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Wandern auf Kuba: Auf den Spuren der Guerillas

Reise • 12. Oktober 2018
von Magdalena Kalus und Anja Kaiser

Denkt man an Kuba, denkt man eher an Che Guevara, Kommunismus und heiße Salsa-Rhythmen als ans Bergsteigen. Doch auch für Outdoor- und Naturliebhaber hat der größte karibische Inselstaat einiges zu bieten: Anja Kaiser und Magdalena Kalus haben auf den Pfaden Fidel Castros und der Revolutionäre den Pico Turquino, mit 1.974 Metern der höchste Berg des Landes, bestiegen, sind zu Pferd durch die kaffeeplantagendurchsetzte Mogoten-Landschaften im Osten getrekkt und nur 100 km von Havanna entfernt an rauschenden Bächen und tosenden Wasserfällen vorbei durch dichte Wälder gewandert.

Drei Tage Havanna und man hat Mitteleuropa jahrelang hinter sich gelassen. Diese weit verbreitete Aussage trifft es auf den Punkt. Die kubanische Hauptstadt verzaubert mit mondänen Oldtimern, Musik und Tanz an jeder Ecke. Und mit bedingungsloser Offenheit. Man ist sehr freundlich zu uns Ausländern hier in Kuba, auch wenn wir einiges an Verwirrung in dieses sehr stark vom Kommunismus geprägte Land importieren. Andererseits macht es die kubanische Vergangenheit dem Reisenden oft auch schwer, doch einen entscheidenden Vorteil bringt sie mit: Man fühlt sich jederzeit und überall vollkommen sicher – etwas, was in der Karibik nicht immer selbstverständlich ist. Wir fahren mit dem Oldtimer von der Plaza de la Revolución zur berühmten Uferpromenade Malecón und mit dem Coco Taxi von der Plaza Vieja zurück in unsere Casa und können gar nicht genug bekommen von den kolonialen Fassaden und dem bezaubernden alten Charme dieser Stadt. Doch wir sind nicht nur der Kultur wegen hier, sondern wollen auch die Natur und Bergwelt der „Isla de la Revolución“ erleben.

Zum Sonnenuntergang über den Dächern Havannas

Raus aus Havanna

Natürlich steht für uns der höchste Berg des Landes, der 1.974 Meter hohe Pico Turquino, ganz oben auf der Liste. Für Europäer aus Alpenländern mag er zwar eher ein bewaldeter Hügel sein, doch stellt der Pico Turquino seine Besteiger ebenfalls vor einige Herausforderungen. Schon die Anreise ans andere Ende der Insel in den fast 1.000 Kilometer entfernten Gebirgszug der Sierra Maestra ist abenteuerlich: Über schmale Schotterserpentinen geht es mit dem Jeep vom Flughafen Santiago de Cuba in drei Stunden nach Santo Domingo an den Toren des Nationalparks. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Permits und eine Besteigung ist nur mit einem lokalen Guide möglich. Oft ist sie völlig ohne Vorwarnung aus politischen Gründen auch gar nicht möglich und das Büro des Nationalparks bleibt tagelang geschlossen. Wir haben Glück und nach viel Bürokratie und Warten, übrigens etwas sehr Typischem auf Kuba, machen wir uns an der Commandancia de la Plata, einer alten Guerilla-Bleibe, vorbei auf einem Dschungelpfad auf den Weg.

Die unendlichen Weiten der Sierra Maestra

Durch den Dschungel auf’s Dach Kubas

Der Aufstieg auf den Pico Turquino ist schweißtreibend, es geht in stetem Auf und Ab bei knapp 30 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit durch dichten kubanischen Dschungel. Sonne und Panoramen sieht man selten, stattdessen Stufen, Lianen und Matsch. Wir passieren unsere Unterkunft für die kommende Nacht, ziehen aber nach kurzer Pause gleich weiter. Über den Vorgipfel Pico Joaquin und zahllose weitere Erhebungen und Hügel geht es dem nun gut sichtbaren Gipfel entgegen. Ganz oben nimmt uns die Statue des kubanischen Poeten und Nationalhelden José Martí in Empfang. Wir schnaufen und schwitzen, doch sind glücklich es geschafft zu haben. Aufgrund des aufkommenden Regens und der fehlenden Aussicht bleiben wir aber nicht lange. Schnellen Schrittes zieht es uns zurück zu den Bretterbuden auf halbem Weg, die uns heute als Nachtlager dienen. Der Rest unserer Gruppe wird die Besteigung erst morgen in Angriff nehmen, wenn wir bereits auf dem Rückweg ins Tal sind.

Wegweiser im Nationalpark Sierra Maestra

Die Mogotes – per Pferd durch’s weite Hügelland

Für uns gibt es nämlich noch einiges mehr zu sehen, dieses Mal im kubanischen Westen: Die grüne Hügellandschaft der Mogotes im Valle de Viñales laden mit ihren zahllosen Tabak-, Kaffee und Rumplantagen zum Wandern ein. Wir entscheiden uns für die Fortbewegung „a lo caballo“ und erkunden den staatlichen Nationalpark auf dem Rücken der Pferde. Eine gute Wahl, wie sich aufgrund der Hitze und langen Wegstrecken schnell herausstellt. Von verschiedenen Aussichtspunkten lässt sich bei einer kühlen Kokosnuss mit Limetten und Honig die Größe dieses Landesteiles nur erahnen. Viele Kubaner verdienen hier ihren Lebensunterhalt mit dem Acker- und Feldbau, immer mehr auch mit dem Tourismus. Es gibt viele Anbieter, die hier auf Kosten der Pferde arbeiten, daher gilt es den Guide mit eigener Umsicht oder auf Empfehlung zu wählen. Auch dieser Park darf nur mit einem lokalen Führer betreten werden. Nach drei Stunden Reiten tut uns zwar der Hintern weh, aber wir haben einen sehr guten Einblick in das Leben und Treiben dieser Region bekommen. Vom Hotel Los Jazmines hat man einen finalen, einmaligen Blick auf das Viñales-Tal.

Bizarre Mogotes-Landschaft im Viñales Nationalpark

Las Terrazas – Flussbecken und Wasserfälle im Urwald

Unser drittes und letztes Outdoorziel sind die palmenreichen Urwälder der Gegend um Las Terrazas nahe Soroa. Hier wandern wir zu den Banos de San Juan, natürlichen Schwimmbecken, die der Rio San Juan über Jahre in den Fels geschliffen hat. Kaum zwei Stunden Autofahrt von Havanna entfernt ist die von Wasserfällen durchsetzte Region Las Terrazas ein beliebtes Tagesziel, auch bei Einheimischen. Am Morgen noch ganz ruhig, wird hier am Nachmittag gegrillt, getanzt und gesungen. Die Wanderung zum Wasserfall San Claudio, wegen der wir eigentlich hergekommen sind, ist leider gerade – wie so vieles in Kuba scheinbar grundlos – gesperrt. Den Grund dafür erfahren wir wie so oft nicht.

Überhaupt ist das Reisen in Kuba beschwerlich – aber genau deswegen auch auf seine ganz eigene Art und Weise bereichernd. Es geht vieles langsam und für „westliche Bedürfnisse“ gibt es oft kaum oder wenig Verständnis, aber trotz der Ausbeutung und der Notstände, die dieses Land in seiner Geschichte immer wieder erfahren musste, sind die Menschen positiv und schauen nach vorne. Wir wollten unbedingt hierherkommen, solange noch etwas vom „alten“ Kuba erhalten ist – und es war wohl genau die richtige Entscheidung. Die Stimmung und das Klima werden sich hier sicher rasch verändern, weswegen wir nur empfehlen können, diese Reise bald zu tun. Uns hat es jedenfalls sehr gut gefallen – trotz der 12-Stunden-Flugverspätungen, die hier scheinbar an der Tagesordnung stehen.


Infos und Adressen: Wandern auf Kuba

Kuba Karte
Foto: Wikipedia/ Bergwelten
Kuba Karte
  • Anreise: Von Deutschland gibt es Direktflüge derzeit nur mit Condor, viele andere Airlines bieten Umsteigeverbindungen an.
  • Beste Reisezeit: Trockenzeit ist von November bis April, in der Zeit herrscht auch das geringste Risiko für Wirbelstürme.
  • Sicherheit: Kuba ist, auch für Frauen und Alleinreisende, generell ein sehr sicheres Reiseziel.
  • Bargeld: Am besten am internationalen Flughafen wechseln, da Wechselbüros im Lande schwer zu finden und oft geschlossen sind. Ähnliches gilt für ATM's, die zudem immer nur einen gewissen Betrag an Bargeld ausgeben.
  • Internet: An öffentlichen Plätzen, aber sehr langsam und in teureren Hotels. Das Netzwerk und die Abdeckung verbessert sich aktuell rasend schnell und mit etwas Geschick findet man fast überall halbwegs funktionierendes WLAN.

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