Nach dem langen Klettersteigtag darf der nächste Morgen etwas gemütlicher beginnen. Die Kabinenbahn Drei Zinnen bringt uns hinauf zum Stiergarten, wo grüne Almböden und weite Ausblicke statt schmaler Felsbänder warten.
Vom Stiergarten steigen wir zunächst aufs Hornischegg. Der Gipfel lässt sich zwar umgehen, doch das wäre schade: Von oben reicht der Blick weit über den Karnischen Hauptkamm, im Süden thronen die hellen Felstürme der Sextner Dolomiten. Bei klarer Sicht öffnet sich das Panorama auch weit in die österreichische Bergwelt.
Vom Hornischegg folgt man dem Grenzkamm weiter in Richtung Helm. Direkt am Weg liegt die Sillianer Hütte auf 2.447 Metern – ein guter Platz für einen kurzen Zwischenstopp, bevor später die ausgiebigere Einkehr auf der Hahnspielhütte wartet.
Zwischen der Sillianer Hütte und dem Helm (2.433 m), der das Ende bzw. den Anfang des Karnischen Höhenwegs markiert, folgt die Route über weite Strecken der Grenze zwischen Italien und Österreich. Alte Grenzsteine, verfallene Zollgebäude und teilweise in den Berg gebaute Anlagen erzählen von der bewegten Geschichte des heute so friedlichen Höhenwegs. Am Helmgipfel steht das historische Helmhaus, ein ehemaliges Grenz- und Militärgebäude, das heute neu belebt wird. Der Gipfel ist zugleich einer der großen Aussichtspunkte des Hochpustertals.
Die Wanderung ist technisch deutlich einfacher als der Alpinisteig. Für den welligen Kammweg nehmen wir uns trotzdem genügend Zeit – nicht zuletzt, weil die Aussicht immer wieder zum Stehenbleiben verführt.
Zur Mittagszeit wartet die Hahnspielhütte am Fuße des Helms. Von ihrer Terrasse blickt man direkt auf die Gipfel der Sextner Bergsonnenuhr. Auf unseren Tellern landeten ein Knödeltris und hausgemachte Tagliatelle mit Bergkräutern und Latschenkiefer, dazu Hirschragout. Das Urteil nach zwei aktiven Bergtagen fiel ziemlich eindeutig aus: Für diese Einkehr sollte man ruhig etwas mehr Zeit einplanen.
Von der Hahnspielhütte führt der Weg weiter zur Bergstation Helm. Dort befindet sich das Reinhold Messner Haus in einer ehemaligen Seilbahnstation. Es ist weniger klassisches Museum als viel mehr ein Ort für Kunst, Kultur, Nachhaltigkeit und die Frage, wie der Mensch den Bergen begegnet. Zu sehen sind auch persönliche Objekte aus Messners Expeditionen.
Für uns passt der Besuch gut ans Ende des Bergtages: Nach den Stunden draußen verschiebt sich der Blick noch einmal – von Gipfeln und Wegen zu den Geschichten und Menschen dahinter. Auch uns bleibt das Haus als eine der eindrucksvollsten Stationen in Erinnerung. Für den Rückweg gibt es mehrere Möglichkeiten. Wer die Beine schonen möchte, fährt mit dem Helmjet nach Sexten. Wer noch Reserven hat, verlängert den Tag zu Fuß – je nach Wetter und verfügbarer Zeit über die Lärchenhütte oder in Richtung Waldkapelle.