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Rekordversuch

Expedition Himlung Himal: Auf ins Basecamp

• 26. August 2022
3 Min. Lesezeit

Extremalpinist und Dynafit-Geschäftsführer Benedikt Böhm will gemeinsam mit dem nepalesischen Bergführer und Bergsteiger Prakash Sherpa den 7.126 Meter hohen Himlung Himal im Himalaya in unter 10 Stunden erklimmen. Nach dem Besuch des Chitwan-Nationalparks (wir haben berichtet) erzählt „Beni“ vom Fußmarsch von Koto zum Basislager des 7.000ers.

Nepal
Foto: Mountain Film Crew
Kleine Dörfer und gewaltige Naturkulissen begleiten Beni und Prakash auf ihrem Weg ins Basislager
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Nach zwei Tagen Anmarsch sitzen wir nun in Phu Gaon auf rund 4.000 Metern Höhe. Es ist richtig kalt – kein Vergleich zum Dschungel vor ein paar Tagen. Wir sind noch nicht einmal eine Woche unterwegs: Vor sechs Tagen sind wir in Kathmandu angekommen und jetzt hocken wir hier oben. Aber wir werden noch wunderbar versorgt, denn das ist der letzte Ort in der Zivilisation – wenn man das so nennen kann.

In den letzten beiden Tagen haben wir unfassbar schöne Landstriche passiert und dabei keinen einzigen Touristen getroffen. Hier ist niemand, der nicht tatsächlich auch hier lebt.

Nepal
Foto: Mountain Film Crew
Alles, was man zum Leben braucht, wird hier selbst produziert und angebaut

Zuerst ging es für uns durch ein schmales Tal. Auch hier hatten wir das Problem, dass der Weg teilweise überspült war von den Regenfällen an den Vortagen. Aber alles in allem kamen wir gut voran und irgendwann hat sich die Landschaft dann geöffnet und das Tal wurde weiter. Das haben wir gleich genutzt, um dort auch zu übernachten und mit den Dorfbewohnern ins Gespräch zu kommen. Wie man sich vorstellen kann, gibt es hier keine große Infrastruktur – alles wird mit den einfachsten Mitteln selbst gemacht, produziert und gebaut.

Im Video nehmen wir euch mit auf den Weg:

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So haben wir uns unseren Weg immer weiter ins Tal hinein gebahnt. Wir sind sehr langsam marschiert. Prakash mit seinem Sherpa-Herz und seinen Sherpa-Genen könnte wahrscheinlich einfach hochlaufen. Aber mein Team und ich müssen uns in diesen Höhen viel langsamer fortbewegen. Das habe ich hier gelernt: Man muss es jetzt langsam angehen, um später schnell zu sein. Viel trinken, gemütlich gehen bei niedrigem Puls – das ist das Erfolgsrezept für die Expedition.

Eine andere Welt

So haben wir zumindest Gelegenheit, uns viel zu unterhalten. Ich genieße es sehr, mit Prakash, einem Nepalesen, unterwegs zu sein. In den Gesprächen bekomme ich tiefe Einblicke in das Land. Es ist fast unglaublich, wenn der heute 29-Jährige erzählt, wie er aufgewachsen ist. Er ist das älteste von fünf Kindern. Seine Eltern wurden übrigens verheiratet, als die Mutter 13 und der Vater neun Jahre alt war. Drei Jahre später kam Prakash auf die Welt. Auch wenn man sich in Nepal auf die Altersangaben nicht ganz verlassen kann, weil das keine so große Rolle spielt, ist klar, dass die Eltern sehr, sehr jung waren. In Kathmandu ist das heute wahrscheinlich anders, aber in den traditionellen Familien wird für einen ausgesucht, wen man heiratet.

Benedikt Böhm und Prakash Sherpa
Foto: Mountain Film Crew
Benedikt Böhm und Prakash Sherpa

Aufgewachsen ist Prakash in der Everest-Gegend, in einem ganz kleinen Dorf in der Nähe von Lukla. Der letzte Ort, den man mit dem Auto erreichen konnte, war acht Tage Fußmarsch entfernt! Dort lebten etwa 30 Menschen – in unmittelbarer Nähe zu Bären und Leoparden. Prakashs Vater war auch Träger, das hat er sich aber nicht ausgesucht, weil ihm der Beruf so großen Spaß gemacht hat, sondern weil er ihn gebraucht hat, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Prakash hingegen ist wirklich Bergsteiger aus Leidenschaft. Heutzutage werden es aber immer weniger Sherpa, die den risikoreichen Job ausüben. Viele gehen weg aus den Dörfern, um anders Geld zu verdienen. In Hinblick auf das Höhenbergsteigen könnte das noch spannend werden. Am Everest oder in Pakistan zum Beispiel, sind es nur Sherpa, die die Leute einerseits auf die Gipfel bringen und andererseits den Materialtransport übernehmen. An ihre Power kommt sonst niemand ran.

Wandel der Zeit

Aber zurück zu Prakashs Geschichte: In Nepal war es damals so, dass der jüngste Sohn ins Kloster geschickt wurde. Und so kam er mit fünf Jahren ins Kloster. Auch wenn später noch ein weiterer Sohn dazugekommen ist – das wussten die Eltern zu dem Zeitpunkt aber noch nicht. Das darf man sich jetzt nicht so vorstellen, wie etwa ein Internat bei uns. Wer ins Kloster geht, ist 10-15 Jahre von der Familie getrennt. Mit 13 Jahren hat er dann seine Heimat verlassen und ist nach Kathmandu gegangen, um die Schule zu besuchen.

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Dorf Kyang auf dem Weg von Koto nach Phu Gaon in Nepal
Foto: Mountain Film Crew
Das Dorf Kyang auf dem Weg von Koto nach Phu Gaon

So war es auch mit den anderen Kindern, die früher oder später das Haus verlassen haben. Als ältester Bruder ist Prakash jetzt das Familienoberhaupt und bringt einen Wandel in die Familie. Als seine Schwester ihn mit knapp 20 zum Beispiel gefragt hat, ob sie heiraten dürfe, hat er geantwortet: „Nein, du schaust dir erst die Welt an“. Einen Bruder hat er nach Österreich geschickt, die andere Schwester nach Portugal und der kleine Bruder lebt bei ihm in Kathmandu.

Heute ist auch das Dorf leichter zu erreichen. Statt acht Tage zu marschieren kann man jetzt in acht Stunden über abenteuerliche Straßen mit dem Geländewagen hinfahren. So ändern sich auch die Zeiten in Nepal.

So geht’s weiter

Nach unserer Ankunft im Basecamp werden wir 11 Tage haben, um uns wirklich auf den Berg einzustellen – und den Sternenhimmel zu genießen. Weil die Elektrizität fehlt, gibt es hier auch keine Lichtverschmutzung. Mehr davon im nächsten Bericht.

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