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Bergwelten-Hüttenwoche Kärnten, Tag 3

Draupaddeln: Der Sommer ist im Fluss

• 1. September 2021
4 Min. Lesezeit
von Martin Foszczynski

Unsere Bergwelten-Hüttenwoche in Kärnten ist im vollen Gange. Nachdem wir tags zuvor in die Pedale gestiegen sind, greifen wir heute zu den Paddeln, um im Kanu und Kajak die Drau flussabwärts zu gleiten. Abends kann man sich im immer noch auf Sommer getrimmten Villach treiben lassen – und wird so manche Überraschung erleben.

Draupaddelweg
Foto: Martin Foszczynski
Dem Mittagskogel entgegen
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Wie Kärnten so klingt? Das wissen wir mittlerweile ziemlich gut. Zu verdanken ist es Katrin, die in Klagenfurt aufgewachsen ist und selbstverständlich auch am dritten Tag unserer Hüttenwoche auf Radio Kärnten-Dauerbeschallung besteht. Und so schmachten uns schon beim Frühstück Schlager- und Schnulzen-Hymnen von Howard Carpendale bis zur Kelly Family entgegen. Während die Ohren also gequält – Verzeihung – gestählt werden, weiden sich unsere Augen am prächtigen Panorama, das sich direkt vor unserem Ferienhaus ausbreitet: Von hier aus haben wir – eingerahmt von den schroffen Felskämmen der Julischen Alpen – fast die ganze Region im Blick: Dobratsch, Villach, ein Stück vom Ossiacher See, Faaker See und Mittagskogel. Aufgefädelt werden diese Landschaftsperlen von einem mäandernden blassgrünen Band, der Drau. Sie ist unser heutiges Ausflugs-Ziel.

Unser Ferienhaus und zugleich Redaktions-Büro auf der Gerlitzen

Paddeln statt Grübeln

Fast unbemerkt hat sich der erste September in den Kalender geschlichen. Was das bedeutet? Dass der Sommer mehr oder weniger vorbei ist. Bei mir bedeutet es auch, dass sich traditionell ein leichter Herbst-Blues einstellt. Zum Glück strahlt heute nach zwei kühlen Tagen wieder die wärmende Sonne vom wolkenlosen Himmel. Vielleicht lässt es sich dem allgemeinen „Herbstln“ einfach davonpaddeln, überlege ich bei der Anfahrt zu unserer Bootstour. Und wo ginge das denn besser als im sonnigen Kärnten?

Steffen, Guide beim Kanu-Verleih Drau Paddelweg, scheint genau der richtige Mann für mein Ansinnen zu sein. „Worry less, Paddle more!“ steht auf der Rückseite seines T-Shirts. Er hält sich gar nicht erst mit langen Begrüßungen auf. Nachdem er uns im Draupaddelweg-Bus von der Anlegestelle St. Niklas, dem Ziel unserer Bootstour, zur Einstiegsstelle am nördlichen Stadtrand von Villach gebracht hat (ein Service, das man bei Draupaddelweg.com buchen kann), heißt es gleich einmal Paddel und Schwimmwesten schnappen, Boote vom Anhänger ziehen und Schuhe in wasserdichten Trockensäcken verstauen. Auch die Einführung ins Fach fällt recht kompakt aus: „Paddeln links, Boot geht nach rechts. Paddeln rechts, Boot geht nach links“. Wichtig sei es nur, den Brückenpfeilern aus dem Weg zu gehen – die sind nämlich stärker als wir. Ganz easy also – was aber nicht heißt, dass sich unter Steffens Gästen in der Vergangenheit nicht auch besondere „Talente“ wie jene Frau gefunden hätten, die eine Stunde im Kreis gefahren ist, bevor sie über Bord ging.

Vorbereitungen zur Bootstour

Links, rechts, geradeaus

In der Hoffnung, dass ich nicht auch so ein besonderes Talent bin, steige ich also ins schmale und doch recht wackelige Boot. Während meine Bergwelten-Kolleg*innen zu dritt im Kanadier-Kanu sitzen und sich zumindest vereint in die reißenden Fluten stürzen, entscheide ich mich – erstmals in meinem Leben – für ein Einzel-Kajak. Ein bisschen flau im Magen ist mir dabei schon.

Reissende Fluten ist natürlich übertrieben. Gerade hier, im Unteren Drautal, fließt die Drau sehr langsam und ist somit auch für Bootsanfänger gut geeignet. Ganz anders sieht es am Anfang des Draupaddelwegs von Lienz nach Oberdrauburg aus: Dort sollten nur erfahrene Wildwasserfahrer in den ungezähmten Fluss steigen. Insgesamt unterteilt sich der Draupaddelweg in 13 Etappen durch vier Regionen – das macht in Summe 210 befahrbare Kilometer quer durch Kärnten, von Lienz bis an die slowenische Grenze. Dass man mit Villach mitten in einer größeren Stadt mit dem Boot zusteigen bzw. anlegen kann, ist übrigens eine Besonderheit, wie uns unsere europaweit erfahrene Kajak-Expertin Riki versichert.

Einmal vom Ufer abgestoßen ist das Schlimmste schon vorüber. Mit jedem Paddelschlag löst sich die leichte Anspannung und man gleitet schwerelos mit Enten, Zugvögeln und am Ufer entlang rollenden Drauradweg-Radlern flussabwärts. Es hat etwas geradezu Meditatives (abgesehen von einigen spontanen Ehrgeiz-Ausbrüchen, die in verbissene Sprints zwischen Team Kanu und Team Kajak münden). Nachdem wir die – teils sommerlich mit Palmen drapierten – Villacher Brücken hinter uns lassen, tauchen mit jeder Biegung neue Bergpanoramen auf. Besonders malerisch ist die Passage, auf der wir geradewegs auf den pyramidenförmigen Mittagskogel zusteuern – den mächtig wirkenden Berg werden wir an unserem letzten Hüttenwochentag noch über einen Felsengrat besteigen

Mit Kajaks und Kanus die Drau hinunter

Fast wie Meditieren

Am Silbersee, einem pittoresken kleinen Badesee mit Strandbuffet, machen wir Rast und stärken uns mit Pommes Frites und Radler. Spätestens hier stellt sich uneingeschränktes Sommer-Feeling ein – mit dem einzigen Unterschied, dass die Liegewiesen mit Schulbeginn nicht mehr so überlaufen sind. Auch die Buchungen von Paddeltouren gehen im September schlagartig zurück, erklärt Steffen – dabei begänne jetzt die vielleicht schönste Zeit dafür.

Für den Rücktransport nach einer Tagesetappe sorgen – wie in unserem Fall – die Draupaddelweg-Sammeltransporte (die Ausstiegsstellen sind mit Flaggen markiert). Man kann aber auch einfach in den Zug steigen – viele Haltestellen der ÖBB liegen direkt am Weg. Und dann erwähnt Steffen noch eine Variante für Abenteurer, die für mich besonders reizvoll klingt: Zelt und Gaskocher ins Kanu packen und tagelang den Fluss entlanggleiten. Das merke ich mir – der nächste lange Sommer kommt bestimmt.

Rast am Silbersee und zweiter Teil Richtung St. Niklas
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Mit Summerfeeling in den Herbst

Abends haben wir endlich Gelegenheit, die Stadt zu erkunden. In Kärnten gilt ja eher das Fête Blanche-erprobte Velden am Wörthersee als Ausgeh-Hotspot – dabei hat auch Villach gerade im Sommer einiges zu bieten. Schon vom Boot aus haben wir die Draupuls-Bühne an den Drauterrassen gesehen, die mittwochs und freitags um 21 Uhr 30 zahlreiche Schaulustige mit einer Multimedia-Wasserschow verzückt, die einen Vergleich mit jener des berühmten Bellagio-Hotels in Las Vegas nicht scheuen braucht. Überhaupt finden mittwochs im liebevoll geschmückten Villacher Zentrum unter dem Motto „Summerfeeling“ an jeder Ecke diverse Konzerte und Aufführungen statt – von Akustik-Sessions bis zum Blaskapellen-Getöse. Das Programm wird offensichtlich angenommen – die Fußgängerzone präsentiert sich gut bevölkert. Man kann nur erahnen, wie es hier in einer Woche aussehen wird, wenn sich unter die Spätsommer-Flanierer hunderte waschechte „Biker“ mischen, die mit rund 70.000 schweren Maschinen zum traditionellen Harley Davidson-Treffen am Faaker See anreisen.

Vorspeise im „Charles“: Mariniertes Rinderfilet

Naja – und Hunger haben wir nach dem Paddeln natürlich auch. Mit dem Charles im Boutique-Hotel Palais26 lernen wir heute nach dem Josef (hier haben Lokal-Besitzer scheinbar ein Faible für Männernamen) eine weitere Kulinarik-Institution in Villach kennen – und beide könnten unterschiedlicher nicht sein. Während im urigen Josef die Frage, ob es auch ein kleines Cordon Bleu gibt, mit einem lapidaren „Nein“ quittiert wurde, ehe Köstlichkeiten im XXL-Format aufgetischt wurden, setzt der hippe Charles auf ausgefallene Gerichte à la „Eingerauchte Forelle“ und „Trüffelpasta“. Wir meinen: Beides hat absolut seine Berechtigung.

Die Redaktion bedankt sich bei den Ausstattern:
Black DiamondThuleLoidl SpezialitätenBuffGarminGloryfy und Swarovski.

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