5 Fragen an Bergmenschen

Adam Ondra: „Die Berge sind ein Symbol für Freiheit“

Interview • 16. April 2020

Adam Ondra, 27, ist der aktuell beste Sportkletterer am Fels. Er fühlt sich sowohl in knackigen Boulderrouten als auch den Big Walls des Yosemite Valleys zuhause. Wir haben mit dem Ausnahmetalent über seine Zeit daheim, sein aktuelles Training und die Olympischen Spiele gesprochen.

Auch auf Adam Ondra müssen die Berge im Moment warten, doch der junge Sportkletterer lässt sich davon nicht die gute Laune verderben
Foto: Pavel Blažek
Auch auf Adam Ondra müssen die Berge im Moment warten, doch der junge Sportkletterer lässt sich davon nicht die gute Laune verderben

Bergwelten: Wo bist du gerade?

Ich bin gerade zuhause in Brno, meiner Heimatstadt. So wie der Rest von Europa sind auch wir dazu angehalten daheim zu bleiben. Glücklicherweise habe ich aber genügend Möglichkeiten, um mich in den eigenen vier Wänden fit zu halten und weiterhin zu trainieren.

Wie gestaltet sich nun dein alltägliches Leben?

Ich lebe gemeinsam mit meiner Freundin und wir trainieren gemeinsam am Campus-Board und in meiner eigenen kleinen Boulderhalle nebenan. Insofern hat sich mein Trainingsplan kaum verändert und es geht uns allen gut. Auch der Rest meiner Familie ist wohlauf und darüber bin ich sehr, sehr glücklich. 

Wie holst du dir die Berge nach Hause?

Gute Frage... wie gesagt, mein Trainingsumfang hat sich seit Beginn der Quarantäne nicht wesentlich verändert. Ich investiere fast genauso viel Zeit in meine körperliche Fitness wie zuvor. Allerdings habe ich daneben wenige andere Verpflichtungen und verbringe den Rest meiner Freizeit mit Lesen.

So kann ich mir die Berge ganz einfach nach Hause holen, ohne auch nur einen Schritt nach draußen zu machen. Ich lese im Moment viel über den Cerro Tore, David Lamas Buch über die Kompressor-Route liegt auf meinem Nachttisch. Ich lese das Buch jetzt schon zum zweiten Mal – dieses Mal fühlt es sich aber anders und irgendwie intensiver an.

Wie hältst du deinen Körper und Geist gerade fit?

Dadurch, dass die Olympischen Spiele in Tokio nun um ein Jahr verschoben wurden, habe ich weit mehr Zeit, um noch gezielter und effektiver für dieses Großereignis zu trainieren. Eigentlich ist meine Motivation dadurch noch gestiegen, weil ich nun weiß, dass ich noch 16 Monate Zeit habe, um meine Schwächen auszumerzen und meine Stärken zu verbessern. Es wird bestimmt schwierig die Motivation bis dahin aufrecht zu halten, aber ich bin zuversichtlich.

Wovon träumst du, wenn du an die Berge denkst?

Die Berge sind ein Symbol für Freiheit, für einen riesigen Raum in dem wir uns frei bewegen dürfen, wenn wir die notwendige Erfahrung, das Können und die Fitness mitbringen. Von dieser Freiheit träume ich jeden Tag.

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