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How To fahrRad

Die ultimative Packliste fürs Bikepacking


4 Min. Lesezeit
von Anke Eberhardt

Jedes Mal, wenn unsere Autorin mit dem Rad zu einer Mehrtagestour aufbricht, hat sie das mulmige Gefühl, irgendwas vergessen zu haben. Höchste Zeit, eine Checkliste zusammenzustellen! Von Armlinge bis Zahnbürste: Hier kommt die ultimative Packliste fürs Bikepacking!

Bikepacking ist populär wie nie – Dogpacking zumindest bei unserer Autorin angesagt
Foto: Julian Rohn
Bikepacking ist populär wie nie – Dogpacking zumindest bei unserer Autorin angesagt
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Beitrag: Anke Eberhardt, Fotos Julian Rohn

Was ich bei meiner ersten Mehrtagestour am meisten unterschätzt habe, war das Gewicht: Viel zu viel mitgenommen und bei jedem Anstieg halb gestorben. Mein 82-jähriger Vater auf seinem E-Bike muss sich beim Packen natürlich weniger beschränken, aber trotzdem hat er jedes Mal garantiert irgendetwas Wichtiges vergessen. Allerdings gehen seine und meine Vorstellung von „wichtig“ mindestens genauso weit auseinandergehen wie unsere Durchschnittsgeschwindigkeit am Berg.

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    Für das „How To fahrRad“-Video eine Packliste zusammenzustellen, war deswegen ein ständiges Schwanken zwischen meinen persönlichen Präferenzen und denen einer breit gefächerten Zuschauer- und Leserschaft – von sportlich ambitioniert bis rüstige Rentner. Gerade bei Mehrtagestouren findet der eine etwas total überflüssig, ohne das der andere niemals losfahren würde. Im Video geben wir deswegen möglichst viele Tipps, die dann nach Belieben aussortiert werden können:

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    Allein mit dem Equipment ist es aber natürlich nicht getan. Deswegen kommen im Folgenden:

    9 Grundregeln fürs Packen

    1. Weniger ist nicht so schwer

    Immer nach dem Motto packen: So viel wie unbedingt nötig, aber so wenig wie irgendwie möglich. Denn Minimalismus schlägt sich direkt auf das Gewicht und damit auf die Geschwindigkeit und bezwingbare Kilometer nieder. Bei mir muss deswegen alles klein packbar und leicht sein. Function over fashion!

    Wer sich beim Packen nicht zurückhalten kann, hat irgendwann Übergepäck.
    Foto: Julian Rohn
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    2. Von der Zwiebel lernen

    Bei der Bekleidung immer in Schichten denken: Was kann ich wie kombinieren, um mit möglichst wenig Teilen, möglichst viele Temperaturbereiche abzudecken? Sind zum Beispiel ein Langarm-Jersey und eine lange Hose sinnvoller, oder lieber Armlinge und Beinlinge, die kleiner und leichter sind? Auch bei der Abendgarderobe: Wie steht Wärme und Funktion im Verhältnis zu Gewicht und Größe? (Sorry, Jeans!)

    3. Donner, Wetter!

    Aber: auch für einen unzuverlässigen Wetterbericht planen. In Deutschland heißt das: Regenjacke ist Pflicht. Auch weil sie als oberste Schicht mit Windblocker warmhalten kann, auch wenn es nicht regnet. Solche Dinge sollte man selbst als Minimalismus-Fan nie daheimlassen. Das gilt ebenfalls für eine Isolationsjacke: Auch im Sommer wird es abends kalt – in den Bergen umso mehr. Egal ob aus Daune oder Kunstfaser, da braucht es Multitalente, die sich klein zusammenpacken lassen und trotzdem warmhalten.

    Lebensretter in allen Situationen: Die Isolationsjacke
    Foto: Julian Rohn
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    4. Der Schweiß ist heiß

    Wie viel nehme ich mit? bedeutet primär: Wie sehr bin ich bereit, unterwegs eklig zu sein? Daher grundsätzlich bei jedem Teil überlegen: Wie oft kann ich es anziehen, ohne dass es müffelt und wie schnell trocknet es? Klar, man kann für jeden Tag ein frisches Jersey und eine saubere Radhose einpacken. Oder man nimmt eine kleine Reisetube-Waschmittel mit und wäscht abends im Waschbecken aus (wenn man eins hat). Bei Lycra oder Merino geht das wunderbar, wer mit Flanellhemd unterwegs ist: Lieber vorher mal testen, ob es am nächsten Morgen auch trocken ist.

    5. Sicher ist sicher

    Auch wenn man es hoffentlich nicht braucht: Immer alles dabeihaben, damit man sich bei einer Panne selbst retten kann. Manche Leute haben ein ganzes Ersatz-Schaltauge dabei – die Basics für Schlauchwechsel, lockere Schrauben, Schotterwunden und ein Licht für ungeplante Abendverlängerungen sind absolutes Minimum. Die Schmach, vom Feldweg gerettet werden zu müssen, will man ja nicht riskieren...

    Vom Reifenheber bis zum Erste-Hilfe-Set: Oft kommt es auf die kleinen Dinge an
    Foto: Julian Rohn
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    6. Futter auf Vorrat

    Essen ist der Treibstoff der Waden. Deswegen schon bei der Routenplanung Cafés und Restaurants einbauen, genug Bananen, Snacks etc. etc. einpacken und auch für eventuelle Ruhetage oder geschlossene Gesellschaften gewappnet sein. Einen Riegel zu viel trage ich liebend gern mit mir herum!

    7. Tolle Technik

    Digitale Routenplanung, Handynavigation und Fahrradcomputer sind ein Segen für jeden Mensch im Sattel – und ein Fluch, wenn sie nicht funktionieren. Deswegen immer Routen offline laden, am besten sowohl mit Handy UND Bordcomputer starten, und auch für leere Akkus gewappnet sein. Technik macht Bikepacking so viel entspannter, aber halt auch nur, wenn sie funktioniert.

    Gerade auf längeren Touren empfiehlt sich ein Fahrradcomputer – und die passenden Ladegeräte nicht zu vergessen!
    Foto: Julian Rohn
    Gerade auf längeren Touren empfiehlt sich ein Fahrradcomputer – und die passenden Ladegeräte nicht zu vergessen!

    8. Nein zu Last Minute

    Nicht erst um Mitternacht am Vortag packen. Irgendwas fehlt immer. So wie bei mir, weil ich erst am Abend vor dem Videodreh gemerkt habe, dass ich keine Rahmenschutzfolie mehr hatte, die man bekanntlich unter alle Kontaktpunkte der Taschen kleben sollte (siehe Episode eins zu Taschen und Gewichtsverteilung). Panisch zum nächsten Fahrradladen zu rennen, sollte beim Timing noch drin sein.

    9. Ja zur Probefahrt

    Und dann: Testfahrt machen! Komm ich mit dem Gewicht überhaupt einen Hügel rauf? Lieber einmal am Hausberg ausprobieren, bevor man den Mehrtagestrip abbrechen muss, weil man doch zu viel mitgenommen hat. Wie den Hund meiner Kamerafrau zum Beispiel. Ich bin schwer verliebt, habe aber auch entsprechend schwer an dieser Liebe getragen.

    Samantha (Spitzname „Semmel“) liebt Radfahren und ist mit ihrem Frauchen auch privat oft im Sattel unterwegs – Profibrille inklusive.
    Foto: Julian Rohn
    Samantha (Spitzname „Semmel“) liebt Radfahren und ist mit ihrem Frauchen auch privat oft im Sattel unterwegs – Profibrille inklusive.

    Das Fazit: Einfach machen und die persönliche Packliste perfektionieren.

    So viel Auswahl an möglichem Equipment: Tritt man zu so einer Materialschlacht überhaupt an? Ich wollte im Video alle Eventualitäten abdecken – aber davon bitte nicht abschrecken lassen! Professionelle Packsäcke können auch einfach mit ein paar alten Jutebeuteln ersetzt werden und man kann auch sonst hervorragend improvisieren. Immer erst mit den Basics anfangen und dann Stück für Stück ergänzen.

    Das Gleiche gilt für die Länge der Tour: Am besten mit kurzen Trips anfangen und einfach machen. Spätestens nach der zweiten Tour weiß man dann, was man unterwegs wirklich braucht.

    Und wer eine konkrete Gedächtnisstütze beim Packen möchte: Die Liste mit allen Dingen, die mir und der Community eingefallen sind, gibt’s in der Videobeschreibung auf YouTube. Einfach aufrufen, abhaken und einpacken. Damit man hoffentlich e-i-n Mal nichts vergessen hat!

    In diesem Sinne: Happy Cycling!

    Unsere Autorin ist eindeutig auf den Hund gekommen. Wer dadurch auf den Geschmack gekommen ist: Die richtige Sattelhöhe erklärt sie mit Gast-Star Beverly, einem Mini-Pony.
    Foto: Julian Rohn
    Unsere Autorin ist eindeutig auf den Hund gekommen. Wer dadurch auf den Geschmack gekommen ist: Die richtige Sattelhöhe erklärt sie mit Gast-Star Beverly, einem Mini-Pony.

    Weitere Tutorials zum Thema Radfahren, wie man ohne Anfängerfehler einen Schlauch wechselt und wie ein Ex-Tour-de-France-Profi das Rad putzt: bei „How to fahrRad“. Der ersten Fahrrad-Tutorial-Serie, deren Kernkompetenz auf Inkompetenz beruht.

    Hier geht’s zum YouTube-Kanal.

    Und hier zum Instagram-Profil unserer Autorin – inklusive ihrer Online/Offline Bergwelten-Kolumne.

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