Unsere Avyon e-Fahrräder von Victoria Bikes eignen sich sowohl für Asphalt als auch für Schotter und selbst sehr holprige Forststraßen mit Mountainbike-Potenzial lassen sich problemlos befahren. Der 750Wh-Akku von Bosch sorgt zwar für ein stattliches Gewicht von fast 30 Kilogramm pro Fahrrad, dafür mussten wir die e-Bikes in drei Tagen nur einmal aufladen.
Tour 1: Wildnis wie in Kanada - Entlang der Oberen Isar
Der fast 300 Kilometer lange Isarradweg gilt als Klassiker unter Deutschlands Mehrtagesfahrradtouren. Wir befahren ein Teilstück davon vom kleinen Ort Wallgau bis nach Vorderriß und zum Sylvensteinspeichersee. Das Obere Isartal, das sich vom Ursprung des Flusses im Karwendelgebirge bis nach München erstreckt, gehört zu den letzten erhaltenen Wildflusslandschaften der Alpen. Der unregulierte Flussverlauf mit seinen breiten Schotterbänken und die umliegenden Berge erinnern an die Wildnis Kanadas oder Alaskas.
Die Isar gilt als einer der letzten Wildflüsse Deutschlands.
© Katharina Löffler
Von Wallgau nach Vorderriß verläuft eine 13 km lange asphaltierte Mautstraße direkt an der Isar, die für PKWs kostenpflichtig ist. Daher hält sich der Verkehr hier in Grenzen und man kann auch mal nebeneinander fahren. Entlang des Weges sind zehn kleine Parkplätze angelegt, auf denen wir unsere Räder abstellen, bevor wir die Flusslandschaft zu Fuß erkunden. Das Wetter spielt heute leider nicht ganz mit, es hat wenig sommerliche neun Grad und regnet immer wieder. Wenn die Sonne aber kurz durch die dichten Wolken blitzt, erstrahlt die Isar türkis. Flusswasser sollte man eigentlich nicht trinken, da immer die Gefahr besteht, dass das Wasser zum Beispiel durch die Exkremente von Tieren verunreinigt ist. Wir nutzen die Chance, um unseren Wasserfilter von Lifestraw auszuprobieren, der Bakterien, Parasiten und Microplastik aus dem Wasser filtert.
Dem wieder aufziehenden Regen entfliehen wir im Gasthof Post in Vorderriß. Nach einer kurzen Kakao- und Trocknungspause entscheiden wir, die Tour noch bis zur Badewiese am Sylvensteinstausee zu verlängern. Die folgenden sieben Kilometer führen zwar über die Bundesstraße, der grüne Speichersee ist aber – vor allem an heißen Sommertagen – auf jeden Fall einen Besuch wert.
Wir nutzen das Sonnenfenster heute besser für eine kleine Stärkung und, um unsere nasse Kleidung zu trocknen. Dann geht’s über denselben Weg zurück nach Wallgau (die Ausblicke auf die Isar sind in diese Richtung noch besser). Wir geben richtig Gas und sind trotz e-Bikes verschwitzt, als wir beim Van ankommen. Zur Abkühlung springen wir daher noch kurz in den nahen Walchensee.
Bergwelten-Tipp: Von Anfang Mai bis Ende Juli brüten mehrere seltene Vogelarten wie der Flussregenpfeifer auf den Kiesbänken entlang der Isar. Man sollte die Kiesbänke in dieser Zeit nicht betreten, um zu vermeiden, dass man Eier oder Jungvögel zertritt.
Tour 2: Zwischen Tourismus und Naturidylle - Rund um den Eibsee
Für unsere zweite Radtour stellen wir unseren Van in Grainau ab und fahren von dort rund vier Kilometer Richtung Eibsee. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Man kann den Radweg G3 im Tal nehmen, den höher gelegenen „Panoramaweg“ G6 oder den „Höhenweg Eibsee-Höllental“ mit der Nummer 831. Wir entscheiden uns für den Höhenweg, wo wir den Motor unserer e-Bikes gut ausnutzen können. Die steile Forststraße verläuft über grüne Wiesen und durch Wälder, wobei man das Zugspitzmassiv stets im Blick hat.
Der Weg endet am Parkplatz der Seilbahn Zugspitze, die bis zu 580 Personen pro Stunde auf den Gipfel von Deutschlands höchstem Berg (2.962 m) transportiert. Beim Parkplatz des Eibsees angekommen, umrunden wir den See im Uhrzeigersinn (7,5 km Rundweg). Der wunderschöne Bergsee, der für seine karibisch türkise Farbe bekannt ist, entstand vor 3.750 Jahren, als ein Teil des Zugspitzmassivs abbrach. Seinen Namen hat er von den vielen Eiben, die früher am Seeufer wuchsen.
Leuchtet die Sonne auf den Eibsee, strahlt er türkis.
© Katharina Löffler
Es gibt mehrere Badestellen mit Kiesstrand, die Wassertemperatur liegt im Sommer bei erfrischenden 19 Grad. Uns ist heute zu kalt und wir überlassen das Schwimmen den Reiherenten.
Das letzte Stück des Rundwegs im Norden des Sees ist Wildschutzgebiet und daher für Radfahrerinnen und Radfahrer gesperrt. Entweder man schiebt sein Rad ab hier zurück zum Parkplatz oder man nimmt den Radweg G8 hinauf zum Gschwandeck und folgt diesem bis zur Bundesstraße. Wir starten auf der Forststraße G8, kürzen die Tour dann aber über den Radweg E3 ab. Hier ist wesentlich weniger los als am See und der Weg führt durch einen schönen Wald. Die Passagen bergab sind teilweise richtig geländig, für unsere Victoria Bikes aber kein Problem. Nach einer kurzen Einkehr im Biergarten neben dem Eibsee-Pavillion geht es zurück nach Grainau.
Direkt neben dem Eibsee liegt der kleinere Frillensee, in dem sich hier das Zugspitzmassiv spiegelt.
© Katharina Löffler
Bergwelten-Tipp: Es ist ratsam, diese Tour unter der Woche am frühen Morgen oder in der Nebensaison zu machen, da es am Eibseerundweg sehr voll wird. Man teilt sich den Weg mit Fußgängerinnen und Fußgängern, Hunden und Kinderwägen und muss entsprechend Rücksicht nehmen.
Tour 3: Bitte einmal Bergkitsch - Hinauf zum Seebensee
Wir stellen unseren Van am Parkplatz der Ehrwalder Almbahn ab und starten die Tour gerade, als die ersten Sonnenstrahlen die Regenwolken vertreiben. Die ersten drei Kilometer führen über eine Asphaltstraße 400 Höhenmeter hinauf zur Ehrwalder Alm. Hier sind wir froh über unsere e-Bikes, fühlen uns aber zugegeben etwas schlecht, wenn wir an Bikern ohne Motor-Unterstützung vorbeidüsen. Ins Schwitzen kommen wir trotzdem und der Puls steigt, wie uns unsere Garmin-Sportuhr bei jedem Blick aufs Handgelenk vor Augen führt.
Ab der Ehrwalder Alm geht es über Forststraßen weitere 4,5 Kilometer und 200 Höhenmeter zum Seebensee. Da mehrere Mutterkühe mit ihren Kälbern die Wege kreuzen, gilt es vorausschauend zu fahren und beim Passieren der Herden Ruhe zu bewahren. Ständiger Begleiter am Weg ist der Blick auf die Zugspitze und die umliegenden Gipfel, die das Tal einkesseln. Nicht umsonst nennt sich diese Gegend auch „Zugspitz Arena“.
Wenn die schottischen Hochlandrinder die Straße nicht frei machen wollen, steigen wir lieber ab und weichen aus.
© Katharina Löffler
Schließlich erreichen wir den Seebensee, der auf 1.657 Meter umgeben von Bergspitzen liegt. Am frühen Vormittag sind noch kaum Menschen hier und wir haben den wunderschönen Anblick fast für uns allein.
Als dann noch ein paar Kühe zum See trinken kommen, werden alle Klischees der perfekten Bergidylle erfüllt. Am Weg zurück ins Tal lohnt sich ein kurze Pause auf der Seebenalm, um die selbstgemachten Mehlspeisen auszuprobieren. Wir müssen leider weiter, da für uns heute noch die Rückfahrt nach Wien ansteht.