
Lawinen-Notfall: Fürs (Über)Leben lernen
Foto: Rene Sendlhofer-Schag
von Simon Schöpf
Durchatmen. Beruhigen. Den Puls runterbringen. Gut, dass wir hier nur bei einer Übung sind. Im Ernstfall wäre die Situation jetzt nämlich mehr als nur kritisch geworden: Wir haben im ganzen Chaos tatsächlich vergessen, den Lawinenkegel ganz rechts außen auch noch mit dem Pieps abzusuchen, für die letzte vollverschüttete Person gäbe es jetzt nach 17 Minuten wohl nicht mehr viel Hoffnung. Autsch.
Warum wir eigentlich hier sind, fragen sie uns zu Beginn im Seminarraum. Johannes schießt los: „Um vorbereitet zu sein, wenn mal was passiert!“. Maria freut sich „auf’s Üben und Überrascht-werden“, Klaus will „das Gesamtpaket Sicherheit“ besser verstehen. Und Sigrun, die Rechtsanwältin, will den Schnee „so einschätzen können, wie ich meine Strecke beim Mountainbiken einschätzen kann“. Anna sprüht vor Ehrlichkeit und meint: „I kenn mi gar nit aus, fahr aber überall gern obi“. So haben wir alle unsere guten Gründe, hier zu sein.
„Schuld sind zu 90% wir selbst. Wir schaffen einfach den Verzicht nicht. Wenn’s einen Meter Pulver hinhaut, da schalten wir einfach alle den Verstand aus, da bleibt dann keiner zu Hause. Dabei sind genau das die gefährlichen Tage!“, weiß Peter Plattner als Alpinsachverständiger sehr genau. Was hilft? Wir müssen uns maßregeln lernen. Und: Das Handeln im Extremfall trainieren. Denn ein Drittel der tödlichen Lawinenopfer ist auf fehlende Gerätekompetenz zurückzuführen. Denn wer Skitourengeher sein will, der muss sich mit der Materie auseinandersetzen, der muss das Risiko kennen.
Risiko? Halt, Stopp, falsches Wort: Risiko sind Zahlen. Wenn man bei einer geführten Alpenvereinstour mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:40.000 in eine Lawine komme, dann hilft dieses Wissen in der Praxis: nicht viel. Denn in der Realität bekommen wir kein Feedback, ob wir das Schneebrett haarscharf gerade nicht ausgelöst haben. Das Feedback bekommen wir erst, wenn es schon zu spät ist. Sprechen sollten wir also stattdessen von Unsicherheit. Denn Sicherheit, weiß Peter Plattner, „Sicherheit gibt es nicht. Aber wir können viel machen, um unsere Überlebenschancen im Extremfall deutlich zu erhöhen“.
Das Schlüsselwort: Selbstverantwortung. Denn: Wenn wir selber schuld sind, dann können wir auch etwas dagegen machen. Also üben wir, bevor wir raus gehen. Jeden Frühwinter aufs Neue. Dann können wir die Zeit draußen wirklich genießen, vergnügt die besten Pulver-Lines fahren. Mangelnde Selbstverantwortung, das lassen wir uns sicher nicht vorwerfen!
Das letzte Wort sei dem

Lawinen-Camps
Safety Days Spielberghaus – organisiert vonmc2alpin undZeit für Draußen Lawinencamps von Snowhow SAAC Basic Camps
Literaturtipp
von Rudi Mair & Patrick Nairz. 5. Auflage 2015.

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