
Erster Sommer als Hüttenwirte: Leben auf der Badener Hütte in Osttirol
Foto: Sarah Schwaighofer
Tamara Gößler und Florian Schmetzer erfüllen sich diesen Sommer ihren Traum: einen Sommer lang eine Berghütte führen. Wir begleiten sie durch ihre erste Saison als Hüttenwirtsleute der abgelegenen Badener Hütte in Osttirol – von den Vorbereitungen über die Eröffnung bis hin zum Hüttenalltag mit all seinen Höhen und Tiefen.
Inhalt
Das Wichtigste in Kürze
Zwischen Almromantik und Realität: Der Weg zur eigenen Berghütte
Von 10.000 Metern Flughöhe auf 2.608 Meter Seehöhe
Berghütte pachten: Kriterien für angehende Hüttenwirte
Badener Hütte übernehmen: Bewerbung, Planung und Vorbereitung
Eine Berghütte pachten: Was alles dazugehört
Versorgung auf 2.608 Metern: Die Logistik als größte Herausforderung
Hüttenwirt Florian: „Die Arbeit auf der Hütte ist eine ganz andere Art von Arbeit."
Wie geht es weiter?
Das Wichtigste in Kürze
Tamara und Florian starten ihre erste Saison als Hüttenwirtsleute der Badener Hütte in Osttirol.
Dafür haben sie ihre bisherigen Jobs verändert oder aufgegeben, um ihren Traum vom Hüttenleben in den Bergen zu verwirklichen.
Die Badener Hütte liegt abgelegen auf 2.608 Metern Seehöhe und stellt die beiden vor besondere logistische Herausforderungen.
Die Versorgung der Hütte muss genau geplant werden, unter anderem wegen der streng reglementierten Helikopterlieferungen im Nationalpark Hohe Tauern.
Tamara bringt Erfahrung aus Gastronomie, Flugbegleitung und Diätologie mit.
Florian kennt das Leben auf Berghütten bereits aus mehreren Saisonen, in denen er als Hilfskraft auf Hütten gearbeitet hat.
Ihr Ziel: ein starkes Team aufzubauen und Gästen trotz begrenzter Ressourcen eine besondere Zeit auf der Berghütte zu ermöglichen.
Bergwelten begleitet Tamara und Florian auf Instagram, Facebook, YouTube und bergwelten.com durch ihren ersten Sommer auf der Badener Hütte.
Zwischen Almromantik und Realität: Der Weg zur eigenen Berghütte
Das Hüttenleben wirkt oft romantisch – für Tamara und Florian bedeutet es jedoch deutlich mehr als ein Aufwachen mitten in beeindruckender Bergkulisse. Herausforderungen gab es schon im Vorfeld genug: von der Suche nach der passenden Hütte über die Auswahl des Hüttenpersonals bis hin zur Planung der Helikopterlieferung.

Berg & Freizeit
Du träumst von einem Leben in den Bergen und möchtest eine Almhütte oder Schutzhütte bewirtschaften? Der Beruf als Hüttenwirt/in ist vielseitig – und deutlich anspruchsvoller, als viele denken. Hier erfährst du alles Wichtige rund um Aufgaben, Voraussetzungen, Ausbildung und Bewerbung, um Hüttenwirt/in zu werden.

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Der Weg zur Hütte begann für die beiden jedoch schon viel früher: Florian hat in seinem Leben bereits vieles ausprobiert – an Autos schrauben als Kfz-Mechaniker, am Skilift arbeiten oder Glühwein auf Christkindlmärkten ausschenken. Doch nichts hat ihn so sehr begeistert wie die Saisonarbeit auf einer Berghütte. „Ich habe 2018 angefangen, auf einer Hütte in Vorarlberg zu arbeiten. Seither hat sich in meinem Leben festgebrannt, dass ich nichts anderes machen möchte“, sagt Florian. Wegen seiner tiefen Verbindung zu den Bergen ist der 31-Jährige 2018 von Stuttgart nach Österreich gekommen und geblieben.

Von 10.000 Metern Flughöhe auf 2.608 Meter Seehöhe
Als Florian in seiner letzten Saison 2022 Tamara kennenlernte, ist für beide schnell klar: Sie möchten gemeinsam eine Hütte betreiben. Tamara ist 32 Jahre alt und in der Steiermark auf dem Land aufgewachsen. Ihre Großeltern waren Bauern, für sie war es bereits seit der Kindheit normal, auf der Alm zu sein. Auch sie hat schon viel ausprobiert: von der Gastronomie bis zur Arbeit als Flugbegleiterin. Zudem studierte Tamara Diätologie und arbeitet heute als Diätologin.
Ihre Erfahrungen aus Gastronomie und Luftfahrt bringt sie nun in die Arbeit als Hüttenwirtin auf der Badener Hütte ein: „Als Flugbegleiterin hat man, genau wie als Hüttenwirtin, begrenzte Ressourcen. Man muss überlegen: Wie macht man die Gäste happy mit dem, was gerade da ist? Und man hat viel mit Menschen zu tun.“
Als Flugbegleiterin hat man, genau wie als Hüttenwirtin, begrenzte Ressourcen. Man muss überlegen: Wie macht man die Gäste happy mit dem, was gerade da ist?
Tamara Gößler, Hüttenwirtin

Berghütte pachten: Kriterien für angehende Hüttenwirte
Tamara und Florian wollen aber nicht irgendeine Hütte. Ihr wichtigstes Kriterium: Abgelegenheit. Gerade die Einfachheit und Unplanbarkeit reizen sie, ebenso die Möglichkeit, gezielt Bergsteigerinnen und Bergsteiger als Gäste anzusprechen. Tamara erkennt Parallelen zu ihrer Arbeit als Flugbegleiterin: „Auch beim Fliegen ist man weit weg von jeglicher Unterstützung“, sagt sie.
Die Anzahl der Betten spielt für das Paar ebenfalls eine wichtige Rolle, da sie bestimmt, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sie einstellen müssen. Florian hat während der Saisonarbeit bereits gute Erfahrungen mit seinem Team gemacht, das er liebevoll „Hütten-Family“ nennt. Genau diesen Zusammenhalt wollen die beiden nun auch aufbauen. Und sie brauchen wohl Unterstützung, denn die Badener Hütte hat 52 Schlafplätze.

Badener Hütte übernehmen: Bewerbung, Planung und Vorbereitung
Ihr Weg zur Badener Hütte war kein spontaner Sprung ins kalte Wasser, sondern das Ergebnis eines über zweijährigen Prozesses. Tamara und Florian bewarben sich auf mehrere Hütten, feilten tagelang an Konzepten und Motivationsschreiben. „Für mich war die Badener Hütte trotzdem Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sich Florian.

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Die endgültige Entscheidung fällt an einem See in Kärnten, nach der Besichtigung der Hütte: Machen wir es oder nicht? Beim Blick auf den See wird beiden klar: Ja, wir machen es. Um sich diesen Traum zu finanzieren, lebte das Paar in einem WG-Zimmer und sparte konsequent.
Um in den Monaten vor Saisonstart genügend Zeit für die Vorbereitungen zu haben, kündigte Florian seinen Job als Stationsleiter bei einem Camperverleih. Tamara strukturierte ihre Arbeit als Diätologin um und verlagerte ihre Beratungen teilweise ins Digitale oder in die Nebensaison.
Eine Berghütte pachten: Was alles dazugehört

Das Führen einer Berghütte bringt zahlreiche organisatorische Aufgaben mit sich:
Unterzeichnung des Pachtvertrags
Übergabe durch die vorherigen Pächterinnen und Pächter
Planung der ersten Helikopterlieferung
Suche nach Mitarbeitenden
Gewerbeanmeldung
Einhaltung von Zertifizierungen und Vorschriften
Neben den organisatorischen Punkten ist es für Tamara und Florian wichtig, die Einheimischen, die Bäuerinnen und Bauern der Region und den örtlichen Tourismusverband kennenzulernen. „Wir kommen nicht einfach nur hierher und es ist alles wurscht“, sagt Florian und betont, wie wichtig ihm ein guter Start in der neuen Heimat ist.

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Welche Ausbildung braucht man als Hüttenwirt?
Wer eine Alpenvereins-Hütte pachten will, muss keine einschlägige Berufsausbildung haben, sehr wohl aber eine Reihe von Qualifikationen nachweisen können. Der ÖAV bietet seit einigen Jahren maßgeschneiderte Seminare für Hüttenwarte und Hüttenwirtsleute an. Wir haben genau nachgefragt.

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Versorgung auf 2.608 Metern: Die Logistik als größte Herausforderung
Die Badener Hütte liegt mitten im Nationalpark Hohe Tauern, sie ist eine Schutzhütte im hochalpinen Gelände. Helikopterflüge sind hier streng reglementiert und teuer: „Jede Minute Helikopterflug kostet 28 Euro netto“, sagt Florian. Das bedeutet: Jedes Kilo Mehl, jede Lieferung muss exakt kalkuliert sein. Kühlkapazitäten, Haltbarkeit und Bedarf müssen perfekt aufeinander abgestimmt werden.
Neben der Logistik gilt es, zahlreiche Auflagen zu erfüllen, von der Trinkwasserversorgung über den Brandschutz bis hin zur Registrierkassenpflicht. Florian profitiert dabei von seiner Erfahrung aus früheren Hüttensaisonen. „Zwischenzeitlich haben wir immer wieder mal Strategiemeetings gemacht wie im Projektmanagement“, erzählt er, „und haben geschaut: Was sind die To-dos? Was sind die Arbeitspakete? Wer macht was bis wann?“

Hüttenwirt Florian: „Die Arbeit auf der Hütte ist eine ganz andere Art von Arbeit."
Trotz aller Herausforderungen gehen Tamara und Florian positiv in ihre erste Saison als Hüttenwirtsleute. Neben Startkapital bringen sie vor allem Know-how mit: Tamara bei Ernährung und Kalkulation, Florian bei Abläufen und Organisation am Berg. Mit großen Gewinnen rechnen sie bewusst nicht: „Das Gefühl, zweieinhalb bis drei Monate im Jahr dort leben zu können, ist Bezahlung genug für mich“, sagt Florian.
Viel wichtiger sind ihnen das Miteinander im Team und das Erlebnis für die Gäste. „Die Arbeit auf der Hütte ist eine ganz andere Art von Arbeit. Eine sehr ehrliche Art.“, sagt Florian. „Ich glaube, jeder, der mal auf eine Berghütte gestiegen ist, und jeder, der mal aus diesem Taldunst ein bisschen rauskommt, merkt, wie frei man da oben atmen, denken und erleben kann.“
Ich glaube, jeder, der mal auf eine Berghütte gestiegen ist, und jeder, der mal aus diesem Taldunst ein bisschen rauskommt merkt, wie frei man da oben atmen, denken und erleben kann.
Florian Schmetzer, Hüttenwirt

Wie geht es weiter?

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