
Neue Regeln am Everest: Macht Nepals neues Gesetz den höchsten Berg der Welt sicherer?
Foto: Adobe Stock / JKLoma
Nepal plant ein neues Gesetz für den Mount Everest: Künftig sollen nur noch Bergsteigerinnen und Bergsteiger zugelassen werden, die zuvor einen 7.000 Meter hohen Gipfel in Nepal bestiegen haben. Ziel ist mehr Sicherheit und weniger Andrang auf den höchsten Berg der Welt. Das sagen Expertinnen und lokale Expeditionsanbieter zu dem Gesetzesentwurf.
Inhalt
Das Wichtigste in Kürze
Was ist das neue Mount-Everest-Gesetz in Nepal?
Warum will Nepal Mount Everest-Besteigungen stärker regulieren?
Wird das neue Gesetz den Mount Everest sicherer machen?
Reicht ein 7.000er als Vorbereitung auf den Mount Everest?
Warum muss der 7.000er zwingend in Nepal bestiegen werden?
Welche 7.000er gelten als gute Vorbereitung für den Mount Everest?
Was bringt das neue Gesundheitszeugnis für Everest-Expeditionen?
Ab wann soll das neue Mount Everest-Gesetz gelten?
Welche Probleme am Mount Everest bleiben ungelöst?
Das Wichtigste in Kürze
Nepal will den Mount Everest sicherer machen und den Massentourismus eindämmen. Ein neues Gesetz sieht vor, dass Gipfelaspirantinnen und -aspiranten künftig nur noch dann eine Genehmigung erhalten, wenn sie zuvor einen mindestens 7.000 Meter hohen Berg in Nepal bestiegen haben. In der Himalaya-Szene wird der Vorstoß grundsätzlich begrüßt – doch es gibt auch Zweifel an der Umsetzung. Nicht jeder 7.000er gilt als gute Vorbereitung für den Mount Everest. Ob und wann die Regel greift, entscheidet sich frühestens nach den Parlamentswahlen am 5. März 2026.
Was ist das neue Mount-Everest-Gesetz in Nepal?
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Bergsteigerinnen und Bergsteiger künftig nur noch dann eine Genehmigung für den Mount Everest erhalten, wenn sie zuvor einen mindestens 7.000 Meter hohen Gipfel in Nepal bestiegen haben. Dafür muss ein schriftlicher Nachweis an das nepalesische Tourismusministerium erbracht werden.
Zusätzlich schreibt das Gesetz ein aktuelles Gesundheitszeugnis vor, das nicht älter als einen Monat sein darf. Dieses Gesundheitszeugnis müssen alle Beteiligten einer Expedition, also auch Guides, Träger und andere Mitarbeiter von Trekking-Organisationen vorlegen. Ziel ist es, medizinische Risiken frühzeitig zu erkennen und die Zahl vermeidbarer Notfälle am Berg zu reduzieren, so die nepalesischen Behörden.

Außerdem will die nepalesische Regierung einen Fonds zum Schutz der Umwelt und zur Sicherheit der Bergsteigerinnen und Bergsteiger einrichten („Environment Protection and Mountaineers’ Welfare Fund“). Bisher müssen Everest-Aspiranten eine Kaution von 4.000 Dollar bezahlen, die sie zurückerstattet bekommen, wenn sie mindestens acht Kilogramm Müll vom Berg zurückbringen. Dieses Geld soll zukünftig nicht mehr rückerstattet werden, sondern in den Fonds fließen und zum Beispiel zur Müllentsorgung am Mount Everest eingesetzt werden.
Die wichtigsten Punkte des neuen Gesetzesentwurfs:
Wer den Mount Everest besteigen will, muss im Vorhinein den Nachweis erbringen, dass er oder sie bereits einen mindestens 7.000 Meter hohen Gipfel in Nepal bestiegen hat.
Alle Beteiligten an einer Everest-Expedition müssen ein Gesundheitszeugnis vorlegen, das nicht älter als ein Monat ist.
Die Regierung richtet einen Fonds zum Schutz der Umwelt und zur Sicherheit der Bergsteigerinnen und Bergsteiger ein. Das Geld soll vor allem zur Müllentsorgung am Berg eingesetzt werden.
Warum will Nepal Mount Everest-Besteigungen stärker regulieren?
Stau am Gipfel, Müll und tödliche Unfälle: Bereits seit Jahren steht der Massentourismus am Mount Everest in Kritik. Und der Andrang auf den höchsten Berg der Welt wird weiterhin mehr, die Zahl der ausgestellten Permits stieg von der Frühjahrssaison 2024 auf 2025 um 15 Prozent an.
Aber nicht nur die Gesamtzahl an Everest-Besteigerinnen und -Besteigern steigt, auch die Zahl an Menschen, die mit wenig oder gar keiner Bergerfahrung auf den Everest wollen. Eine Besteigung des Everests wird zusehends zum Status-Symbol, auch in Nicht-Bergsteiger-Kreisen. Und auch, wenn das geplante Gesetz nur auf die Gipfelpermits ausgerichtet ist, so kann man doch annehmen, dass Kontroversen rund um Influencer und Eltern, die ihre Kleinkinder ins Basislager gebracht hatten (und teilweise wegen Höhenkrankheit wieder ausgeflogen werden mussten), dazu beigetragen haben, dass Nepal nun stärkere Beschränkungen überlegt.

Unerfahrene Bergsteiger können am Mount Everest zu einem Sicherheitsrisiko werden, etwa wenn es zu Staus an Schlüsselstellen kommt, weil sie nur langsam vorankommen, weil sie die Warnsignale des eigenen Körpers nicht richtig lesen können oder weil sie nicht richtig mit der Ausrüstung umgehen können.
Mit den strengeren Regeln will Nepal verhindern, dass sich völlige Anfängerinnen und Anfänger an den höchsten Berg der Welt wagen. Dadurch soll die Besteigung für alle Beteiligten sicherer werden und gleichzeitig der Andrang auf den Mount Everest gelindert und auf andere Berge im Land verteilt werden.
Wird das neue Gesetz den Mount Everest sicherer machen?
Die Journalistin und Himalaya-Expertin Billi Bierling hält den Ansatz grundsätzlich für richtig. Zwar sei mangelnde Erfahrung nicht das einzige Risiko – neben Wetter, extremer Höhe oder mangelhafter Ausrüstung spiele sie aber eine zentrale Rolle. „Sollte diese Regulierung wirklich irgendwann in Kraft treten, wird das die Gipfelaspirantinnen und -aspiranten auch nicht zu Spitzenalpinistinnen und -alpinisten machen, was ja auch an Bergen wie dem Matterhorn oder dem Großglockner nicht der Fall ist“, so Billi Bierling. „Sie werden auch in Zukunft von den Sherpas unterstützt und geführt werden, aber wer schon einmal an einem 7.000er war, bringt ein besseres Gespür für Höhe, Tempo und die eigenen Grenzen auf eine 8.000er Expedition mit.“
Auch Nima Dorjee Tamang von der lokalen Expeditionsagentur Everest Expeditions Nepal, sieht das Gesetz positiv. „Die Erfahrungen auf über 7.000 Metern werden wahrscheinlich das Verständnis der Bergsteiger für Höhe, Akklimatisierung, Kälteexposition, Sauerstoffmanagement und Expeditionsdisziplin verbessern. Wie wirksam die Regel ist, hängt jedoch von der ordnungsgemäßen Umsetzung und Überwachung ab.“
Reicht ein 7.000er als Vorbereitung auf den Mount Everest?
Mehrere Expeditionsagenturen betonen, dass die Besteigung eines 7.000ers Bergsteigerinnen und Bergsteiger nicht automatisch auf den Everest vorbereitet. Tshiring Jangbu Sherpa von dem nepalesischen Expeditionsanbieter Everest Sherpa Expedition sieht vor allem in der niedrigeren Höhe ein Problem: „Die wahre Herausforderung des Everests beginnt in der „Todeszone“ (oberhalb von 8.000 m), die ein 7.000er-Gipfel einfach nicht bieten kann.“

Außerdem sind nicht alle 7.000er gleich gut zur Vorbereitung geeignet. Billi Bierling sagt dazu: „Entscheidend ist für mich, dass so ein 7.000er auch echten Expeditionscharakter hat. Also nicht nur ein technisch einfacher Gipfel mit kurzer Anreise, sondern ein Unternehmen, bei dem man lernt, mit Höhe, Logistik, Wartezeiten und Ungewissheit umzugehen.“
Auch Tshiring Jangbu Sherpa von Everest Sherpa Expedition warnt davor, dass Everest-Aspiranten zu einfache 7.000er ohne technische Herausforderungen besteigen, einfach, um die Anforderungen zu erfüllen.
Warum muss der 7.000er zwingend in Nepal bestiegen werden?
Die Journalistin und Himalaya-Expertin Billi Bierling sieht vor allem wirtschaftliche Interessen als Grund für die 7.000er-Pflicht in Nepal. „Wenn der vorgeschriebene 7.000er zwingend in Nepal bestiegen werden muss, bedeutet das automatisch mehr Permits, mehr Logistik, mehr Flüge, mehr Nächte in Lodges, kurz gesagt mehr Einnahmen für die Regierung, Agenturen, Träger, Köche, Fahrer und die Bergregionen insgesamt“, so Bierling. „Hinter einer solchen Regel stehen nicht nur Sicherheitsüberlegungen, sondern auch ganz reale wirtschaftliche Interessen, und die kann man in einem Land wie Nepal nicht einfach ausklammern.“
Auch stellt sich die Frage, wie mit Vorerfahrungen auf Bergen in anderen Ländern umgegangen wird. Billi Berling: „Was ist mit all jenen Everestaspirantinnen und -aspiranten ist, die ihre Erfahrung anderswo gesammelt haben? Denken wir an Berge wie den K2, die Gasherbrums, den Nanga Parbat, den Broad Peak oder die Shishapangma. Das sind alles sehr anspruchsvolle 8.000er, die zwar nicht in Nepal liegen, aber wo man gewiss mehr Erfahrung sammelt als an einem 7.000er.“
Falls diese Regulierung in Kraft treten sollte, müsste man meiner Meinung nach auch Expeditionen zu 7.000ern außerhalb Nepals anerkennen. Das Frage ist nur, wie man es klar nachweisen will.
Billi Bierling
Welche 7.000er gelten als gute Vorbereitung für den Mount Everest?
Viele Tourenanbieter haben bereits jetzt weniger bekannte 7.000er im Programm. Utsav Pathak von dem nepalesischen Expeditionsunternehmen Himalayan Mountaineering Expedition geht davon aus, dass solche Angebote mit dem neuen Gesetz zunehmen werden, zumal die nepalesische Regierung den Tourismus besser auf mehrere Regionen aufteilen will. „Die Regierung hat kostenlose Gipfelgenehmigungen für viele Berge im Westen Nepals erteilt, um den Abenteuertourismus im Westen des Landes zu fördern.“
Jedoch eignet sich nicht jeder 7.000er als Trainingsberg für den Mount Everest. Nepalesische Tourenanbieter nennen vor allem Berge, die ähnlichen Expeditionscharakter haben und technisch anspruchsvoll sind. Dazu zählen etwa:
Pumori (7.161 m)
Himlung Himal (7.126 m)
Baruntse (7.129 m)
Putha Hiunchuli (7.246 m)
Ama Dablam (6.812 m): Liegt zwar unter der 7.000er-Grenze, ist aber technisch sehr anspruchsvoll und damit eine gute Vorbereitung auf den Everest.
Was bringt das neue Gesundheitszeugnis für Everest-Expeditionen?
Grundsätzlich wird das verpflichtende Gesundheitszeugnis positiv bewertet. Viele seriöse Anbieter verlangen bereits heute Atteste, um Vorerkrankungen oder Medikamente von Kunden zu kennen und ihre Planung oder die Verpflegung anzupassen. Auch Mitarbeiter müssen bei vielen Agenturen schon jetzt Gesundheitszeugnisse vorlegen.
Wie seriös solche Atteste sind, zweifelt Tshiring Jangbu Sherpa von Everest Sherpa Expedition an: „In Kathmandu kann man oft ohne echte körperliche Untersuchung ein Attest in einer Apotheke bekommen. Damit dieses Gesetz tatsächlich die Sicherheit verbessert, muss die Regierung dafür sorgen, dass diese Kontrollen streng sind und von zertifizierten medizinischen Gremien durchgeführt werden. Ohne Durchsetzung ist es nur noch mehr Papierkram.“
Ab wann soll das neue Mount Everest-Gesetz gelten?
Der Gesetzentwurf wurde bereits vom Oberhaus des nepalesischen Parlaments verabschiedet, benötigt aber noch die Zustimmung des Unterhauses und des Präsidenten. Das Unterhaus wurde nach den politischen Unruhen im Herbst 2025 aufgelöst und wird erst nach den Neuwahlen im 5. März 2026 neu zusammengesetzt.
Vor diesem Hintergrund gilt es als sehr unwahrscheinlich, dass die neue Regelung bereits in der Frühjahrssaison 2026 in Kraft tritt. Außerdem kann sich an dem Gesetzesentwurf noch einiges ändern.
Welche Probleme am Mount Everest bleiben ungelöst?
Der neue Gesetzesentwurf ist ein Schritt in die richtige Richtung, da sind sich die meisten Expertinnen und Experten einig. Billie Bierling hält die neue Regel grundsätzlich für sinnvoll, „allerdings muss sie gut umgesetzt und noch mehr präzisiert werden. Das Problem ist, dass eine gute Idee manchmal kein gutes Gesetz macht!“
Auch mit der neuen Regelung bleiben zentrale Herausforderungen bestehen: Müllentsorgung in großen Höhen, unzureichende Regulierung von Billiganbietern, mangelhafte Sicherheitsstandards sowie der Schutz der Sherpas und Hochträger.

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