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Filmreife Lebensgeschichten

10 reale Abenteurer im Film

7. Juli 2021
11 Min. Lesezeit

Entdeckungsfahrten, Erstbesteigungen und Erlebnisse in der großen, weiten Welt: Sie waren immer schon der Stoff, aus dem unsere Sehnsüchte sind. Viele dieser Abenteuer waren prädestiniert für Verfilmungen. Hier stellen wir euch zehn Pioniere und Pionierinnen vor, deren Leben oder größtes Abenteuer in abendfüllenden Spielfilmen verarbeitet wurde.  

Text: Simon Schreyer

Heinrich Harrer: „Sieben Jahre in Tibet“

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Heinrich Harrer und Brad Pitt

„Zwei Männer fliehen aus der Gefangenschaft, überqueren das höchste Gebirge der Welt und werden Berater des Königs eines verbotenen Reiches.“ So märchenhaft liest sich der Klappentext von Sieben Jahre in Tibet, erschienen 1952. Der Kärntner Bergsteiger Heinrich Harrer (1912 – 2006) wurde damit schlagartig weltberühmt und sein Bestseller ermöglichte ihm ein unabhängiges Leben als Forschungsreisender und Autor. Das Buch eröffnete einer globalen Leserschaft ein Panorama der tibetischen Gesellschaft vor dem Einmarsch der Rotchinesen und machte den Dalai Lama zu einem Haushaltsnamen. Bereits 1956 entstand eine englische Verfilmung, die aus Original-Filmaufnahmen des Autors und nachgestellten Szenen bestand und heute eine Rarität ist.

1997 kam die Verfilmung durch Jean-Jacques Annaud in die Kinos, in der Hauptrolle war Brad Pitt zu sehen. „Natürlich ist der Brad nicht so gutaussehend wie ich es in meiner Jugend war, das ist vielleicht der größte Unterschied zu mir“, so scherzte Harrer augenzwinkernd vor der Fertigstellung des Films, der großteils in Argentinien gedreht wurde. Kurze Zeit später sollte dem greisen Abenteurer das Scherzen vergehen, als ORF-Redakteur Gerald Lehner Nachweise für dessen Nazi-Vergangenheit ans Licht der Öffentlichkeit holte. Harrer und seine Frau wurden daraufhin von der Hollywood-Premiere ausgeladen. 

Ob seine ideologische Verfehlung die Leistungen als Forscher auf fünf Kontinenten überschattet, darüber kann sich jeder selbst ein Bild machen. Der Film jedenfalls spielte mehr als 130 Millionen Dollar ein und fachte das Interesse am Schicksal der Tibeter und ihrer bedrohten Kultur weiter an. 

Alexander von Humboldt: „Die Vermessung der Welt“

Alexander von Humboldt und Albrecht Schuch

Fragte man Heinrich Harrer, wer seine größten Vorbilder als Forscher waren, so erwähnte er stets Sven Hedin und Alexander von Humboldt. Humboldt (1769 – 1859) stammte aus wohlhabender Berliner Familie und schon auf den ersten gemeinsamen Ausflügen fiel seinem Bruder Wilhelm auf, dass Alexander seine botanischen, meteorologischen und biologischen Beobachtungen miteinander verknüpfte. Kombinatorik und vernetztes Denken nennt man das heute. 1799 begab er sich auf eine fünfjährige Forschungsreise durch Mittel- und Südamerika, durchquerte Urwälder und Flüsse, bestieg trotz Höhenkrankheit den Chimborazo (6.263 m), ließ sich im Namen der Wissenschaft von Zitteraalen elektrisieren und kostete vom Pfeilgift Curare. 

2005 landete der deutsch-österreichische Schriftsteller Daniel Kehlmann mit dem Roman Die Vermessung der Welt einen Bestseller. Das Buch fiktionalisiert die Biografie Humboldts, des „zweiten Entdeckers Amerikas“, und jene des einsiedlerischen „Fürsten der Mathematik“, Carl Friedrich Gauß (1777 – 1855). Sprachgewaltig und durch seine indirekten Reden hochkomisch, erreichte der Roman Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste und blieb dort 37 Wochen lang. 

2012 verfilmte Detlev Buck Die Vermessung der Welt, obwohl sein Autor das Werk für unverfilmbar hielt – und deswegen auch gleich selbst das Drehbuch schrieb. Florian David Fitz gab den vergeistigten Gauß, Alexander von Humboldt wurde von Albrecht Schuch verkörpert. Trotz hochkarätiger Nebendarsteller blieb das Echo auf den 3D-Film verhalten. „Bucks Film ist eine Bilderflut, aber kein Kino. Niemand kann sich zwei Stunden lang an Naturaufnahmen begeistern und dabei auch noch zwei Nachwuchsschauspielern zusehen, die sich ungelenk durch eine GEO-Reportage bewegen“, urteilte die Zeit.

T. E. Lawrence: „Lawrence von Arabien“

Thomas Edward Lawrence und Peter O’Toole

Anfänglich war es die Architektur der Kreuzritterburgen, die den 21-jährigen Studenten der Geschichte in den Nahen Osten führte. In Syrien entdeckte T. E. Lawrence (1888 – 1935) seine Bewunderung für die arabische Kultur. Der britische Nachrichtendienst wiederum entdeckte den sprachkundigen Lawrence 1914 als geeigneten Agenten für die Unterstützung des arabischen Aufstandes gegen den osmanischen Sultan. Bereits davor hatte sich Lawrence distinguiert, als er sich einer kartografischen Expedition durch die Wüste Negev anschloss. All dies diente der Festigung britischer Interessen im geostrategisch wichtigen arabischen Raum. Klingt kompliziert und so war es auch. Nicht zuletzt ging es, wie könnte es anders sein, um den Rohstoff Öl. 

Gemeinsam mit Beduinenkriegern unternahm Lawrence Guerilla-Aktionen, verübte Sprengstoffanschläge auf wichtige Eisenbahnlinien und unterstützte die Eroberung von Akaba und Damaskus. Somit war er auch Vorbereiter des Sykes-Picot-Abkommens, welches bis heute für Konflikte in der Region sorgt. Später bereute T. E. Lawrence dies zutiefst. Was er jedoch nie bereute, war seine beinah romantische Liebe zu den Beduinen, die er in dem Klassiker Die sieben Säulen der Weisheit beschrieb. 

Seine heroisierte Lebensgeschichte wurde 1962 als bildmächtiges Wüstenepos von David Lean inszeniert. Der Film erhielt sieben Oscars und kann auch 2021 uneingeschränkt empfohlen werden. In den Hauptrollen glänzen Anthony Quinn, Alec Guinness und Omar Sharif sowie der trinkfeste Peter O’Toole als Titelheld. In einer Talkshow bekannte er: „Ein Kritiker bewunderte die unglaubliche Entschlossenheit, die während des Ritts auf Akaba in meinem Blick gelegen hatte. In Wahrheit war ich zu dem Zeitpunkt einfach nur sternhagelvoll.“

Reinhold Messner: „Nanga Parbat“

Reinhold Messner und Florian Stetter

Reinhold Messner (*1944) ist der bekannteste Abenteurer der Welt. Unzählige Dokumentationen drehen sich um ihn und seine Erlebnisse zwischen Achttausendern, Wüsten und heiligen Bergen. Spielfilm über ihn gibt es aber nur einen: Joseph Vilsmaiers Nanga Parbat von 2010. Der Film thematisiert die Expedition zur 4.500 Meter hohen Rupal-Wand im Jahre 1970, an welcher die beiden Brüder Messner, Reinhold und Günther, teilnahmen. 

Dabei kam es zur Tragödie als Günther nach dem erfolgreichen Gipfelgang an der Höhenkrankheit zu leiden begann. Reinhold versuchte den einfachsten Abstieg für beide über die weniger steile Diamirflanke zu finden, doch in deren unterem Drittel wurde der bereits delirierende Günther von einer Eislawine verschüttet. Seine Überreste wurden erst 2005 gefunden, was die Anschuldigungen der anderen Expeditionsteilnehmer entkräftete, Reinhold hätte seinen Bruder für die Überschreitung des Berges geopfert. Der schwer traumatisierte Reinhold, selbst dem Tod näher als dem Leben, konnte sich mit schweren Erfrierungen zu holzsuchenden Bauern retten, die ihn erstversorgten.

Der Spielfilm wurde an Originalschauplätzen in Pakistan gedreht sowie am Ortler und in einer -20 °C kalten Münchner Eishalle. In den Rollen der Messner-Brüder waren Florian Stetter und Andreas Tobias zu sehen. Auch Simon Messner sprang in einigen Kletterszenen als Double seines Vaters Reinhold ein. Aufnahmen von spektakulären Gletscherlandschaften und starke Emotionen zeichnen dieses Berg-Drama aus. Nur der Sohn des Expeditionsleiters Karl Maria Herrligkoffer war mit dessen Darstellung durch den österreichischen Meistermimen Karl Markovics höchst unzufrieden — was in Anbetracht von Herrligkoffers kontroversem Ruf vorauszusehen war.

Amelia Earhart: „Amelia“

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Amelia Earhart und Hilary Swank

Frei sein und Spaß dabei haben. Das war der Lebenstraum der amerikanischen Pilotin Amelia Earhart (1897 — 1937). Dass sie dabei zweifelnden Männern zeigte, was Furchtlosigkeit und Selbstbewusstsein bedeuten, kam ihr auch sehr recht. Den Berufspilotenschein, der um 1920 noch etwa 4000 $ kostete, finanzierte sich Earhart mit 28 verschiedenen Jobs. 

Mit ihrer ersten Zweisitzer-Maschine stellte sie 1921 einen Höhenweltrekord auf. Sieben Jahre später überquerte sie als erste Passagierin in einem Zweisitzer den Atlantik Non-Stop und wurde dafür frenetischer gefeiert als der Pilot Wilmer Stultz. 1932 überflog sie alleine den Atlantik. 1935 flog sie als erste Frau solo von Hawaii nach Kalifornien und stieg zu einer Ikone des Feminismus auf. Earhart: „Mein Ziel ist es, Frauen aus dem Käfig ihres Geschlechts zu befreien.“ Zudem machte sie sich für die sozialliberale Politik Franklin D. Roosevelts stark und lud seine Frau Eleanore zu einem nächtlichen Rundflug über Washington ein. 1937 verscholl sie beim Versuch, die Erde entlang des Äquators zu umrunden, gemeinsam mit ihrem Navigator Fred Noonan. Die US-Navy suchte 400.000 km² des Pazifiks ab, 1939 wurden die beiden für tot erklärt. 

Earharts Leben wurde gleich mehrmals verfilmt: 1976 mit Susan Clark, 1994 mit Diane Keaton und 2009 mit Amy Adams. Im selben Jahr kam auch Amelia ins Kino, mit Hilary Swank in der Titelrolle. Trotz der schauspielerischen Leistungen von Swank, Richard Gere und Ewan McGregor floppte der Film. Die wohl treffendste Hommage an diese mutige Frau kam jedoch in musikalischer Form von einer anderen „Solopilotin“, Joni Mitchell, mit ihrem Song Amelia von 1976.

Chris McCandless: „In die Wildnis“

Chris McCandless und Emile Hirsch

Ob Christopher McCandless (1968 — 1992) ein echter Entdecker war oder bloß ein junger Mann, der eine falsche Entscheidung traf, daran scheiden sich die Geister. Mit inneren Gegensätzen hatte auch er selbst zu kämpfen. Einerseits war McCandless Anhänger Reagans, andererseits war er radikal sozialistisch geprägt. Er verdiente gut als Inhaber eines Copyshops, wollte aber dem Mammon abschwören und leben wie seine Helden Thoreau, London und Kerouac. 

Unter dem Pseudonym „Alexander Supertramp“ reiste er zunächst mit seinem alten Nissan, dann als Tramp durch den Westen der USA. Dabei kam er schon einmal fast ums Leben, als er bei einer Bootsbefahrung des Colorado River ein Paddel verlor. Den Endpunkt seiner Reise zu sich selbst fand er im Denali-Nationalpark in Alaska, wo sich der Abenteurer unfreiwillig mit den Schoten von Wild Sweet Peas vergiftete und einen langsamen Hungertod starb. Im August 1992 wurde die Leiche des ausgezehrten Aussteigers in einem ausrangierten Linienbus gefunden – nur 30 Kilometer entfernt von der nächsten Siedlung. 

Jon Krakauer, selbst ein bekannter Abenteurer und Alpinist (In eisigen Höhen), verfasste mehrere Artikel über McCandless sowie den Bestseller In die Wildnis, welcher 2007 von Sean Penn verfilmt wurde. Die Hauptrolle spielte Emile Hirsch. Den Gänsehaut-Song Rise aus dem Soundtrack von Eddie Vedder kann wohl niemand mehr hören, ohne an das harte, aber selbst gewählte Schicksal von Christopher McCandless zu denken. Notiz am Rande: Zu Sanni McCandless, der Frau von Alex Honnold (Free Solo), besteht keine Verwandtschaft.

Aron Ralston: „127 Hours“

Aron Ralston und James Franco

Ein ähnliches Schicksal wie Chris McCandless widerfuhr dem Abenteurer Aron Ralston (*1975). Auch hier stellt sich die Frage, ob dieser ein Entdecker war oder bloß ein unvorsichtiger Typ, der sich selbst in eine extrem brenzlige Situation manövrierte. Der Unterschied: Ralston überlebte und konnte sein Abenteuer selbst erzählen. 

2003 durchwanderte er gut gelaunt den Boden eines Sandstein-Canyons in Utah, als sich ein Felsblock löste und seinen rechten Arm einklemmte. Was daraufhin folgte, ist nichts für schwache Nerven: Fünf Tage lang versuchte Ralston sich zu befreien. Zunächst indem er Teile des Blocks wegschlug, dann indem er einen Flaschenzug installierte, um dessen Gewicht zu vermindern. Als er dadurch keine Fortschritte machte, ging es ans Eingemachte. Er begann, sich selbst mit dem bereits stumpfen Taschenmesser den Unterarm durchzutrennen und scheiterte an der Dicke des Knochens. Schließlich befreite er sich aus der Misere, indem er sich Elle und Speiche brach und das bereits abgestorbene Gewebe mit der Säge des Taschenmessers durchtrennte. All das, plus eine Abschiedsrede an seine Familie, dokumentierte er mit seinem Camcorder. 

Die haarsträubenden Aufnahmen hielt Ralston danach unter Verschluss. Zu sehen bekamen sie schließlich Regisseur Danny Boyle (TrainspottingThe Beach) und James Franco, der 2010 im Frischluft-Thriller 127 Hours die Hauptrolle übernahm. Boyle bediente sich einer geschickten Dramaturgie, welche die Handlung zunächst zügig vorantreibt, aber dann immer langsamer werden lässt. So entsteht beim Zuschauer das Gefühl, in der ausweglosen Situation des halluzinierenden Protagonisten zu versinken.

Aron Ralston ist übrigens weiterhin als Bergsteiger aktiv, wobei er eine spezielle Handprothese benutzt, in die sich ein Eisgerät schrauben lässt.

Gertrude Bell: „Königin der Wüste“

Gertrude Bell und Nicole Kidman

Wenn Werner Herzog eine Lebensgeschichte verfilmt, kann man davon ausgehen, dass es sich um eine wirklich außergewöhnliche handelt. Die Biografie der britischen Historikerin, Agentin und Alpinistin Gertrude Bell (1868 — 1926) sprengte tatsächlich jeden Rahmen: Als eine der ersten Frauen studierte sie in Oxford, bereiste den Nahen und Fernen Osten, erwarb sich eine Weltläufigkeit wie kaum ein Mann zu ihrer Zeit. Sie war sprachkundig und belesen, diplomatisch vernetzt und hatte Anteil an der Gründung des Irak. 

Auch als Archäologin und Bergsteigerin machte sie sich einen Namen. Vor allem im Berner Oberland, wo sie um 1900 acht Gipfel im Kamm der Engelhörner erstbestieg, selbstverständlich in Hut und Rock. Eines davon trägt noch heute ihren Namen: Gertrudspitze. Mit zwei Bergführern versuchte sie sich auch an der Ostwand des Finsteraarhorns und scheiterte an vereisten Felsplatten kurz unter dem Gipfel. Zudem war die Seilschaft in ein Gewitter geraten, welches Bell zwang, die Nacht auf einem Vorsprung stehend zu verbringen. 

Mit ihren roten Haaren und grünen Augen war sie auch eine außergewöhnlich schöne Frau. Dem Volk der Beni Sakhr, deren entbehrungsreiche Lebensweise sie monatelang teilte, galt sie als „Tochter der Wüste“.  Herzogs Film von 2015 mit Nicole Kidman und James Franco (dem wir schon in 127 Hours begegnet sind) stellt die traumhafte Schönheit der Wüste in seinen Brennpunkt. Auch Lawrence von Arabien begegnen wir wieder, diesmal dargestellt von Robert Pattinson. Der Film fiel sowohl bei der Kritik als auch an der Kasse durch und entbehrt der typischen Trademarks eines Herzog-Films: Wildheit, Schrulligkeit und vor allem die unverwechselbare Erzählerstimme des Regisseurs.

Thor Heyerdahl: „Kon-Tiki“

Thor Heyerdahl auf der Kon-Tiki

In den 1950er-Jahren stand das Buch Kon-Tiki in vielen Regalen gleich neben Sieben Jahre in Tibet. Beide Geschichten sind Wirklichkeit gewordene Jugendträume und entführten ihre Leser aus den bitteren Nachkriegsjahren an exotische Orte. 

Auch der junge Thor Heyerdahl (1914 — 2002), Sohn eines Bierbrauers aus Oslo, träumte als Junge von einem Leben in der Ferne. Anders als Heinrich Harrer zog es ihn aber aufs Meer. Was verwundert, denn gleich zweimal wäre der junge Thor beinahe ertrunken. 1947 stach der Anthropologe mit einer fünfköpfigen Crew auf einem 14 Meter langen Floss aus Balsaholz und Hanfseilen von Peru aus in See. Einzige moderne Gerätschaft: ein Funkgerät. Heyerdahl wollte beweisen, dass Polynesien vor etwa 1.500 Jahren von Südamerika aus besiedelt wurde, und zwar entlang der nach Alexander von Humboldt (siehe oben) benannten Strömung. Die Kon-Tiki erreichte 7.000 km und 101 Tage später das Tuamoto-Archipel. Heyerdahls Theorie gilt nach wie vor als umstritten. Sein Buch und der Dokumentarfilm, für den es 1952 sogar einen Oscar gab, wurden aber große Erfolge. 

2012 verfilmten Hans Joachim Rønning und Espen Sandberg das nasse Abenteuer neu und in zwei Fassungen: Jede Szene wurde zunächst auf Norwegisch und nochmals auf Englisch gedreht. Die Ästhetik des teuersten norwegischen Films aller Zeiten wirkt mit ihren fetten Farben wie aus den 50er-Jahren, die Bedrohlichkeit des offenen Meeres ist stets präsent. Amüsant ist die Szene, in der die Crew bei einem Hai-Angriff Tomaten-Pulver ins Meer schüttet, weil sie aus Versehen das Hai-Abwehrmittel zuvor als Suppe zubereitet hatte.

Karen Blixen: „Jenseits von Afrika“

Karen Blixen und Meryl Streep

Sie lebte ein Leben, wie geschaffen für die Großleinwand: Karen Blixen, alias Tania Blixen, alias Isak Dinesen (1885 — 1962) war eine Frau, die sich selbst erfand und das Buch ihres Lebens mit Ausdauer und Stil schrieb. Hemingway war erklärter Fan ihrer Werke, allen voran Jenseits von Afrika (1937). Sich selbst sah sie als „nordische Scheherezade“ und als ihr höchstes Gut die Freiheit der Lebensgestaltung. 

17 Jahre lang, von 1914 bis 1931, betrieb die Dänin eine Kaffee-Plantage in den Ngong-Bergen Kenias. Eine lange Zeit, in der ihr Afrika zur Herzensheimat wurde, in der sie Liebe (Großwildjäger und Pilot Denys Finch Hatton) und Verlust (ihre Farm), Verrat (ihr Mann infizierte sie mit Syphilis) und Treue (jene des ergebenen und wortkargen Dieners Farah) kennenlernte. Dieser Zeit trug sie in einem der schönsten Bücher des 20. Jahrhunderts Rechnung. Jenseits von Afrika war ihr selbst auch das liebste ihrer oft märchenhaften Bücher, da es „von echten Dingen“ handle. Das Motto, das sie ihm voransetzte: „Reiten, Bogenschießen, die Wahrheit sagen.“

1985 verfilmte Sydney Pollack (Drei Tage des CondorTootsie) Blixens Afrika-Memoiren als zweieinhalb-stündige Hollywood-Schmonzette mit Meryl Streep und Robert Redford. Klaus Maria Brandauer brillierte als blaublütiger Windbeutel Bror Blixen, für dessen Darstellung er mit einem Golden Globe ausgezeichnet und für den Oscar als Bester Nebendarsteller nominiert wurde. Der Film wurde mit sieben Oscars prämiert, doch die nominierte Meryl Streep ging leer aus. Die gezähmten Löwen für die Jagdszenen wurden übrigens aus einem kalifornischen Zoo nach Kenia eingeflogen. 

Zum Autor: Simon Schreyer war mehrere Jahre lang als Reporter für das Red Bulletin-Magazin unterwegs. Wenn er nicht gerade an der Überwindung seiner Höhenangst arbeitet, schreibt er über Popkultur, Literatur und ferne Orte. Besonders angetan haben es ihm die Berge und Kulturen des Himalaya, die bereits sein Urgroßonkel Peter Aufschnaiter erforschte.

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