
Wie dicht ist meine Regenjacke? Wassersäule, Kategorien und Pflegetipps
Foto: Marco Rossi
von Denis Pscheidl
Wenn es am Berg so richtig zu regnen beginnt, macht deine Kleidung den Unterschied zwischen trocken bleiben oder klatschnass werden. Wie dicht eine Regenjacke ist, entscheidet unter anderem die Wassersäule. Doch welcher Wert ist für deinen Einsatzbereich der richtige?
Inhalt
Auf einen Blick:
Was sagt die Wassersäule aus?
Wie wird die Wassersäule bestimmt?
Wasserdicht oder wasserabweisend: Wo liegt der Unterschied?
Wie hoch sollte die Wassersäule sein?
Welche Nachteile kann eine hohe Wassersäule haben?
Wie aussagekräftig ist die Wassersäule?
Was ist der Unterschied zwischen Imprägnierung und Wassersäule?
Wie bleibt meine Jacke möglichst lange dicht?
Fazit: Das Zusammenspiel mehrerer Faktoren macht's
Auf einen Blick:
Die Wassersäule gibt an, ab welchem Druck ein Material Wasser durchlässt. Je höher der Wert, desto dichter das Material.
Eine gute Regenjacke sollte mindestens 10.000 Millimeter Wassersäule haben.
Bei höheren Anforderungen an das Material ist eine Wassersäule von mindestens 20.000 Millimetern empfehlenswert.
Neben der Wassersäule spielen auch andere Faktoren, wie die Verarbeitung der Jacke oder die Anzahl ihrer Lagen, eine wichtige Rolle beim Schutz vor Nässe.
Möglichst lange dicht bleibt eine Jacke dann, wenn man sie regelmäßig reinigt und nachimprägniert.
Stell dir vor, du stehst am Berg, drei Stunden von der nächsten Hütte entfernt und es beginnt zu regnen. Nicht nur ein bisschen, sondern so richtig aus Kübeln. Jetzt solltest du eine wasserdichte Jacke dabeihaben. Ob deine Jacke oder Hose wirklich dicht sind oder du am Ende klatschnass bist, verrät dir die Wassersäule. In diesem Artikel erfährst du, was dieser Wert wirklich bedeutet und ab wann dich eine Jacke trocken hält.
Was sagt die Wassersäule aus?
Die Wassersäule hilft dir einzuschätzen, wie dicht eine Jacke oder ein Zelt ist. Sie gibt an, welchem Wasserdruck ein Material standhalten kann, bevor Wasser hindurchdringt und wird meist in Millimetern angegeben. Eine Jacke mit 10.000 Millimetern Wassersäule hält also den Druck von 10 Metern Wasser aus, bevor sie undicht wird. Das entspricht einem Druck von 1 Bar.

Wie wird die Wassersäule bestimmt?
Die Wassersäule wird im Labor mittels eines hydrostatischen Druckversuchs ermittelt. Der hydrostatische Druck ist der Druck, den eine ruhende Flüssigkeit durch ihr Gewicht ausübt. Ein solcher Versuch ist etwa der Suter-Test. Hierbei wird ein Stoff oder eine Membran in einen Rahmen gespannt und die Außenseite Wasser ausgesetzt. Nun wird der Druck schrittweise erhöht. Sobald der dritte Wassertropfen durch das Material dringt, ist der Test beendet. Aus dem zu diesem Zeitpunkt herrschenden Druck wird die Wassersäule berechnet.

Wasserdicht oder wasserabweisend: Wo liegt der Unterschied?
Wasserabweisend: Bei wasserabweisenden Materialien perlen Wassertropfen zunächst von der Oberfläche ab. Bei Dauer- oder Starkregen dringt Feuchtigkeit allerdings häufig durch die Jacke ins Innere und man wird nass.
Wasserdicht: Wasserdicht bedeutet, dass das Material bis zu einem gewissen definierten Wasserdruck gar kein Wasser durchlässt. Man sollte also trocken bleiben, egal, wie lange man sich im Regen aufhält. Wasserdichte Jacken saugen sich höchstens voll. Die Kleidung darunter bleibt aber trocken.
Laut europäischer Norm (EN 343:2003) gibt es verschiedene Grenzen, ab denen eine Membran als wasserdicht bezeichnet werden darf. Je nach Anforderung.
Kategorien 1 und 2 (niedrige Anforderungen): rund 800 Millimeter. Schutz vor leichtem bzw. allgemeinem Niederschlag, nicht vor andauerndem Starkregen. Kurze bis mittellange Aufenthalte im Freien möglich.
Kategorie 3 (hohe Anforderungen): rund 1.300 Millimeter. Hoher Schutz vor Regen und Schnee. Ganztägige Aufenthalte im Freien möglich.
Kategorie 4 (sehr hohe Anforderungen): rund 2.000 Millimeter. Maximaler Schutz auch unter extremen Bedingungen.
Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) in der Schweiz ist da strenger. Laut ihr gilt Bekleidung erst ab einer Wassersäule von 4.000 Millimetern als wasserdicht.
Wie hoch sollte die Wassersäule sein?
Da die Wassersäule angibt, welchen Wasserdruck eine Membran aushält, bevor sie durchlässig wird, ist bei Outdoorbekleidung entscheidend, ob sie neben Regen auch Druck ausgesetzt wird. Das kann starker Wind sein, der dir den Regen entgegen bläst. Oder ein schwerer Rucksack, der auf Schultern und Rücken drückt.
Deswegen sind die Wassersäulen von Outdoorbekleidung oft deutlich höher als die Mindestwerte der europäischen Norm. Eine gute Regenjacke sollte mindestens eine Wassersäule von 10.000 Millimetern haben. Eine Regen- oder Skihose, mit der man auch mal im Nassen kniet, ist ab 15.000 Millimetern wasserdicht. Und eine Hardshelljacke, mit der man stundenlang mit schwerem Rucksack durch die Berge läuft, braucht mindestens 20.000 Millimeter Wassersäule.
Wassersäulen und Einsatzbereiche
ab 3.000 Millimeter: Außenzelte
ab 5.000 Millimeter: Zeltböden, Ponchos, Winterjacken (Alltag)
ab 10.000 Millimeter: Regenjacken und Wintersportjacken
ab 15.000 Millimeter: Regenhose, Ski- und Snowboardhosen
ab 20.000 Millimeter: Hardshelljacken

Welche Nachteile kann eine hohe Wassersäule haben?
Eine höhere Wassersäule bedeutet in der Regel allerdings auch weniger Atmungsaktivität. Wie atmungsaktiv eine Jacke ist, gibt der RET- oder MVTR-Wert an.
MVTR (Moisture Vapour Transmission Rate):
Ab 10.000 g/m²/24h: Gilt als „sehr atmungsaktiv“ und ist der Standard für gute Outdoor-Bekleidung.
Ab 20.000 g/m²/24h: Ideal für intensive Aktivitäten wie Trailrunning, Skitouren oder schnelles Bergsteigen.
RET (Resistance of Evaporation of a Textile):
Je niedriger der Wert, desto besser (0–6 ist sehr gut)
Wie aussagekräftig ist die Wassersäule?
Die Wassersäule sollte nur als Richtwert betrachtet werden. Zum einen werden Druckversuche auf unterschiedliche Arten durchgeführt. Messverfahren, zugrunde liegende Normen und Laborbedingungen sind nicht immer gleich. Außerdem geben Hersteller nicht zwangsläufig die Obergrenze der Leistungsfähigkeit einer Jacke an, sondern testen zum Teil nur, ob sie die Minimalanforderungen erfüllen.
Zum anderen entscheidet neben der Wassersäule auch die Konstruktion und Verarbeitung von Outdoorkleidung darüber, wie wasserdicht sie ist. So sollten Nähte und Reißverschlüsse von Jacken und Hosen mit hohen Anforderungen zusätzlich versiegelt sein, um kein Wasser nach innen zu leiten. Zudem beeinflusst die Anzahl der Lagen, wie wasserdicht eine Jacke ist. Besonders bei hohen Anforderungen an das Material solltest du zu einer dreilagigen Jacke greifen. Bei ihr ist die wasserdichte Membran fest zwischen Futterstoff und Außenschicht verklebt. Dadurch ist die Jacke dichter und robuster.

Was ist der Unterschied zwischen Imprägnierung und Wassersäule?
Die Imprägnierung wirkt sich zwar nicht direkt auf die Dichtheit der Membran aus, sorgt aber dafür, dass Wasser auf der Außenseite abperlt und der Oberstoff sich nicht vollsaugt. Ohne Imprägnierung wird die Jacke schwer, kalt und die Atmungsaktivität leidet – auch wenn die Membran intakt bleibt. Außerdem perlt das Wasser von einer gut imprägnierten Jacke ab, bevor der Wind oder andere Faktoren es durch die Membran drücken können. Die Imprägnierung beeinflusst also nicht die Wassersäule selbst, aber sie entscheidet darüber mit, wie gut die Jacke in der Praxis funktioniert.
Wie bleibt meine Jacke möglichst lange dicht?
Mit der Zeit lässt die Imprägnierung nach. Durch Abrieb, Schmutz, Waschen und UV-Strahlung verliert die Oberfläche ihre wasserabweisende Wirkung, auch wenn die eigentliche Membran noch intakt ist. Deshalb solltest du Regenjacken regelmäßig reinigen und nachimprägnieren, damit Wasser weiterhin abperlt und die Jacke funktional bleibt.
Perlt kein Wasser mehr von deiner Jacke ab und sie saugt sich voll? Reinige sie zuerst mit speziellem Funktionswaschmittel (kein Weichspüler!). Danach kannst du die Jacke neu imprägnieren. Halte dich dabei genau an die Pflegeanleitung des Herstellers.
Hinzu kommt, dass Schmutz und scharfe Felsen oder Gegenstände mit der Zeit die Membran beschädigen können, wodurch die Jacke undicht wird. Passe also gut auf deine Jacke auf und flicke sie, wenn nötig, mit speziellen Reparatur-Patches.

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Fazit: Das Zusammenspiel mehrerer Faktoren macht's
Erst das Zusammenspiel aus Membran, Obermaterial, Imprägnierung, Nähten und Reißverschlüssen macht eine Regenjacke wirklich wasserdicht. Die Wassersäule bietet aber eine gute Orientierung, wie dicht eine Jacke ist.
Zum Autor

Denis Pscheidls Welt sind die Berge – und die beginnen praktischerweise direkt vor seiner Haustür in Innsbruck. Im Sommer ist er beim Bergsteigen oder Klettern unterwegs, im Winter auf Skitour. Selbst ein kurzer Abstecher an die Deutsche Journalistenschule in München konnte daran nichts ändern und es zog ihn im Anschluss sofort zurück in die Hauptstadt der Alpen. Heute arbeitet er als freier Journalist und schreibt am liebsten über Berge, Umwelt und Wissenschaft. Für Bergwelten verbindet er Praxis mit Recherche und liefert Ausrüstungstipps, die nicht am Schreibtisch entstehen, sondern draußen.

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