15 Minuten sinken die Überlebenschancen drastisch. Eine Checkliste, wie man im Notfall richtig reagieren sollte.

1. Ausschau halten

Grafik primärer Suchbereich bei einer Lawine
Foto: Naturfreunde Österreich
Primärer Suchbereich bei einer Lawine

Verschwindepunkt des von der Lawinen Verschütteten im Auge behalten, um das Suchgebiet einzugrenzen. Bei mehreren Rettern sollte einer die Koordination übernehmen und den primären Suchbereich festlegen.

2. LVS-Geräte vorbereiten und Notruf tätigen

LVS-Geräte
Foto: Kurt Keinrath und Michael Zechany
Verschiedene Modelle von Lawinenverschüttetensuchgeräten

Alle LVS-Geräte bis auf eines ausschalten, dieses auf Suche stellen. Idealerweise übernimmt eine Person die Führung. Die Gruppe bereitet die Sonden und Schaufeln vor. Einer der Gruppe kann an dieser Stelle einen Notruf tätigen. Wenn die Gruppe sehr klein ist, sollte der Notruf später erfolgen, da jede Minute bis zum Befreien des Verschütteten entscheidend ist.

3. Signal- und Grobsuche

Richtiges Verhalten bei einer Lawinen-Verschüttung

Mit der Grobsuche beginnen. Wenn der Suchbereich sehr groß ist und die Gruppe sich gut organisieren lässt, kann die Grobsuche auch mit mehreren LVS-Geräten erfolgen: Suchbereich streifenförmig abgehen; die Streifenbreite wird von der Empfangsleistung des LVS-Geräts bestimmt. Den ersten Signalempfang mit einen Skistock markieren. Dann dem Richtungspfeil des LVS-Geräts folgen.

Ist nur ein Retter unterwegs, geht oder fährt er den Bereich im Zickzack ab.

4. Fein- und Punktsuche

Suchstrategie LVS-Suche
Foto: Naturfreunde Österreich
Suchstrategie bei der LVS-Suche
Ausgraben Lawine
Foto: Naturfreunde Österreich
Ein Retter ortet den Verschütteten und gräbt ihn aus.

Feinsuche und Punktsuche: ab angezeigten 5 Metern Entfernung LVS-gerät an Schneeoberfläche führen und langsam gehen. Durch kreuzförmiges Führen des LVS-Geräts Punkt mit geringster Entfernung zum gesendeten Signal finden und mit Stock markieren.

5. Ausgraben

Nachdem der Verschüttete mit der Sonde lokalisiert wurde, beginnt das schnelle, großflächige Ausgraben durch die Gruppe seitlich der Sonde und hangabwärts. Sonde unbedingt stecken lassen!

6. Erste Hilfe

LVS-Gerät des Gefundenen ausschalten (falls noch weitere Personen gesucht werden müssen) und sofort lebensrettenden Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten: Bewusstsein prüfen, Atemkontrolle, wenn nötig mit Beatmung und Herzmassage beginnen. Wundversorgung, den/die Geretteten vor dem Auskühlen schützen.

Wenn alle Verschütteten gefunden wurden, nicht vergessen, die LVS-Geräte wieder einzuschalten (auf „Senden“). Spätestens jetzt den Notruf tätigen (wenn genug Personen anwesend sind, entsprechend früher) und auf die Bergrettung warten.

Info: Wie man mit dem Handy einen Notruf tätigt

  • 140 – Nummer des österrreichischen Bergrettungsdienstes
  • 112 – Die Euronotruf-Nummer 112 funktioniert auch dann, wenn dein eigenes Netz nicht verfügbar ist. Die Nummer nützt alle verfügbaren Netze und verbindet zur nächsten Polizeidienststelle. 112 wird auch in Deutschland bei einem Notfall gewählt. Wichtig zu wissen: Hat man gar keinen Netzempfang, funktioniert auch der Euronotruf nicht!
  • 118 – Notruf in Italien und Südtirol

Falls gar kein Handyempfang besteht Alpines Notsignal absetzen: Eine Minute lang alle 10 Sekunden Rufen/Licht abgeben, dann eine Minute Pause, dann wiederholen.

Zum ganzen Artikel: Berg-Know-How – der alpine Notruf

Info: Die Illustrationen stammen aus dem Booklet „Notfall Lawine“ der Naturfreunde Österreich. Die informative Notfallanleitung kann man kostenlos bestellen und auf jeder Tour ins Gelände unkompliziert mitnehmen.

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