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Rodel-Abenteuer der Superlative

Die „Eiger-Grand-Tour“

• 11. März 2022

Rolf Majcen, begeisterter Bergläufer und Fotograf sowie selbsternannter Alpenrodler, war im Berner Oberland unterwegs. Aber nicht mit Schneeschuhen oder Tourenski, sondern auf zwei Kufen. Ein Erlebnisbericht über 40 Rodel-Kilometer und 6.000 Höhenmeter Abfahrt im Angesicht der Eiger-Nordwand.

Rodler auf der Eiger-Grand-Tour
Foto: Rolf Majcen
Rodeln im Angesicht des Eigers
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Seit Dezember 2020 sind die Berner Alpen dank der Eröffnung der gigantischen Eiger-Express-Seilbahn um eine weitere Attraktion reicher. Die modernste 3S-Bahn der Welt ermöglicht Rodlern, die „Eiger-Grand-Tour“ – mit ihren mehr als 40 Rodel-Kilometern und fast 6.000 Abfahrtshöhenmetern – in einem einzigen Tag zu absolvieren. Was die „Sella-Ronda“ in den Dolomiten für Skifahrer ist, kann die „Eiger-Grand-Tour“ für Rodler werden.

Start der längsten Rodeltour im Alpenraum, bei der fünf völlig unterschiedliche Abfahrten mit exquisiten Blicken zum Eiger kombiniert werden, ist am Aussichtsberg First (2.168m), den man von Grindelwald über die First-Gondelbahn erreicht.

Auftakt: First – Waldspitz – Bort

Der Rodelweg „First – Waldspitz – Bort“ (Nr. 51) bildet den Beginn des Abenteuers: Von der Bergstation steigt man auf einem präparierten Schneeweg (Nr. 50) in etwa einer Stunde über die Gummihütte (2.262 m) Richtung Bachalpsee (2.265 m) bzw. Faulhorn (2.681 m) auf. Das Bergpanorama ist gigantisch: Jungfrau (4.158 m), Eiger (3.970 m), Großes Fiescherhorn (4.048 m) und Schreckhorn (4.078 m) stehen Spalier, während man die Rodel durch das Hochgebirge zieht. Kurz vor dem berühmten See zweigt die Abfahrt links ab. Sie führt durch großartige Landschaft und an verschneiten Almhütten vorbei zum Berggasthaus Waldspitz (1.930 m) und – mit kurzen Gehpassagen – weiter zur Seilbahnstation Bort (1.600 m). Die ersten neun Kilometer sind absolviert.

Rodler auf der Eiger-Grand-Tour
Foto: Rolf Majcen
Die Eiger-Nordwand ist ständige Begleiterin auf der Rodeltour

Teil 2: First – Schreckfeld – Bort

Nach dem Start im strahlenden Licht der Morgensonne geht es von Bort mit der Firstbahn ein zweites Mal auf den First und dann nördlich der ersten Abfahrt über die Strecke „First – Schreckfeld – Bort“ (Nr. 53, dann Nr. 55) fast 5 Kilometer hinunter nach Bort. Die langen Geraden begeistern! Bei guter Schneelage kann von Bort über Mühlbach bis Grindelwald (Nr. 59) gerodelt werden, sonst nimmt man die schnelle Firstbahn.

Gebietswechsel: Grindelwald – Wengen

Von der Firstbahn-Talstation (1.061 m) spaziert man in etwa 25 Minuten (auch Bus-Transfer möglich) durch Grindelwald zum Grindelwald-Terminal (937 m) hinunter, von wo es mit dem pfeilschnellen Eiger-Express – hautnah an der Eiger-Nordwand vorbei – zum Eigergletscher (2.328 m) geht. Dort, in der faszinierenden Welt aus Schnee, Eis und Fels, beginnt die Rodelstrecke Nr. 68 zur Kleinen Scheidegg (2.061 m), der berühmten Passhöhe zwischen dem Eiger und dem Lauberhorn (2.472 m). Bis zum Fallbodensee ist sie rasant, dann sanfter.

Auf der Kleinen Scheidegg hält man sich links, und rodelt über die „Fox-Run“ (Nr. 66) weitere 6 km, neben der Lauberhorn-Abfahrt und über die Wengernalp, bis Wengen. Die Piste, die im obersten Teil mit fesselndem Bergpanorama begeistert, führt über angenehmes Gefälle und lange entlang der Wengernalpbahn. In Wengen (1.283 m) übernimmt die Luftseilbahn die Bergfahrt auf den Männlichen und man gelangt so auf 2.230 Meter Seehöhe.

Rodler auf der Eiger-Grand-Tour
Foto: Rolf Majcen
Die „Eiger-Grand-Tour“: ein Rodel-Abenteuer der Superlative!

Die 4. Abfahrt: Zurück nach Grindelwald

Von der Bergstation (2.230 m) der Luftseilbahn „Wengen–Männlichen“ steigt man auf gut präpariertem Terrain in etwa 30 Minuten zum Gipfel des Männlichen (2.343 m) hinauf. Wieder zeigt sich die Eiger-Nordwand aus anderer Perspektive – vielleicht sogar aus der schönsten. Oben wird die Rodel startklar gemacht, dann geht es auf Abfahrt Nr. 60 einen ganzen Kilometer lang (!) direkt auf die 1.800 Meter hohe Felswand zu.Die Rodelbahn schlängelt sich in der Folge als Nr. 61 bis zur Bergstation Holenstein (1.624 m). Ab dort fährt man – je nach Schneelage – per Gondel oder mit der Rodel auf Piste Nr. 67 (5,5 km) zum Grindelwald-Terminal (937 m). 

Der krönende Abschluss

Vom Grindelwald-Terminal (937 m) lässt man sich noch einmal mit dem Eiger-Express 1.400 Höhenmeter hinauf zum Eigergletscher bringen, um dort das fast 13 km lange Finale zu beginnen: Auf bekannter Piste Nr. 68 geht es – mit herrlichem Lauberhorn-Blick – zuerst 2,5 km zur Kleinen Scheidegg, wo man nun nicht nach Wengen („Fox-Run“) abbiegt, sondern rechts bleibt, um über die „Eiger-Run“ (Nr. 64) bis nach Grindelwald zu rodeln. Die Abfahrt verläuft – stets von der mächtigsten Nordwand der Alpen begleitet – über das Berghaus Alpiglen und das Restaurant Brandegg mal steiler, mal gemütlicher, bis fast zum Grindelwald-Terminal. Mit etwas Glück kommt neben der Eiger-Nordwand sogar noch die fotogene rote Wengeneralpbahn entgegen!

Rodler auf der Eiger-Grand-Tour
Foto: Rolf Majcen
Die Rodelstrecke „Eiger-Run“ verläuft neben der Wengeneralpbahn

Tipp: „Big Pintenfritz“ am zweiten Tag!

Wer noch einen Tag Zeit zum Rodeln in Grindelwald hat, kann die „Eiger-Grand-Tour“ um die 15 km lange „Big Pintenfritz“ ergänzen. Dazu steigt man von First etwa 2 Stunden über den Bachalpsee bis auf das Faulhorn (2.681 m) und fährt über die Bussalp Richtung Grindelwald ab.

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