Abwärts mit Nachförg

Buddha in der Boulder-Bar

Kolumne • 22. Februar 2017

Wie Spider-Man über Wände krabbeln ist gut für die Gesundheit, doch nicht jedermanns Berufung. Warum für unsern Autor in der Kletterhalle nach einer Stunde Schluss war.

Harald Nachförg Kolumne
Foto: Martin Kreil
Bergwelten-Kolumnist Harald Nachförg

Ein Ort, der mit dem Wort Bar endet, kann nicht wirklich schlecht sein, dachten der Kurt und ich, und so ließen wir uns eben in der Wiener Boulder-Bar einschreiben. Schließlich wird auf der Website der Kletterhalle auch deren chillige Schank gepriesen – wir gingen also davon aus, dass man hier das Nützliche mit dem Angenehmen wunderbar verbinden kann. Na ja.

Aber der Reihe nach. Die Idee, bouldern zu gehen, kam uns, weil der Kurt und ich jetzt auch schon in einem Alter sind, in dem man ein bissl was machen muss für die Gesundheit. Und wie Spider-Man über Wände zu krabbeln fanden wir recht witzig. Wir sind ja jetzt auch schon in einem Alter, in dem man ein bissl kindisch ist.

Darum also bouldern. Wobei ich zugeben muss, dass ich schon in dem Moment, als uns der Trainer zum Aufwärmen auf die Matte setzen ließ, ein wenig irritiert war. Ich mein: Schneidersitz! Der Kurt ist immerhin ein halbes Jahr älter als ich und auch um einiges, na ja, sagen wir fester. Wie soll der so einfach die Beine auseinanderklappen, dachte ich noch, da saß er auch schon glücklich da wie Buddha – grad dass er nicht erleuchtet über dem Boden schwebte.

Ich hockte neben ihm wie Pinocchio und hoffte inständig, dass mich Meister Geppetto schon wieder reparieren werde, falls da jetzt was schiefgehen sollte. Kurt lächelte mir gütig zu, ich nickte freundlich zurück, wünschte mir jedoch von ganzem Herzen, dass er den Knopf in seinen Beinen nie mehr aufbringt und sich von nun an wie ein Orang-Utan auf Händen durchs Leben schleifen muss.

Jetzt nicht, dass es mir was ausgemacht hätte, wenn er in dieser lächerlichen Aufwärmphase der Bessere … Aber dass er auch noch staubtrockene Leihschuhe bekam, während aus meinen der Schweiß einer Kompanie rann, das zehrte doch an meinen Nerven.

Kletterhalle
Foto: Rudi Wyhlidal
Verleitet zum Kräftemessen in der Vertikalen: Die Kletterhalle

Ich empfand es daher nur als gerecht, dass unser Trainer hauptsächlich mir seine volle Aufmerksamkeit schenkte. Und nahm bei seiner Frage nach meinem Wohlbefinden auch gleich die Gelegenheit wahr, ihm einige medizinische Auffälligkeiten anzuvertrauen. Er sollte schließlich wissen, welche Bewegungsabläufe, Techniken und Routen mir eventuell Probleme bereiten könnten. „Zwei Bandscheibenvorfälle zwischen L5 und L4, die Hüfte rechts lädiert, beide Knie im Eimer, wie übrigens schon bei meinem Vater und meiner Großmutter, eine Familienkrankheit, du verstehst … Zufällig hab ich Röntgenbilder dabei, die ...“

Leider konnte ich nicht ins Detail gehen, Streber Kurt – „Könn ma jetzt bitte anfangen!“ – bestand auf Unterricht. Und so freute es mich umso mehr, dass er recht bald mit knallroter Birne und x-förmig von sich gestreckten Extremitäten auf vier stoppelgroßen Vorsprüngen klebte und weder vor noch zurück konnte.

Dass mir an derselben Stelle das gleiche Missgeschick passierte, hat übrigens nichts mit mangelnder Geschmeidigkeit zu tun. Ich war bloß unkonzentriert. Ein in der Nähe von einem Überhang baumelnder Sixpack veranlasste mich zur Überlegung, wie lange es wohl dauern würde, bis auch ich so einen makellosen Körper hätte, beziehungsweise ob hier auch Frauen oben ohne bouldern würden.

Egal! Wie unser Trainer nach der ersten Stunde schwor, waren Kurt und ich interessanterweise haargenau gleich gut. Zufrieden marschierten wir in die Bar. Die Unterarme auf Oberschenkelgröße angeschwollen und zittrig wie Espenlaub schütteten wir dort das Bier an die Wand und auf den Boden, ehe wir durstig, aber einträchtig wie die Huberbuam nach Hause gingen.


Zum Autor: Der geborene Wiener Harald Nachförg ist Textchef beim Monatsmagazin Servus in Stadt & Land, Buchautor („Alles bestens“) und seit über 50 Jahren auf der Suche nach dem rechten Weg.

 

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