Skifilm: The White Maze

The White Maze: Über Strapazen beim Filmen (Teil 2)

Interview • 25. Januar 2018
von Simon Schöpf

Matthias „Hauni“ Haunholder und Matthias Mayr ist es gelungen, den höchsten Berg Ostsibiriens mit Ski zu befahren. Wir haben mit den beiden Freeride-Profis über die Herausforderungen beim Dreh von „The White Maze“ gesprochen.

Bergwelten: In vielen Skifilmen ist der Hubschrauber ein beliebtes Transportmittel. Ihr habt den Berg jedoch aus eigener Kraft bezwungen. Was waren dabei die Herausforderungen?

Matthias: In unserem Fall gab es keine andere Möglichkeit. Wir waren hauptsächlich zu Fuß unterwegs, weil sich in dieser Region keine Hubschrauber befinden.

Hauni: Die größte Herausforderung war der Schnee. Im Winter hat dieser durch die enorme Kälte keine Bindung. Man fährt sozusagen auf dem steinigen Boden entlang. Dieser Umstand hat sich auf dem Weg vom Basislager als großes Problem erwiesen. Wir waren eine fünfköpfige Crew und hatten einiges an Equipment mit. Von der Kameraausrüstung über Nahrungsmittel bis hin zu Schlafsäcken und Zelten.

All das mussten wir aus eigener Kraft schleppen. Mit jedem Schritt sind wir hüfttief in den Schnee eingebrochen und haben zusätzlich noch einen Schlitten nachgezogen. Es war eine sehr intensive Zeit. In den ersten 2 km waren wir 6 Stunden unterwegs und auch relativ schnell entkräftet. Aus diesem Grund haben wir dann unser Basislager gebaut, um für die nächsten Tage einen Plan zu erstellen.

Aufstieg auf den Gora Pobeda
Foto: Jonas Blum
Aufstieg auf den Gora Pobeda

Ihr habt euch am Kitzsteinhorn auf eure Expedition vorbereitet. Wie sah da euer Training aus?

Matthias: Da wir in diesem Bereich seit über einem Jahrzehnt hauptberuflich tätig sind, trainieren wir das ganze Jahr über und sind körperlich relativ fit. Am Kitzsteinhorn wollten wir uns auf verschiedene Notfall-Situationen vorbereiten. Falls einem unserer Teammitglieder etwas passiert wäre, hätten wir für Erste Hilfe und den Transport zurück in die Zivilisation sorgen müssen. Damit der Ablauf in einer Extremsituation automatisiert ist, mussten wir solche Übungen am Kitzsteinhorn trainieren.

Welche Techniken habt ihr am Kitzsteinhorn angewendet?

Hauni: Die einfachsten Methoden, da es vor Ort nicht viel Spielraum gab. Wie man zum Beispiel einen Biwak-Sack zu einer Bare umfunktioniert oder das klassische Abseilen.

Durch das verschneite Gebirge in Ostsibirien
Foto: Jonas Blum
Durch das verschneite Gebirge in Ostsibirien

Waren Lawinen in Sibirien ein Thema?

Hauni: Lawinen waren definitiv ein Thema. Wir wussten im Vorhinein nicht, ob es überhaupt möglich sein wird, skizufahren. Die Nomaden meiden die Berge und haben großen Respekt vor ihnen. Sie haben uns im Vorfeld davon abgeraten, in die Berge zu gehen, da sei es aufgrund der Lawinengefahr viel zu riskant. Die Berge sind in dieser Region sehr steil. Unserer Erfahrung nach gehen Lawinen viel schneller aus steilen Hängen ab.

Die Schneekonstellation war für uns aufgrund der schlechten Schneebindung natürlich auch etwas komplett Neues. Wir wollten uns von der Situation vor Ort ein eigenes Bild machen, da wir natürlich auch kein Risiko eingehen wollten. Lawinenlageberichte gibt es in dieser Region nicht, deshalb mussten wir uns auf unsere eigene Erfahrung verlassen. Durch die Wetterberichte wussten wir ungefähr, wie und wann es schneien wird und mit welchen Temperaturen wir zu rechnen haben. Die Schneekonstellation und die verschiedenen Triebschneepakete, welche sich überall verstecken können, haben wir lokal abschätzen müssen um die Tour halbwegs sicher zu bewältigen.

Seid ihr auch mal in eine schwierige Situation gekommen?

Hauni: Es hat eigentlich alles sehr gut funktioniert. Da wir ein kleines Team waren mussten wir uns nicht lange in Gefahrenzonen aufhalten. In Richtung Gora Pobeda haben wir extrem steile Schluchten durchwandert und wollten diesen Abschnitt schnell hinter uns bringen. Der Schnee war im Hochgebirge stark gepresst, somit war die Lawinengefahr relativ gering.

Auf dem Weg zum Gipfel des Gora Pobeda
Foto: Jonas Blum
Auf dem Weg zum Gipfel des Gora Pobeda

Was hattet ihr an Equipment dabei? Gab es Unterschiede im Vergleich zu einer Extremskitour in den Alpen?

Matthias: Wir hatten viel mehr Equipment mit. Jedes Teammitglied hatte über 60 kg Gepäck. Skier, Stöcke usw. waren in doppelter Ausführung vorhanden, da diese im Falle eines Schadens ersetzt werden mussten. Verschiedene Kameras, Akkus und einen Generator haben wir ebenfalls selber getragen. Wir hatten auch ein Satellitentelefon dabei, das man in den Alpen aber eher nicht benötigt.

Welche Ausrüstung hattet ihr auf der Skitour selbst mit?

Hauni: Wir haben eine normale Gletscherausrüstung mitgenommen. Jedes Teammitglied hatte einen eigenen Gurt dabei und eine zusätzliche Ausrüstung für Bergungen.

Wie sah es mit Gletscherspalten aus?

Matthias: Wir haben uns mit diesem Thema lange befasst und uns auf verschiedene Situationen vorbereitet. Nachdem die Spalten in dieser Region durch die dauerhafte Kälte sehr schmal sind konnten wir die Lage sehr gut einschätzen. Wir haben wenige große Spalten gesehen, diese waren aber eher auf den Gletschern Richtung Süden.

Gepäck sammeln und los geht's
Foto: Jonas Blum
Gepäck sammeln und los geht's

Kann man den Gora Pobeda mit einem Berg aus den heimischen Alpen vergleichen?

Matthias: Von der Steilheit und der Rinne ausgehend haben wir den Berg am öftesten mit dem Großglockner verglichen. Das Kitzsteinhorn war jedoch für uns der ideale Berg zur Vorbereitung, da es dort eine gute Lift-Infrastruktur gibt und wir uns beim trainieren darauf verlassen wollten in der Zivilisation zu sein. Der Glockner wäre dafür nicht geeignet gewesen.

Wie hoch ist der Gora Pobeda?

Hauni: Es gibt zwei verschiedene Höhenangaben: 3.003m und 3.147m. Mögliche Gründe dafür sind zum einen das wenige Kartenmaterial welches zur Verfügung steht und das geringe Interesse an diesem Gebirge.

War die Expedition eine Erstbesteigung?

Nein. Die Erstbesteigung hat in den 60er Jahren stattgefunden. Aber es existiert erst eine dokumentierte Winterbesteigung.

Fahrt durch das ostsibirische Gebirge
Foto: Jonas Blum
Fahrt durch das ostsibirische Gebirge

Tipp

Der Film „The White Maze“ ist hier im Stream zu sehen.

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