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Ernst pilgert, Teil 4

Zu Fuß von Wien nach Marokko: Nur noch wenige Kilometer

• 18. Oktober 2017

Ernst Merkinger ist auf seinem Pilgerweg von Wien nach Marrakesch mittlerweile in Marokko angelangt! Dort begrüßt ihn ein Wechselbad der Gefühle.

Ernst Merkinger Pilgert
Foto: Ernst Merkinger
Ernst Merkinger in Marokko: Langweilig wird ihm dort nicht!
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Von Casablanca nach Marrakesch gilt folgende Frage für mich: Autobahn oder Hauptstraße? Meine Antwort lautet: „Beides - leider!“

Neben mir zwitschern Mobile vorbei, deren Benützer nicht mal wissen, dass es so etwas wie eine TÜV-Prüfung gibt oder dass Schadstoffe gefiltert werden können. Das Wort „Verkehrsregeln“ scheint in ihrem Sprachjargon schon gar nicht in Benutzung zu sein. Bei den Bussen sind alle Türen geöffnet, damit statt der nichtfunktionierenden Klimaanlage zumindest ein Lüfterl den Achsel- und „Gluteus-Maximus-Ritzerl-Schweiß“ trocknen lässt. Dann sind auch noch die Türen der Motorhauben geöffnet, damit die Motoren nicht zu brennen beginnen, Arbeiter überqueren die Autobahnstraßen oder eben Pilger, wie ich, die am Pannenstreifen 30 bis 40 Kilometer abspulen.

Casablanca: Hassan II. Moschee - eine der größten Moscheen der Welt

Aber dann gibt’s da auch noch einen neuen marokkanischen Autobahntrend. Wie Trend? Kennen Sie vielleicht Urban Gardening? Urban Gardening, auch als urbaner Gartenbau bekannt, ist die meist kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen innerhalb von Siedlungsgebieten oder in deren direktem Umfeld (Quelle: Wikipedia). Doch in Marokko wird eine neue Art des Gartelns gepflegt: Highway Gardening. Während meines 35-Kilometer-Hatschers – ja, es fühlt sich tatsächlich im Moment wie ein Hatscher an, weil eben monoton, wie Autobahnen so sind, und primär auf asphaltiertem Terrain, wie Autobahnen eben so sind – pflücken  einige Arbeiter im grünen Trennstreifen der Autobahnstraßen Oliven. Meine Schlussfolgerung: Grüne Oliven sind vom Land und schwarze Oliven von der Autobahn, weil die eigentlich grünen Oliven durch den Feinstaub fein schwarz gefärbt werden?! Aber gut, das ist nur meine Theorie...

Olivenbäume mit grünen Oliven findet man übrigens auch in André Hellers Anima Garten vor. Der Garten, der als meine Enddestination gilt. Enddestination im Sinne von „geographisch betrachtet“ - hoffe ich zumindest!

 

Die spanische Meseta ist im Vergleich zur marokkanischen ein Kindergarten

Schwarze Oliven und Zaubergärten

Das marokkanische Pflaster hat immer wieder Überraschungen und „Unterraschungen“ parat – so wie in Settat, wo mir pubertäre Jungs auf ihren Rädern bzw. Mopeds sitzend mit ihren Holzstecken auf meinen Allerwertesten schlagen, die Wasserflasche stehlen und mich beschimpfen. In solchen Momenten gilt’s ruhig zu bleiben, ein Pokerface aufzusetzen und die ASS- Karte auszupacken – daher einfach mal den Blick nach oben richten, seine Hände nach oben strecken und ein überzeugtes „Allah“+ „Shkra“ („Danke“) auf die Jungs wirken lassen.

Allah, Buddha und Gott waren in jenem Moment anscheinend tatsächlich vor Ort bzw. auf meiner Seite, weil gegen sechs Jungs anzukämpfen hätte ich nach 32 Kilometern sicher keine Kraft mehr gehabt. So haben sie mir sogar die Flasche wieder zurückgegeben und mich mit einem braunen Streifen im Unterhöschen weiterziehen lassen.

Wie auch immer, mit dieser Geschichte möchte ich meine marokkanischen Brüder und Schwestern nicht ins falsche Licht rücken, deswegen diesen Zu- Fall noch zur Ergänzung: Eine Ortschaft vor Settat, in Berrechid, bin ich von einem Einheimischen herzlichst und spontan eingeladen worden. Nachdem ich meinem Körper, wie sich‘s eben in Marokko gehört, einen viel zu süßen Minztee zumute, verlasse ich das Lokal mit einem „Akhy shkra Ik“ („Danke ,Bruder“) Richtung Kellner, gehe keine 50 Meter und frage ein Pärchen, ob sie vielleicht ein Hotel hier wüssten, indem ich übernachten könnte.

Mohammed: „You can sleep at my place!“

Ich: „Are you sure?!“

Mohammed: „No, problem, my friend. No problem. - I will pick you up in one hour, ok?!“

Ich: „Thank you so much! I really appreciate. I will wait for you at this Café.“

Fladenbrot mit Paprika, Zwiebel, Thunfisch, Reis, Kartoffeln und marokkanischen Gewürzen – hat gut geschmeckt, aber leider meinen Verdauungsapparat nicht so sehr erfreut

So gehe ich zurück zu meinem „Stammbeisl“, trinke erneut ein Seiterl Minztee – währenddessen Mohammed für mich eine Matratze vom Nachbar checkt, damit ich in seinem bescheidenen Zuhause angenehm übernachten kann.

Ja, richtig geraten! - In Marokko wird mir gewiss nicht langweilig!


In den kommenden Tagen wird Ernst den großen André Heller in dessen Anima-Zaubergarten besuchen - hier gibt es Video-Impressionen von diesem besonderen Ort in der Nähe von Marrakesch.

Auf seinem Pilger-Blog und auf seinem Instagram-Account wird uns Ernst weiterhin berichten.

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