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Berg-Know-How

Höhenkrankheit in den Alpen

• 17. Oktober 2016
von Christina Geyer

Wer „Höhenkrankheit“ hört, denkt erst einmal an den Himalaya, an 8.000er und spektakuläre Expeditionen. Tatsächlich aber kann sie auch in den Alpen schon auf 2.000 Höhenmetern auftreten. Warum das so ist und welche Rolle die Höhenkrankheit in den Alpen wirklich spielt, erfahrt ihr hier.

Dôme du Goûter: Bergsteiger im Mont-Blanc-Massiv
Foto: mauritius images / Westend61 / Alun Richardson
Bergsteiger am Dôme du Goûter (4.304 m) im Mont-Blanc-Massiv in Frankreich
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Höhenkrankheit

Die Höhenkrankheit ist entgegen erster Vermutungen auch für ambitionierte Vorhaben in den Alpen relevant – zumal es für Bergsportler immer leichter wird, schnell in hohe Lagen vorzurücken.

Sie kann jeden treffen – unabhängig von Erfahrung, Alter oder Kondition – und bereits ab einer Höhe von 2.000 m auftreten. Oberhalb von 2.500 m leiden bis zu 20% aller nicht akklimatisierten Bergsteiger unter leichten Symptomen der akuten Bergkrankheit, ab 3.500 m sind es bereits 40%. Eine eindeutige Diagnose lässt sich allerdings gerade in gemäßigten Höhenlagen selten stellen, sind doch Überanstrengung und Höhenkrankheit nicht immer leicht voneinander zu unterscheiden. Auch verschweigen viele Bergsteiger erste Anzeichen von Höhenkrankheit, um die Gruppe nicht zu beunruhigen oder aufzuhalten.

Bergkrank in den Alpen

Univ.-Prof. Mag. DDr. Martin Burtscher vom Institut für Sportwissenschaft an der Universität Innsbruck ist unter anderem Past-Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin und selbst staatlich geprüfter Bergführer. Er verweist auf den Unterschied zwischen akuter Bergkrankheit und Höhenkrankheit: „Die akute Bergkrankheit ist zwar unangenehm, verläuft aber meist harmlos. Das Auftreten eines Höhenlungenödems und/oder Höhenhirnödems hingegen ist lebensbedrohend. Unter 3.500 m treten diese Formen allerdings sehr selten auf, sind aber auch nicht ausgeschlossen. Wichtig ist deren Erkennung und ein rascher Abtransport bzw. Abstieg in niedrigere Höhenlagen.“

Die Symptome der akuten Bergkrankheit gehen in der Regel nach 1-2 Tagen wieder vorüber.

Erste Anzeichen und Symptome für Höhenkrankheit

Hauptauslöser der Höhenkrankheit sind zu kurze Akklimatisationsphasen und zu schnelle Aufstiege.

Erste Alarmzeichen zeigen sich in folgenden Symptomen:

  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Herzrasen
  • Atemnot
  • reduzierte Harnmenge
  • Druck auf der Brust 

Gründe für Höhenkrankheit

Grund für die Höhenkrankheit ist der geringe Luftdruck in höheren Lagen und der damit verbundene geringe Sauerstoffpartialdruck, den der Körper über eine höhere Atemfrequenz und einen gesteigerten Ruhepuls auszugleichen versucht. Eine weitere Reaktion des Körpers auf den Sauerstoffmangel liegt in der vermehrten Produktion roter Blutkörperchen.

Die erhöhte Zellzahl erlaubt zwar eine bessere Versorgung mit Sauerstoff, erhöht zugleich aber auch das Risiko von Durchblutungsstörungen, Ödemen und Thrombosen. Die Hauptgefahr der Höhenkrankheit besteht in Hirn- und Lungenödemen, die in weiterer Folge bei Nicht-Behandlung zum Tod führen.

Prävention und Risikominimierung

Ist auch kein Bergsteiger vor der Höhenkrankheit gefeit, so gibt es doch einige Möglichkeiten, das Risiko erheblich zu minimieren.

Dazu zählen:

  1. langsamer Aufstieg
  2. Akklimatisation
  3. aufmerksame Beobachtung der eigenen Verfassung

Treten trotzdem erste Symptome der Höhenkrankheit auf, dann sollte man

  • Ruhetag einlegen oder
  • Absteigen (min. 500 Hm, idealerweise auf unter 2.500 m)

Dass bis zu jeder vierte Bergunfall in den Alpen auf eine akute Berg- oder Höhenkrankheit zurückzuführen sein könnte (siehe ORF-Artikel), glaubt DDr. Burtscher nicht: „In den Alpen sind vorbestehende Erkrankungen, mangelnde Fitness, Selbstüberschätzung und fehlende Erfahrung nach wie vor verantwortlich für die häufigsten Todesursachen am Berg.“

Anden-Bewohner schwören übrigens auf Coca-Tee zur Linderung von Symptomen der Höhenkrankheit. Ob's hilft oder nicht: In den Alpen sollte man sich freilich lieber auf altbewährte Empfehlungen verlassen.

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