
Erst der Aufstieg, dann die Einkehr: Wenn sich spektakuläre Bergpanoramen mit dem Duft von Polenta und frischem Bergkäse mischen, ist man im Trentino angekommen. Diese sieben Hüttenwanderungen verbinden Genussmomente und Trentiner Gastfreundschaft auf besondere Weise.
1. Canerderli im Cantinaccio: Rifugio Vajolet 2. Polenta und Panoramablicke: Rifugio Tosa-Pedrotti 3. Carne Salada mit Seeblick: Rifugio Nino Pernici 4. Kartoffelküchlein zur Stärkung: Malga Stabli 5. Der beste Käse der Region: Malga Ritort 6. Strangolapretti mit Salbeibutter: Rifugio Caldenave 7. Gerstensuppe und Gipfelglück: Malga Rodeza
Polenta, Gerstensuppe oder Semmelknödel? Wer im Trentino auf einer Hütte einkehrt, hat es selten leicht, sich zu entscheiden. Denn hier trifft alpine Bodenständigkeit auf italienische Raffinesse – und genau diese Mischung macht die Trentiner Küche so besonders. Die Almwirtschaft ist weit mehr als nur Landwirtschaft: Sie prägt Landschaft, Kultur und Küche zugleich. Aus frischer Milch wird würziger Käse, aus einfachen Zutaten entstehen herzhafte Klassiker, die seit Generationen Arbeiter und Wanderer stärken. Serviert wird, was vor Ort produziert wird und gerade Saison hat.
Diese Spezialitäten aus dem Trentino sollte man unbedingt probieren:
Canederli: Semmelknödel mit Speck oder Käse, serviert in Brühe oder mit Butter
Polenta: cremiger Maisbrei, oft mit Fleisch, Käse oder Gulasch serviert
Carne Salada: fein geschnittenes, mariniertes Rindfleisch
Tortel di Patate: knusprige Kartoffelküchlein
Strangolapreti: Spinatnocken mit Butter und Salbei
Zuppa d’orzo: würzige Gerstensuppe mit Gemüse und Speck
Käse: Spressa delle Giudicarie, Trentingrana und Vezzna direkt von der Alm
Wurst: Neben dem klassischen Speck sind der Ciuiga del Banale (Wurst mit gekochten Rüben) und die Mortandela aus dem Nonstal typisch
Wein: Die Region ist bekannt für erstklassige Weine wie Teroldego, Marzemino und Trentodoc (Spumante)
1. Canerderli im Cantinaccio: Rifugio Vajolet
Val di Fassa / Rosengartengruppe

Am Fuße der formschönen Vajolet-Türme schmiegt sich auf 2.243 Metern das urige Rifugio Vajolet zwischen die spektakulären Felszacken des Rosengartens. Hier werden die typischen Trentiner Semmelknödel noch heute hausgemacht und nach traditioneller Art serviert – mal in einer kräftigen Brühe, mal mit geschmolzener Butter und Bergkäse verfeinert. Ein Genuss, der es mühelos mit dem dramatischen Dolomitenpanorama aufnimmt. Wanderer erreichen die Hütte dank Liftunterstützung von Vigo di Fassa in 1,5 Stunden. Wer etwas mehr Kalorien in Knödel investieren möchte, der steigt von Pera di Fassa über den Weg 546 in drei Stunden auf.
Die Wanderung von Pera di Fassa zum Rifugio Vajolet im Überblick:
Dauer: 3 Stunden
Strecke: 9,4 Kilometer
Schwierigkeit: Leicht
Beste Jahreszeit: Juni bis September


2. Polenta und Panoramablicke: Rifugio Tosa-Pedrotti
Molveno / Brenta-Dolomiten

Auf 2.491 Metern serviert das aussichtsreiche Rifugio Tosa-Pedrotti am Fuße der Cima Brenta Alta (2.964 m) neben herzhafter Polenta mit Fleischgulasch auch herrliche Panoramablicke. Gleich mehrere Wege kommen hier oben zusammen und so ist es kein Wunder, dass sich Wanderer aus allen Himmelsrichtungen beim Essen viel zu erzählen haben. Von Molveno erreicht man die Hütte über den Weg 319 durch das Val di Seghe in 4,5 Stunden. Alternativ fährt man von Molveno mit der Seilbahn nach Pradel und steigt durch das Val Massodi in 3,5 Stunden zur Hütte auf. Ein weiterer lohnender Weg führt von Molveno durch das Val di Ceda in 5 Stunden zum Essen.
Die Wanderung von Molveno über das Val di Seghe zum Rifugio Rifugio Tosa-Pedrotti im Überblick:
Dauer: 4,5 Stunden
Strecke: 9,5 Kilometer
Schwierigkeit: Mittel
Beste Jahreszeit: Juni bis September


3. Carne Salada mit Seeblick: Rifugio Nino Pernici
Garda Trentino / Gardaseeberge

Wie ein Wachposten thront das Rifugio Nino Pernici auf 1.600 Metern über den bewaldeten Hügeln zwischen Garda- und Ledrosee. Während des ersten Weltkriegs eine strategisch wichtige Verteidigungsposition, serviert man heute auf der Schutzhütte mit 30 Betten vorzugsweise Carne Salada. Vom Parkplatz in Lezumo erreicht man das Rifugio über die Malga Trat in etwa 40 Minuten. Ein längerer, aber sehr lohnender Weg führt über die erste Etappe des Garda Trek von Riva del Garda in 7 Stunden zur Pernici-Hütte – atemberaubende Tiefblicke auf den Gardasee garantiert.
Die Wanderung von Riva del Garda zum Rifugio Nino Pernici im Überblick:
Dauer: 7 Stunden
Strecke: 15,2 Kilometer
Schwierigkeit: Schwer
Beste Jahreszeit: Juni bis Oktober


4. Kartoffelküchlein zur Stärkung: Malga Stabli
Val di Sole / Brenta und Adamello-Presanella Alpen

Auf 1.814 Metern, hoch über dem Val di Sole heißen Tommaso und Valeria ihre Gäste auf der Malga Stabli willkommen. Von der Vorspeise bis zum Dessert ist hier alles hausgemacht. Am besten beginnt man mit einer Käse- und Wurstplatte und kostet sich bis zum „Tortel di Patate", einem herzhaften Kartoffelküchlein, durch. Von der schönen Sonnenterrasse blickt man dabei auf Presanella und Brenta-Dolomiten. Wer sich das Essen wahrlich verdienen will, wandert von Ortisé in zwei Stunden zur Alm. Dafür geht sich vielleicht noch ein Nachtisch aus.
Die Wanderung von Ortisé zur Malga Stabli im Überblick:
Dauer: 2 Stunden
Strecke: 7,2 Kilometer
Schwierigkeit: Leicht
Beste Jahreszeit: April bis Oktober
5. Der beste Käse der Region: Malga Ritort
Madonna di Campiglio / Brenta-Dolomiten

Mit einem unvergeßlichen Brentablick liegt die Malga Ritort auf 1.738 Metern oberhalb von Madonna di Campiglio. Die traditionsreiche Milchalm zählt zu den bedeutendsten der Region und macht die jahrhundertealte Tradition der Käseherstellung im Trentino erlebbar. Im Sommer grasen braune Milchkühe rund um die urige, mit Holzschindeln gedeckte, Steinhütte, während vor Ort frische Milch nach alten Methoden zu Käse verarbeitet wird. Typische Sorten wie der würzige Spressa delle Giudicarie und der nussige Trentingrana bringen den Duft von Heublumen und Bergkräutern direkt auf dem Teller. Erwandert wird die Malga Ritort in zwei Stunden von Madonna di Campiglio.
Die Wanderung von Madonna di Campiglio zur Malga Ritorto im Überblick:
Dauer: 2 Stunden
Strecke: 6 Kilometer
Schwierigkeit: Leicht
Beste Jahreszeit: Juni bis September
7. Gerstensuppe und Gipfelglück: Malga Rodeza
Val di Non / Nonsberggruppe

Klare Bergluft, spektakuläre Brenta-Blicke und das Beste aus der Trentiner Küche: Mehr muss man nicht sagen, um zu verstehen, warum eine Einkehr auf der Malga Rodeza (1.570 m) fast Pflicht ist. Die Alm liegt idyllisch zwischen Wäldern und Weiden der Predaia und serviert saisonale Spezialitäten mit kreativem Twist – von würziger Gerstensuppe und Strangolapretti bis zu hausgemachter Pasta mit Lärchenknospenpesto, Polenta und deftigen Fleischgerichten. Ein perfekter Einkehrschwung für alle, die von Predaia zum aussichtsreichen Gipfel des Corno di Tres (1.810 m) wandern.
Die Wanderung vom Rifugio Predaia zum Corno di Tres im Überblick:
Dauer: 3,5 Stunden
Strecke: 9,7 Kilometer
Schwierigkeit: Mittel
Beste Jahreszeit: Mai bis Oktober
Diese sieben Hüttenwanderungen sind nur der Anfang. Im Trentino warten unzählige weitere Touren zu urigen Almen und aussichtsreichen Berghütten – von gemütlichen Genusswanderungen bis zu anspruchsvollen Gipfelrouten. Wer loszieht, entdeckt spektakuläre Dolomitenblicke, stille Bergtäler und immer wieder die perfekte Einkehr mit herrlichen Trentiner Schmankerln.


