Reise

Auf das Dach Afrikas – Gipfeltag am Kilimanjaro

Reise • 9. Februar 2016
von Julia Fink

Jährlich lockt der Kilimanjaro, höchster Berg Afrikas, mehr als zehntausend Bergbegeisterte aus aller Welt nach Tansania. Obwohl die Besteigung als technisch wenig schwierig gilt, erreicht nur etwa die Hälfte aller Gipfelaspiranten den Uhuru Peak (5.895 m). Julia Fink erzählt uns von ihrem Gipfeltag.

Blick auf den Mount Meru vom oberen Ende der Barranco Wall am Kilimanjaro
Foto: Julia Fink
Blick auf den Mount Meru vom oberen Ende der Barranco Wall am Kilimanjaro

In den letzten vier Tagen sind wir über die Machame Route ins Barafu-Camp auf 4.640 m Höhe aufgestiegen. Der Sonnenuntergang im Camp war einzigartig und ich freue mich auf den Gipfeltag! Mitten in der Nacht, wortwörtlich um Mitternacht, klingelt der Wecker! Raus aus dem wohlig warmen Schlafsack und hinaus in die dunkle, klare und bitterkalte Nacht. Der erste harte Kampf gegen den Inneren Schweinehund ist gewonnen und meine Vorfreude auf den Gipfel ist größer denn je! Zum Frühstück gibt es heißen Tee, ein paar Kekse und einen Power-Riegel. Viel Hunger habe ich um diese Uhrzeit ohnehin nicht. Um kurz vor 1 Uhr verlassen wir das Camp. Bis zum Gipfel sind es noch etwa 1.250 Höhenmeter – die härtesten unserer ganzen Tour.

Der Anstieg erfolgt zunächst steil hinauf über ein paar Felsen, auf denen ich im grellen Lichtkegel der Stirnlampe eine dünne gefrorene Schicht ausmachen kann. Zum Glück werde ich beim Gehen schnell warm. Ich glaube unser Guide Fredy hat eine Abkürzung gewählt, denn wir gehen geradewegs den steilen Hang hinauf und sind im Nu an einer größeren Gruppe britischer Touristen vorbei, die sich neben uns mühsam den Berg hinauf quält.

Der steile Geröll- und Aschekegel des Kibo scheint schier endlos. Auch ich habe zu kämpfen, obwohl ich durch die Vorbereitungstour am Mount Meru gut akklimatisiert bin. Im Zickzack verlaufen die Serpentinen relativ flach aber wir machen dennoch stetig einen Höhenmeter nach dem anderen. Der Weg ist breit und erfordert keine Technik. Das ist eigentlich auch gut so, denn ich befinde mich gewissermaßen noch immer im Halbschlaf und gehe wie im Autopilot-Modus Schritt für Schritt weiter. Es ist nun gegen 3:30 Uhr und es wird immer kälter.

kili-barafu-sunset

Der Weg führt immer gleich nach oben. Alles um mich herum ist felsig und schwarz-grau. Ganz im Gegensatz zum Regenwald, den wir am ersten Tag durchquert haben, ist die Gipfelzone des Kilimanjaro eine lebensfeindliche Umgebung und es scheint mir, als würde dieses gewaltige Bergmassiv einfach nie ein Ende nehmen. Am liebsten würde ich einen Gang zulegen, doch das geht nicht, ich muss meinen Puls im Auge behalten. Ich hätte nicht gedacht, dass mich die Höhe derart verlangsamen würde, doch auf 5.500 m Höhe ist man aufgrund des niedrigeren Sauerstoffpartialdrucks nur etwa halb so leistungsfähig wie auf Meereshöhe.
 

Die letzten Höhenmeter

Als ich nach über vier Stunden des nächtlichen Aufstiegs kurz vorm Resignieren bin, sehe ich auf einmal das Ende des steilen Aschekegels. Eine angebrachte Tafel gratuliert uns, dass wir nun den Stella Point auf 5.740 m Höhe erreicht haben. Okay, jetzt gibt es wirklich kein Zurück mehr! Nach einer kurzen Pause habe ich neue Kraft geschöpft. Die letzten 150 Höhenmeter bis zum Gipfel verlaufen erstaunlich flach, doch ich bin auch ein bisschen froh darüber, denn in dieser Höhe ist wirklich jeder Schritt mühsam. Als sich die erste Helligkeit des Tages am Horizont bemerkbar macht, ist es plötzlich soweit: Nach knapp 5 Stunden Aufstieg erreichen wir pünktlich zum Sonnenaufgang gegen 6 Uhr morgens den Gipfel des Kilimanjaro und sind am 5.895 m hohen Uhuru Peak – dem höchsten Punkt Afrikas!
 

Bei Sonnenaufgang erreichen wir den 5.895 m hohen Uhuru Peak, den Gipfel des Kilimanjaro.

Voll Freude gratulieren wir uns gegenseitig und ich sehe Fredy zum ersten Mal seit 5 Tagen lächeln. Leider habe ich vom Gipfel nur ein paar eher schlechte Handy-Fotos – aber auch einen triftigen Grund dafür: Meine Kamera war tatsächlich eingefroren!

Wir bleiben nur kurz, freuen uns, dass wir es geschafft haben und machen uns schon wieder an den Abstieg. Im ersten Licht der Morgensonne sehe ich etwas abseits des Weges die gewaltigen Eisformationen der Southern Icefields. Auf dem schwarzen Lavagestein wirkt das reinweiße Eis beinahe surreal und im Hintergrund hat sich mittlerweile ein dichtes Wolkenmeer gebildet – eine fast mystische Stimmung! Auch die Gletscher am Kilimanjaro schmelzen unaufhaltsam und es ist wahrscheinlich, dass der Gipfel schon in wenigen Jahren vollkommen eisfrei sein wird. Was das für die Wasserversorgung am Berg und für die Bewohner der Masai-Steppe bedeutet ist kaum vorstellbar.

Der Abstieg erfolgt zunächst entlang der Aufstiegsroute und dann über einen reinen Abstiegspfad, um Gegenverkehr zu vermeiden. Im weichen Aschesand geht es sich ebenso geschmeidig wie in frischem Tiefschnee. Schon bald ist mir in der Sonne wieder angenehm warm. Der weitere Abstieg bis ins Barafu-Camp ist kurzweilig und wir sind bereits um 9 Uhr wieder zurück. Freudig werden wir von unserer Bergmannschaft begrüßt und sofort mit etwas zu Trinken und einem Riegel versorgt. Wir haben Zeit uns ein wenig auszuruhen und eine reichhaltige Mahlzeit zu essen bevor wir gegen 11:30 Uhr über die Mweka Abstiegsroute weitere 1.500 Höhenmeter hinab bis ins Mweka Camp (3.080 m) gehen, wo wir die letzte Nacht am Berg verbringen werden.

Der flach verlaufende, ausgetretene Pfad durch die Steinwüste und Graslandschaft mit Philippia-Sträuchern wäre der perfekte Mountainbike-Trail. Wenn ich doch nur mein Bike parat hätte! Aber vielleicht beim nächsten Mal.
 

Zurück im Barafu-Camp

Service

Anreise
Von mehreren europäischen Flughäfen mit Ethiopian Airlines über Addis Abeba nach Kilimanjaro International Airport (JRO). Die Fluggesellschaften Condor, KLM und Edelweiss Air bieten auch Direktflüge von Frankfurt-Main, bzw. Amsterdam und Zürich aus an. Den Transfer vom/zum Flughafen und zum Nationalpark-Gate am besten vorab über das Hotel oder den Veranstalter organisieren. Bei der Reiseplanung Regen- /Trockenzeiten in Tansania beachten.

Ausrüstung
Eine gute Bergausrüstung ist trotz des technisch nur wenig anspruchsvollen Aufstiegs unverzichtbar! Vor allem die klimatischen Verhältnisse am Berg (+30°C und bis zu ‑20°C) dürfen nicht unterschätzt werden und es muss entsprechende Bekleidung im Gepäck sein. Neben guten Bergschuhen und 4-5 Paar Trekkingsocken sollte man neben normaler Wanderbekleidung unbedingt eine Daunenjacke, Windjacke, Fleece-Jacke, Funktionsunterwäsche, dicke Handschuhe und Mütze und Halstuch dabei haben. Sportschuhe für abends im Camp nicht vergessen.
Zur Grundausrüstung gehören außerdem: Rucksack (mit Regenhaube), Schlafsack (bis ‑20°C geeignet), Stirnlampe, zusätzliche Akkus und Batterien, 2 Thermoskannen pro Person (Plastikflaschen sind am Berg verboten), Gamaschen (gegen den Staub, bzw. Wasser), Wasserfilter (z.B. von Sawyer, um lästigen Magen-Darm-Keimen vorzubeugen), Reiseapotheke, Sonnenschutz.

Tipp
Mehrsprachige Karte mit Infos des Kilimanjaro National Park besorgen, z.B. vom Harms IC Verlag.

Tourenanbieter
Ein Bergführer ist am Kilimanjaro Pflicht. Am besten einen lizenzierten lokalen Bergführer engagieren, der sich mit den Gegebenheiten und Vorschriften vor Ort auskennt (Genehmigungen, Routen und Klima am Berg, etc.). In Moshi / Arusha gibt es mehrere gute Anbieter, die zum Teil auch mit Veranstaltern in D/A/CH zusammenarbeiten und über diese auch gebucht werden können. Meine persönliche Empfehlung: Mauly Tours.
 

Weitere Reisestories auf Bergwelten.com

Damavand Iran
Zu DDR-Zeiten eroberten die Brüder Heinrich die Berge – dann trennten sich ihre Wege. 30 Jahre und einige Schicksalsschläge später beschlossen sie, wieder gemeinsam einen Gipfel zu besteigen. Der „heilige Berg der Perser“ führte sie nicht nur zusammen, sondern ließ sie auch ein Land entdecken.
Spitzkoppe Namibia
Ein Kletter-Roadtrip durch den Süden Afrikas ist nicht alltäglich. Auch nicht, was man dabei erlebt. Unser Autor erzählt von dreisten Affen und Bergen, die fast unberührt scheinen.
Blue Mountains Jamaika
Kein Hirngespinst: Das Strand-Paradies Jamaika hat richtige Berge. Auf ihren Hängen baut Bob Marleys Sohn den weltbesten Kaffee an und in ihren Wäldern liegt der Ursprung der Rastafari-Kultur. Unser Redakteur Martin Foszczynski hat sich auf den Blue Mountain Peak Trail begeben, um die Sonne vom höchsten Punkt der Karibik aufgehen zu sehen.

Bergwelten entdecken