Matthias Mayr in Zauchensee
Foto: Hans Herbig / Powderchase
Freeride-Camp

Powderchase: Auf der Jagd nach dem weißen Gold

Reportage • 23. Januar 2019
von Katrin Rath

Was für viele wie eine Utopie klingt, wird bei Powderchase zur Wirklichkeit: Ein Freeride-Camp mit Powder-Garantie! Wir konnten uns den ersten Termin der Saison nicht entgehen lassen und haben uns in den Radstädter Tauern (Salzburg) auf die Jagd nach frischem Tiefschnee begeben.

Tiefschnee in Zauchensee
Foto: Hans Herbig / Powderchase
Sonne und Powder – das Rezept für einen perfekten Skitag

Ein Freeride-Camp mit Tiefschnee-Garantie? Klingt utopisch, wird auf Powderchase, der Jagd nach dem Pulverschnee, aber zur Wirklichkeit. Das Prinzip ist einfach: Die Termine stehen fest, wo es hingeht allerdings noch nicht. Das erfährt man dann 2-4 Tage bevor es losgeht. Logisch, dass das von allen Beteiligten einiges an Flexibilität fordert – wie das eben so ist, wenn man sich auf Jagd begibt.

Weil es der Natur aber egal ist, wann sich ein paar Freerider in frischen Tiefschnee werfen wollen, kann es auch vorkommen, dass die Bedingungen einmal kein Camp zulassen – wo kein Powder, da kein Freeriden. Dann wird der Termin abgesagt und die gesamte Kursgebühr rückerstattet. Fast wäre das an diesem Wochenende der Fall gewesen, denn es gilt auch: Wo zu viel Powder, da kein Freeriden.

Radstädter Tauern
Foto: Hans Herbig / Powderchase
Die Radstädter Tauern haben in den ersten Januar-Wochen einiges an Schnee abbekommen

„Für mich stellte sich die Frage, ob es verrückter ist, bei diesen Bedingungen Skifahren zu gehen oder bei diesen Bedingungen nicht Skifahren zu gehen“, erklärt Ricarda Schneegass, die Organisatorin von Powderchase, am ersten Abend. „Nach unzähligen Gesprächen mit den lokalen Bergführern, haben wir dann aber beschlossen, dass es verrückter wäre, nicht Skifahren oder Snowboarden zu gehen!“

Und so sitzen nun alle Teilnehmer beim Abendessen in einem urigen Hotel in Radstadt im Salzburger Land zusammen, um die nächsten drei Tage gemeinsam auf den Tiefschneehängen der Region zu verbringen. Dass wir weder die steilsten, noch die längsten Lines unseres Lebens in den hüfthohen Schnee ziehen werden, ist uns aufgrund der Schneesituation bewusst, dass wir trotzdem eine unvergessliche Zeit vor uns haben, spüren wir aber bereits jetzt.

Sonniger Start ins Wochenende

Um 8:15 Uhr geht es am Freitag, dem ersten Tag dieses Powderchase-Wochenendes, los. Das heutige Ziel ist das Skigebiet Zauchensee/Flachauwinkl in den Radstädter Tauern, wo uns unser Bergführer Clemens schon erwartet. Eigentlich ist der erste Tag auf Powderchase dazu gedacht, sich selbstständig und ohne Guide einzufahren.

Powderchase BMW X-Drive
Foto: Hans Herbig / Powderchase
Bis 8:15 Uhr sind die Autos eingeladen und es kann losgehen

Da heute aber der schönste Tag des Wochenendes sein soll, wurde kurzfristig umdisponiert und die vier Gruppen starten schon heute mit Bergführern in den Tiefschnee – Flexibilität wird bei Powderchase großgeschrieben. Auch wenn es um die Gruppenzusammenstellung geht, sind Ricarda und ihr Team darum bemüht, auf die Wünsche einzelner einzugehen.

Während die Sonne das erste Mal seit den heftigen Schneefällen vom Himmel lacht, pflügen wir durch hüfthohen Powder und genießen einen Tree Run nach dem anderen. „Davon werd‘ ich heute Nacht noch träumen!“, entfährt es Vincent aus Bayern, der nach eigenen Angaben übrigens die besten Germknödel weit und breit kocht. An Mittagspause ist aber heute nicht zu denken, stößt doch am späten Vormittag auch noch prominenter Besuch dazu.

Ein Tag zum Träumen

Freerider Matthias Mayr schließt sich unserer Gruppe an, gibt wertvolle Tipps und plaudert aus dem Nähkästchen. „Ich war schon überall auf der Welt – Japan, Kanada, Antarktis – die besten Skitage habe ich aber immer in Österreich erlebt“, schwärmt der 37-Jährige von seiner Heimat. Und an Tagen wie diesen können wir das absolut verstehen!

Der gebürtige Niederösterreicher Matthias Mayr in Aktion

So vergehen die Stunden im frischen Pulverschnee mit traumhaften Abfahrten und interessanten Lift-Gesprächen. Ein wenig Schnee- und Lawinenkunde „to go“ vermittelt uns Bergführer Clemens, der die Berge rund um Radstadt so gut kennt wie seine Skianorak-Tasche. „Seht’s die Wechte da oben?“, fragt er und deutet mit seinem Stock vom Lift aus auf die riesigen Schneeansammlungen am Kamm nahe der Rauchkopfhütte. „Da drunter hat’s sicher mehr als 35° – und alles voll mit frischem Triebschnee. Da fahrma net rein!“

Er und auch wir sind uns der angespannten Lawinensituation dieser Tage bewusst, weshalb nur relativ flache und niedrig gelegene Hänge für unsere Abfahrten gewählt werden. Der Freude am Powdern tut das aber definitiv keinen Abbruch.

Völlig erschöpft kommen wir um 15:00 Uhr im Liftgasthof an, wo wir auch die anderen Gruppen wieder treffen. Das kühle Blonde haben wir uns jetzt alle verdient!

Bier Liftgasthof
Foto: Hans Herbig / Powderchase
Die Stärkung im Liftgasthof Zauchensee haben wir uns verdient

Von Haien und Pillow Jumps

Bei Powderchase sind nicht nur fortgeschrittene, sondern auch zukünftige Freerider willkommen. Wer zum allerersten Mal von der vertrauten Piste in den unberührten Tiefschnee abbiegen will, sollte sich für die Slowderchase-Gruppe anmelden. Hier werden nicht nur die Grundlagen des Skifahrens und Snowboardens im Gelände vermittelt, sondern auch Zweifel und Ängste aus dem Weg geräumt.

Jeder kennt doch die ein oder andere unbegründete Angst vor etwas, das eigentlich unmöglich eintreten kann. Zum Beispiel von der Rolltreppe eingesaugt zu werden oder vor dem Monster unter dem Bett? Auch Jule aus Hamburg beschäftigt so eine irrationale Angst: „Mich beunruhigt, dass ich nicht weiß, was sich unter der Schneeoberfläche befindet – Stacheldraht, kleine Bäume oder vielleicht ein Hai?!“

Die Slowderchase-Gruppe

Während sich die anderen Gruppen am zweiten Tag nach Obertauern begeben, zieht es die Slowderchasers wieder nach Zauchensee – diesmal ebenfalls in prominenter Begleitung. Profi-Freeriderin Sandra Lahnsteiner unterstützt die Einsteiger mit wertvollen Tipps und ermutigt sie, an ihre Grenzen zu gehen. Und so kommt es, dass Jule, vormals noch mit Angst vor Haien unter den Skiern, jetzt über Pillows (Schneepölster, die durch darunterliegende Baumstämme entstehen) springt und die Slowderchase-Gruppe beim Abendessen am meisten zu erzählen hat.

Pillow Jump
Foto: Hans Herbig / Powderchase
Jules erster Pillow Jump

Ein Lächeln, das anhält

Während es für die Freeride-Einsteiger nochmal mit dem Guide rausgeht, sind die anderen Powderchase-Gruppen am letzten Tag auf sich allein gestellt und setzen das in den Tagen davor Gelernte selbstständig um. Ein letztes Mal noch werden die Hänge in Zauchensee ausgenutzt, bevor es heißt Abschied zu nehmen. Abschied von neugewonnenen Freunden, von einem wunderbaren Team und vom herrlichen Powder. Die meisten haben eine lange Fahrt vor sich: es geht zurück nach Wien, München, Kiel oder gar Amsterdam. Eines aber ist sicher – egal wie sehr sich die Heimreise in die Länge zieht, das Powder-Lächeln, das sich im Laufe des Wochenendes auf unseren Gesichtern breit gemacht hat, überdauert sie.

Lächelnder Freerider
Foto: Hans Herbig / Powderchase
Tailguide Timos Powder-Lächeln

Für zukünftige Powderchaser

Willst auch du in den Genuss unvergesslicher Tiefschnee-Abfahrten in bester Gesellschaft kommen? Dann solltest du dir das Angebot von Powderchase genauer ansehen: Neben den „normalen“ Freeride-Camps werden auch Touren-Camps und Kurse im Hochgebirge angeboten. Immer mit dabei: Bergführer aus der Region und Tailguides, die das Schlusslicht der Gruppe bilden, damit niemand verloren geht und um Gestürzten zur Hand gehen zu können. „In Kanada hast du immer Tailguides dabei – das wollte ich für Slowderchase auch“, erklärt Bas Rotgans, der das Camp vor vielen Jahren ins Leben gerufen hat. Er lässt es sich übrigens nicht nehmen, auch heute noch beim ein oder anderen Termin vorbeizuschauen und die Powderchase-Geschichte zu erzählen.

Powderchase Ricarda und Bas
Foto: Hans Herbig / Powderchase
Powderchase-Organisatorin Ricarda Schneegass und Erfinder Bas Rotgans

Die Anzahl der verfügbaren Plätze ist begrenzt, darum solltet ihr schnell sein, sofern ihr noch in dieser Saison dabei sein wollt. Via Facebook wird man auch über kurzfristig wieder frei gewordene Plätze informiert und ab Oktober 2019 ist dann die Anmeldung für die Termine des kommenden Winters möglich.

Mehr zum Thema

Stockzeichen unter Freeridern (Illustration Bergwelten/Pommes)
Folge dem Stock: Um im freien Gelände Informationen zur idealen und sicheren Linie an die Freeride- und Skitouren-Gruppe weiterzuleiten, haben sich 7 Stockzeichen bewährt. Wir zeigen euch, welche.
Freeride-Ski Tipps
Freeriden ist wie Surfen im Tiefschnee. Damit sich dieses Gefühl mit reichlich Suchtfaktor auch wirklich einstellt, lohnt es sich bei Kauf und Pflege der Ski einige Punkte zu berücksichtigen.  
Blick vom Stubaier Gletscher Richtung Ötztal
Wer Mitte März noch auf der Suche nach Pulverschnee ist, könnte auf den Gletschern Tirols fündig werden. So wie unsere Redakteurin Katrin Rath, die zum Freeriden am Stubaier und Kaunertaler Gletscher unterwegs war und nicht gedacht hätte, dass man mit nur 10 cm Neuschnee so viel Spaß haben kann. 

Bergwelten entdecken