Schweizer Pioniere

Peter Knubel auf dem Elbrus (5.642 m)

Historisches • 12. September 2018

Wer in den 1870er Jahren aufs Matterhorn wollte, kam an Peter Knubel nicht vorbei. Ruhm erlangte der bis ins hohe Alter kletternde Walliser Bergführer aus St. Niklaus auch durch die Erstbesteigung des höchsten Bergs Europas.

Peter Knubel
Foto: SAC
Peter Knubel im Jahr 1911 - auch mit knapp 80 Jahren war er noch aktiv

Als Peter Knubel am 26. Juli 1874 auf dem Westgipfel des Elbrus im Kaukasus stand, war er der erste Schweizer Bergführer, der außerhalb der Alpen einen Berg erstbestiegen hatte. Nicht irgendeinen, sondern mit 5.642 m gleich den höchsten des Kontinents.

Dieser herausragenden Leistung geht eine Bergführerlaufbahn voran, die überraschend spät in die Gänge kam. Erst mit 31 Jahren führte der 1832 geborene Spross einer Bergsteigerfamilie aus dem legendären Walliser Bergsteigerdorf St. Niklaus seine ersten Gäste auf die Gipfel. Stets dabei war sein bester Freund Josef Marie Lochmatter, mit dem ihm 1868 die Zweitbesteigung des Matterhorns über den Hörnligrat gelang. Tags davor hatten sie auch noch die Matterhornhütte auf 3.818 m vollendet. Seit der Tragödie bei der Erstbesteigung 1865, bei der beim Abstieg vier Bergsteiger in den Tod stürzten, wurde kein Aufstieg mehr über die Hörnligrat-Route gestartet. Knubel und Lochmatter gingen in Folge so oft auf das Matterhorn, dass sie bis 1880 quasi ein Monopol auf seine Besteigung hielten.

„Erstklassiger Führer“

Auf den Elbrus begleitete ihn mit Frederick Gardiner ein anderer langjähriger Bergkamerad. Dem Engländer verdanken wir einige aufschlussreiche Notizen zum Wesen Knubels. In den 1870er Jahren kletterten sie unzählige Male zusammen. Nach einem 1871 erfolgten Aufstieg aufs Matterhorn notierte der Engländer: „Peter Knubel begleitete mich als Bergführer (…) und ich bestätige mit Freude seine Fähigkeiten als erstklassiger Führer“. Allein im Jahr 1876 unternahmen die beiden nicht weniger als 41 Expeditionen. Binnen acht Wochen bestiegen sie u.a. den Liskamm, die Dent Blanche, das Weisshorn und den Eiger. In bester Harmonie, wie es scheint. Selbst nach diesem Monster-Jahr schätzte Gardiner Knubels Dienste „so hoch wie eh und je“.

Peter Knubel (sitzend links) und Frederick Gardiner (stehend links) auf einer Aufnahme von 1877

Klirrende Kälte, endlose Schneehänge

Zwei Jahre zuvor im Kaukasus, am 26. Juli 1874, machten sich Knubel und Gardiner zusammen mit zwei weiteren britischen Bergsteigern – Horace Walker und Florence Crauford Grove – um 1 Uhr Früh vom oberen Höhenlager auf zum Gipfel des Elbrus. Zunächst stiegen sie auf den Pass, der den Ost- vom Westgipfel trennt. Gardiner schrieb: „Während vielen Stunden stapften wir über endlos scheinende Schneehänge (…) bei klirrender Kälte, aber der Wind, obschon immer noch sehr stark, nahm nicht zu“. Um 8 Uhr erreichten sie den Pass, um 10 Uhr 40 standen sie am (höchsten) Westgipfel. Gardiners Eindruck: „(…) von unserem hohen Standort genossen wir eine perfekte Sicht. Der Elbrus liegt ein beachtliches Stück nördlich der Hauptkette, welche sich vor uns mit all ihren gewaltigen Anhängen mit scheinbar unzugänglichen Eiswänden und Felswänden erstreckte; im Osten war der Kasbek (5.079 m) sichtbar, im Westen das Schwarze Meer. Nach Norden hin ist der Gegensatz äusserst bemerkenswert; das Berggebiet wird abrupt von sanften Hügeln abgelöst, die unmerklich mit der weiten Steppe zu verschmelzen scheinen“. Um 16 Uhr traf die Seilschaft wieder am Ausgangspunkt ein.

Elbrus
Foto: Wikipedia/ Lev Kalmykov
Der doppelgipfelige Elbrus im Kaukasus (Russland). Der höhere Westgipfel misst 5.642 m

Knubel sollte mit dem Engländer A.W. Moore, einem russischen Offizier und weiteren Begleitern noch eine Zweitbesteigung angehen, doch ein Schlechtwettereinbruch zwang sie zur Umkehr. Die Kaukasus-Expedition ging somit nach insgesamt fünf Wochen zu Ende.

Führer bis ins hohe Alter

Noch mit 69 Jahren, im Jahr 1901, eröffnete Knubel mit drei Begleitern eine neue Aufstiegsvariante über den Dôme du Goûter auf den Mont Blanc. Und selbst 12 Jahre später strotzte der Walliser Haudegen vor Tatendrang. Der Englische Bergsteiger und spätere Präsident des Alpine Clubs J.P. Farrar schrieb über Knubel: „Als ich ihn 1913 traf, war sein Rücken noch so gerade wie der eines jungen Mannes (…). Er sagte zu Montagnier, er wäre bereit, eine Gruppe aufs Matterhorn zu führen, aber über die lange Route bis zur Hütte. Ich glaubte ihm das!“

Peter Knubel im Jahre 1897

Peter Knubel starb am 6. April 1919 im Alter von 86 Jahren in St. Niklaus, wo er auch geboren wurde. Sein Sohn Josef galt da schon längst als einer der besten Bergführer der Gegend. Knubel konnte auf ein Leben zurückblicken, dass viele Gipfel, aber auch viele Schatten kannte. Seine anderen Söhne (bis auf Rudolf) und eine Tochter starben bereits in jungen Jahren. Ebenso wie dessen Brüder – gleich drei von ihnen (Niklaus, Johannes und Peter Josef Knubel) ließen bei einer Katastrophe, die sich 1877 am Liskamm abspielte, ihr Leben.


Peter Knubel

  • Geboren: 1832 in St. Niklaus (Wallis)
  • Leben: Bergsteiger und Bergführer, Erstbesteiger des Elbrus sowie Dent Blanche, Schwarzhorn (Auswahl)

Elbrus

  • Höhe: 5.642 m (Westgipfel)
  • Erstbesteigung: 26. Juli 1874
  • Gebirge: Großer Kaukasus

Buch-Tipp

 

Berge: Beruf, Berufung, Schicksal
Foto: Rotten Verlag
Berge: Beruf, Berufung, Schicksal

Mehr zum Thema

Erstbesteiger des Matterhorns: Peter Taugwalder
Die 7er-Seilschaft der so legendären wie tragischen Matterhorn-Erstbesteigung von 1865 enthielt zwei Schweizer: Peter Taugwalder und seinen Sohn. Obwohl er nicht als erster am Gipfel stand, kam dem Zermatter Bergführer eine – undankbare – Schlüsselrolle zu. Die Geschichte einer Tragödie.
Die Schweizer Bergführer-Legende Melchior Anderegg im Jahr 1896
Der Bauernsohn aus dem Haslital erhielt als erster das Schweizer Bergführerpatent und galt schon zu Lebzeiten als Legende. Zu seiner Klientel zählten besonders viele englische Bergsteiger – vier davon führte er 1863 erstmals auf den Gipfel der Parrotspitze in den Walliser Alpen.
Kater Tomba
Von wegen Stubentiger: Den 1988 geborenen Kater Tomba hielt es nicht lange im Berghotel Schwarenbach im Wallis, dessen Wirtsleuten er gehörte. Stattdessen begleitete er Bergsteiger auf die umliegenden Gipfel und wurde dadurch weltberühmt. Eine andere Samtpfote schaffte es 1950 erstmals auf das Matterhorn.

Bergwelten entdecken