
Der Mittellegigrat auf den Eiger (3.967 m) gehört zu den bekanntesten Hochtouren der Alpen. Er ist lang, mitunter anspruchsvoll, und ermöglicht Bergsteigen in reinster Form.
Begeht man den Eiger über den Mittellegigrat, ist man auf einer der beliebtesten Grattouren im Berner Oberland unterwegs. Er wird häufig begangen (oft auch geführt) und aufgrund der zu Buche stehenden Schwierigkeiten bei einer ersten Begehung meist unterschätzt. Die Mittellegihütte ist auf kurzem und facettenreichem Weg erreichbar. Sie umgibt eine besondere und faszinierende Aura und die Sonnenuntergänge von ihr aus betrachtet sind legendär. Am Mittellegigrat und auch im Abstieg vom Gipfel erlebt man eine großartige und klassische Hochtour. Sie ist nicht zu unrecht der Wunsch Vieler.
Auf der 1924 errichteten Mittellegihütte gibt es offiziell 28 Schlafplätze. Zählt man das an der Hütte liegende Biwak dazu, sind es 38. Man verbringt die Nacht also auf einer sehr kleinen Berghütte, zusätzlich in wirklich eindrucksvoller Lage! Es ist normal, dass alle Plätze gebucht sind und man beim Essen nahe aneinander sitzt. 2019 wurde die Hütte zuletzt baulich an die Bedürfnisse angepasst und man kann getrost sagen, dass sie selbst nach dem Umbau nichts an Charme eingebüßt hat. Wissenswert in diesem Zusammenhang ist, dass die Erstbegehung des Mittellegigrats 1921 durch den Japaner Yuko Maki, begleitet von den Grindelwalder Bergführern Samuel Brawand, Fritz Amatter und Fritz Steuri, gelang – mit ein Grund dafür, dass der Eiger in Japan einen besonderen Stellenwert hat. Yuko Maki, Gründer der japanischen Outdoor Marke mont.bell, blieb Zeit seines Lebens Förderer der Mittellegihütte. Die Erstbegeher agierten mit Mauerhaken, Nägeln, Hammer, Bohrer sowie einer 5 m langen Holzstange. n Es kann nur empfohlen werden, sich mit den äußerst interessanten Alpingeschichte des Eiger auseinanderzusetzen.
Aussichtsreich Bahnunterstützung Einkehrmöglichkeit Mit Öffis erreichbar

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Strecke: 5-10 km Aufstieg: über 1.200 m Dauer: über 8 h

Der Mittellegi Blog: Das Team der Mittellegihütte informiert ab Saisonstart in Form eines Blog über das Wetter und die aktuellen Bedingungen.
Für den Abstieg benötigt man in der Regel gleich lang als für den Aufstieg. Machen Sie sich dies am Gipfel noch einmal bewusst. Der Abstieg ist lang und anspruchsvoll und erfordert deshalb gute Konzentration. Bleiben Sie an unübersichtlichen Stellen stehen und schauen Sie genau, wo die nächsten möglichen Sicherungspunkte liegen. Seilfreies Gehen bzw. Klettern ist vielerorts möglich, erfordert jedoch ein gutes Maß an Erfahrung und hohes Risikobewusstsein. Bergführer:innen bilden mit ihren Gästen an der Mittellegihütte eine Seilschaft und lösen diese erst wieder am Ende der Tour auf.
Die Schwierigkeitsangaben im Fels gelten für günstige, sprich trockene, Verhältnisse. Am Eiger wird aufgrund von Vereisung oder noch viel vorhandenem Altschnee/Firn oft mit Steigeisen geklettert – dies sollte man vorher üben, um genussvoll unterwegs zu sein und zügig voranzukommen.
Die Mittellegihütte von 1924 steht als kleines Museum eingerichtet am Jungfrau-Eiger-Trail zwischen Kleiner Scheidegg und der Station Eigergletscher. Hat man die Zeit, ist es schön, sie nach der Tour zu besichtigen.
Wegbeschreibung
Zustieg zur Mittellegihütte
ZS, ca. 2 h, 300 Hm Aufstieg, 60 Hm Abstieg.
Man verlässt die Jungfraubahn an der Station Eismeer (3.160 m) und gelangt durch den Stollen zum Ausgang an einer Felswand. Am Fels befindet sich ein Standplatz, von dem aus man ca. 20-25 Meter auf den Gletscher abseilt. Im Bereich des Bergschrunds sind Bohrhaken vorhanden. Früher querte man ohne nennenswerten Höhenverlust oder -gewinn Richtung NO zum Challifirn. Aktuell (Stand Sommer 2025) steigt man erst über ein Felsband, später am Eis, etwa 200 Meter ab und umgeht so den Ablagerungsbereich eines Felssturzes. Der gesamte Bereich um die Abseilstelle sollte möglichst rasch verlassen werden, denn vom oberhalb liegenden Eiger können Steinschlag oder Nassschneerutsche den Bereich gefährden. Den kleinen, jedoch noch aktiven Hängegletscher oberhalb des Challifirn sollte man stets im Blick behalten – von ihm kann Gefahr ausgehen (rasch queren). Aufgrund von Spaltensturzgefahr ist das Gehen in einer Gletscherseilschaft obligatorisch.
Linkerhand ziehen zwei Schneezungen vom Eiger herab (im Bereich unterhalb des markanten Großen Turm). Der Einstieg (ca. 3.200 m) in das nun folgende Felsgelände befindet sich am östlichen Rand der zweiten Schneezunge. Entlang eines auffälligen Risses klettert man von dort im dritten und vierten Schwierigkeitsgrad eine Seillänge (je nach Firnsituation 40-60 m) höher (Bohrhaken vorhanden) und erreicht damit wieder weniger steiles Gelände. Teilweise am Fels, meist jedoch im schrofigen Gelände und auf Schuttbändern, bewegt man sich weiter nach NO. Noch zu Beginn der Querung steigt man durch eine felsige Rinne ab (Sicherungspunkte vorhanden). Das gesamte Gelände erfordert sicheres und konzentriertes Gehen, permanentes Klettern in Seillängen ist nach der Kletterei zu Beginn nicht praktikabel. Der Zustieg zur Mittellegihütte (3.355 m) ist ein guter Gradmesser für die Tour am folgenden Tag.
Aufstieg über den Mittellegigrat zum Gipfel
S, 3c, 4-5 Stunden, 680 Hm Aufstieg, 60 Hm Abstieg.
Von der Mittellegihütte folgt man dem zunächst einfachen Grat, bis dieser abrupt steiler wird. An den mehreren, nun folgenden Aufschwünge klettert man meist direkt am Grat. Nur ab und zu weicht man seitlich aus. Extremes „Gehgelände“ wechselt mit Abschnitten bis zum dritten Schwierigkeitsgrad und Fixseilpassagen. Entscheidend ist, dass man sich der latent vorhandenen Absturzgefahr bewußt ist und ihr durch genügend Sicherungsmaßnahmen entgegenwirkt. Eingespielte Teams oder von Bergführer:innen geführte Seilschaften sind am Grat oft ungleich schneller unterwegs als weniger Geübte. Etwa in halber Grathöhe (auch in Gratmitte) gelangt man zum Großen Turm (3.688 m), dem wohl markantesten Punkt am Mittellegigrat. Von seinem höchsten Punkt seilt man einmal 20 Meter in eine Scharte ab. Etwas links (südlich) der Absteilstelle kann auch abgeklettert werden, jedoch ist das Gelände unangenehm. Oberhalb der Scharte klettert man vielerorts an Fixseilen. Rechts spürt man den Sog der Nordwand und ohne die Seile (denken Sie an die Erstbegeher im Jahr 1921) würde man sich hier wohl über mehrere Seillängen lang im dritten, vielleicht sogar vierten Schwierigkeitsgrad bewegen. Dieser Abschnitt ist besonders spektakulär. Der Grat wird allmählich flacher und erst kurz vor dem Gipfel tritt man vom Fels in den Firn über. Teilweise werden die letzten Gratbuckel links in der S-Flanke umgangen. Am Gipfel (3.967 m) ist nun Halbzeit.
Insgesamt wurden am Mittellegigrat ca. 200 Meter Fixseil angebracht. Die tauähnlichen Seile helfen an den schwierigsten Stellen enorm. Auf die besten Bedingungen trifft man, wenn der Grat vorwiegend trocken ist. Umgekehrt kann gesagt werden, dass Schlechtwetter, Vereisung oder Niederschlag die Schwierigkeiten rasch höher werden lassen. Das Hauptkriterium für manche Seilschaften ist die Länge der Tour. Bei wenig routinierter Seilhandhabung kann viel Zeit verloren gehen und in Zusammenhang mit dem langen Abstieg kann dies bei Wetterumschwüngen (diese sind am Eiger im Sommer durchwegs häufig) zu Notsituationen führen.
Abstieg über die Eigerjöcher
ZS, bis 3c, ca. 5 h, 360 Aufstieg, 650 Höhenmeter Abstieg.
Die Route über den S-Grat und die beiden Eigerjöcher gilt als objektiv sicherste Abstiegsmöglichkeit. Sie ist an den relevanten Stellen gut mit Sicherungspunkten ausgestattet und im Vergleich etwas übersichtlicher als der Abstieg durch die W-Flanke. Man ist klettertechnisch etwas anspruchsvoller unterwegs, was in etwa 1-2 Stunden mehr Zeit beansprucht.
Erst steigt man vom Gipfel (3.967 m) zum Nördlichen Eigerjoch (3.606 m) ab. Zu Beginn ist der S-Grat einfach. Ab der Stelle, an der der SW-Grat abzweigt (ca. 3.840 m) wird es steiler. Üblicherweise wird über die steilsten Absätze abgeseilt (Standplätze vorhanden, 50 m-Seil erforderlich). Oberhalb des Jochs ist teilweise unangenehmes, plattiges Gelände sowie steiles Schneegelände im Abstieg zu überwinden.
Vom Nördlichen Eigerjoch (3.607 m) bis zum Südlichen (3.743 m) wird größtenteils geklettert. Über mehrere markante Erhebungen am Grat gilt es zu gelangen, ein Auf und Ab im zweiten oder dritten Schwierigkeitsgrat (Einzelstelle 3c/IV). Zunächst nähert man sich über den noch einfachen und breiten Grat der ersten Erhebung. Im steilen Firn wird der „Minigipfel“ rechts größtenteils umgangen. Man gelangt zum nächsten Aufschwung, jenem der zu P.3769 hinauf führt und die klettertechnisch schwierigste Passage aufweist. Zuerst klettert man durch eine Verschneidung an der W-Seite (3a) bis in eine Scharte. Nach einem ausgesetzten Schritt aus der Scharte an die W-Kante (3c) erreicht man wieder weniger steiles und einfacheres Gelände. Dreht man sich in diesem Bereich noch einmal um, kann man die ganze Tour, ausgehend von der Mittellegihütte überblicken. Weiter über Felsbänder (bei viel Schnee klettert man in diesem Abschnitt etwas schwieriger an der Kante) zum Felsrat, der nach einigen weiteren Höckern in den Firngrat zum Südlichen Eigerjoch (3.743 m) übergeht. Hier enden die herausforderndsten Abschnitte der Tour und man kann entspannt durchatmen.
Vom Südlichen Eigerjoch Richtung SO, knapp rechts an P.3673 vorbei, und in die oberste Mulde des Ewigschneefälds (Gletscher). Die Felsen, die den direkten Weg zur Mönchsjochhütte verwehren werden links (östlich) umgangen. Vom Obers Mönchsjoch (3.624 m) noch kurz rechts hoch und man erreicht die Hütte (3.656 m). Die Mönchsjochhütte ist die höchste bewartete Berghütte, welche zur Gänze auf Schweizer Boden steht. Sie liegt am Ursprung des riesigen Jungfraufirn, dessen obersten Bereich man noch auf dem Weg zu P.3463 am Sphinx begeht. Dieser Übergang ist einfach (L, in südwestliche Richtung), meist ist eine Ratracspur vorhanden. Von der Hütte bis zur Station am Jungfraujoch steigt man insgesamt etwa 200 Meter ab und benötigt dafür ca. eine halbe Stunde.
Varianten
Alternativ kann man von der Ostegghütte (2.316 m) auch über die Hörnli zur Mittellegihütte aufsteigen. Dieser Zustieg nennt sich in Kombination mit dem Mittellegigrat Eiger intégral. Die Route ist bis zur Hütte schwieriger (S/5c) als oberhalb. Für den Eiger intégral benötigt man zweieinhalb Tage.
Abstieg über die W-Flanke
ZS, 4-5 h, 1.650 Höhenmeter Abstieg.
Vom Gipfel (3.970 m) steigt man über den steilen Firnhang (bei Vereisung u.U. Heikel) oder dessen Randfelsen nach W zu einem kleinen Felsabsatz ab. Durch eine Felsrinne (Bohrhaken vorhanden) gelangt man im Bereich des ersten Absatzes tiefer. Weiter über den Grat, bis zu einer flacheren Stelle oberhalb von P. 3668. In einer weiteren Rinne auf der S-Seite des Grats absteigen, anschließend wieder nach rechts (einzementierte Haken) und über Geröll, kleinere Absätze und manchmal auch noch im Schnee oder auf Eis, bis auf die markante Felsrippe links (südlich) des großen Couloirs. Die Felsrippe ist zu Beginn gut begehbar. An der Stelle wo sie steil abbricht (Steinmann) quert man nach rechts in das Couloir (Sicherungspunkte vorhanden). Man hält sich in diesem Bereich stets rechts und gelangt hinunter bis auf die Höhe des Pilzes (3.219 m, auch Magic Mushroom genannt). Auf Pfadspuren, mehreren Steinmännchen folgend, die Flanke hinab bis in den Bereich oberhalb einer steilen Felswand. Linkerhand befindet sich ein weiteres Couloir (manchmal ganz oder noch teilweise mit Altschnee gefüllt), an dessen Rand Sicherungspunkte im Fels dienlich sind, um tiefer zu gelangen. Weist das Couloir gute Verhältnisse auf, kann man einen direkten Abstieg in Erwägung ziehen. Alternativ kann das Couloir auch vermieden werden: Man quert dazu nicht so weit nach links (Richtung Couloir), sondern steigt an der erst möglichen Stelle gerade ab und erreicht so ein Fixseil. Zwei Absteilstellen mit etwa 20 m sind noch zu meistern, anschließend gelangt man über mit Schutt bedeckte Platten zum Joch am Rotstock. Deutlichen Wegspuren folgend bis zur Station Eigergletscher (2.319 m) im Scheidegg-Gebiet.
Die wichtigsten Infos in Kürze
Ausgangspunkt: Station Eismeer der Jungfraubahn (3.160 m)
Stützpunkt: Mittellegihütte (3.355 m)
Höhenmeter Aufstieg: 1.340 Hm *
Höhenmeter Abstieg: 770 bis 1.770 Hm *
Aufstiegszeit: Ca. 4-5 h.
Abstiegszeit: Ca. 4-5 h.
Ausrüstung: Vollständige Hochtourenausrüstung mit Gurt, Helm, Pickel und Steigeisen. Ein 50m Einfachseil eignet sich für die Tour am besten. Mobile Sicherungsmittel wie Bandschlingen, 2-3 kleine bis mittelgroße Friends und ca. 4-5 Express-Sets können vielerorts gut angebracht werden. Packen Sie minimalistisch und achten Sie darauf, dass der Akku der Stirnlampe genügend geladen ist. Auch Eisschrauben (mindestens eine pro Person) sollten nicht fehlen. Überlegen Sie auch Getränke und Verpflegung gut.
Alternative Touren/Varianten: Der Eiger intégral über das Ostegg (2 ½ Tage) oder der Abstieg vom Gipfel über die W-Flanke. Letzteres ist nur bei guter Schneelage empfehlenswert.
Lokale Experten: Outdoor Bergsportschule Grindelwald
* Anmerkung zu den Angaben bei den Höhenunterschieden: Der Track ist geklickt und gibt nicht die tatsächlichen Werte an. Würde man ihn aufnehmen wären die Werte auch falsch, denn das Signal springt am Grat und an Stellen mit viel Fels. Ich würde also die Werte (bei den Fakten zur Tour am Beginn) nicht vom Track übernehmen, sondern manuell eintragen.
Anfahrt und Parken
Die A8 an der Ausfahrt Wilderswil/Interlaken verlassen und der gut ausgebauten Grindelwaldstraße folgen (ca. 20-30 min. ab der Autobahn).
Parkhaus Terminal, direkt an der Gondelbahnstation (kostenpflichtig). Mit dem Eiger Express gelangt man in ca. 15 Minuten zur Station Eigergletscher. Mit dem Anschlusszug erreicht man das Jungfraujoch, bzw. auch den Startpunkt der Tour an der Station Eismeer (3.160 m).
Die Anreise erfolgt am besten mit dem Zug. In Interlaken Ost (Berner Oberland-Bahn) steigt man einmal um, wenn man aus Basel, Genf oder Zürich kommt. Achten Sie darauf, dass Sie den Zugteil nach Grindelwald, nicht nach Lauterbrunnen benützen.
dem Bergwelten Club!


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