Bergwelten Hüttenwoche, Tag 4

Auszug aus dem Tagebuch eines Praktikanten oder 24 Stunden mit der Bergwelten-Familie

• 22. Juni 2018
von Robert Maruna

Der vierte Tag auf unserer Alm in Saalbach Hinterglemm verlief überaus vielseitig: vom Hochseilgarten auf die Sonnenterrasse, hinauf zum Henlabjoch (1.860 m) und zurück ins Tal zu den Tiroler Buam. Ein Tag voller Sonne, Regen und natürlich Bergen.

Der morgendliche Ausblick vom Balkon auf den Schusterkogel, die Chefin im Pyjama ist leider nicht zu erkennen
Foto: Mesi Toetschinger
Der morgendliche Ausblick vom Balkon auf den Schusterkogel, die Chefin im Pyjama ist leider nicht zu erkennen

7:49 Uhr

Das Geräusch eines Lastwagens weckt mich – idyllisches Almleben eben. Ein Blick auf die Uhr und mir wird klar, dass ich mich nun nicht mehr länger drücken kann. Der Tag beginnt. Noch ein wenig schlaftrunken torkle ich auf den Balkon und muss feststellen, dass ich nicht alleine bin. Vor mir thront der Schusterkogel (2.207 m) im sanften Morgenlicht, zu meiner Linken blickt Kollege Foschi verträumt aus dem Fenster seines Zimmers, während zu meiner Rechten die Chefetage im Minni Maus-Pyjama bereits die Sonne grüßt. Erst mal Zähne putzen.

8:24 Uhr

Wir treffen uns zu Kaffee und Milchbrötchen auf der Terrasse im Sonnenschein. Früchte gibt es auch, die rührt aber keiner an. Und wenn wir nicht gerade, umgeben von schönster Bergkulisse, in die Tasten hämmern würden, könnten die folgenden Stunden dem klassischen Büroalltag entsprechen. Es werden E-Mails beantwortet, Meetings geplant, Artikel aktualisiert, an Worten geschliffen, Haare gerauft und am Ende gelacht. Normaler Büroalltag eben, und das mit dem Lachen stimmt wirklich.

Allmorgendliche Routine auf dem Terrassen-Büro
Foto: Martin Foszczynski
Allmorgendliche Routine auf dem Terrassen-Büro

11:16 Uhr

Langsam wird das Sitzfleisch unruhig. Es ist Zeit die Laptops zuzuklappen und sich anderen schönen Dingen zu widmen. Sissi und Riki satteln bereits ihre Räder, um den Hochalmtrail unter die Lupe zu nehmen. Für Katrin, Foschi und mich steht etwas Anderes auf der Agenda. Denn nur einen Steinwurf von unserer Alm entfernt, befindet sich der größte Hochseilgarten Europas. Grund genug dem Ganzen einen Besuch abzustatten. Schnell sind die Sachen gepackt und wir auf dem Weg. Die Chefin hütet einstweilen das Haus und bereitet die Nachmittagsjause vor (böse Zungen behaupten, dass sie nach einem Ausweg suchte, um sich dem Spiel in luftiger Höhe zu entziehen…).

11:28 Uhr

Nach unterschriebenem Anmeldeformular werden uns die Klettergurte und Helme überreicht. Die junge Dame an der Ausgabe ist hörbar nicht aus der Gegend und ich kann mir die Frage nicht verkneifen, was sie denn nach Hinterglemm verschlagen hat: „Ach, die Liebe!“. Ich muss schmunzeln, denn eigentlich kann die Liebe ja Berge versetzen, aber manche Berge lässt man lieber da wo sie sind und im Grunde ist es auch einfacher wenn sich der Mensch bewegt.

11:39 Uhr

Bevor wir uns ins Hochseilgelände wagen, werden wir einer kurzen Einschulung unterzogen. Die Einschulung wird von Trainer Sven übernommen. Sven arbeitet im Winter als Skilehrer und den Sommer über im Hochseilgarten Hinterglemm.  Ursprünglich ist er aus Belgien, lebt seit 8 Jahren hier im Glemmtal und heißt gar nicht Sven. Da er uns seinen richtigen Namen nicht verraten wollte habe ich ihn Sven getauft – ein passender Name wie ich meine, nicht nur wegen seines rotblonden Haares und der hellen Hautfarbe wegen. Sven strahlt eine gewisse Zufriedenheit aus, während er uns den Umgang mit Seilrolle und Karabinern erklärt. Ich verliere mich allerdings wieder in Tagträumen und frage mich, wie viele Menschen wohl dem Ruf der Berge gefolgt sind und ihre Heimat verlassen haben, nur um in ihrer Nähe zu leben. Vermutlich viele, denn Sven ist kein Einzelfall im Glemmtal… Ach ja, zuerst die Seilrolle einhängen und dann die Karabiner – oder doch umgekehrt?

12:07 Uhr

Eine interessante Zeit in zweierlei Hinsicht: einerseits läutet sie den offiziellen Sommerbeginn ein, andererseits schiebe ich exakt zu diesem Zeitpunkt meine Steckkarte in den Schlitz des Zugangslesers und das Drehkreuz am Eingang des Hochseilparks macht mir den Weg frei. Der Spaß kann also beginnen.

12:48 Uhr

Die Prozedur ist immer dieselbe: Karabiner lösen, im neuen Stahlseilelement einhängen, dann den zweiten Karabiner lösen und dahinter im Seil einklinken. Ein Schritt nach vorne, Gleichgewicht halten, innerlich grinsen und über den Schwebebalken auf die sichere Plattform springen. Fast wie Klettersteiggehen, nur eben in den Bäumen. Während ich auf einem Holzplateau auf den Rest der Bande warte und einen Blick über das Areal werfe, komm ich aus dem Staunen kaum heraus. Über und unter mir ein riesiger Spielplatz für Groß und Klein – Peter Pan hätte seine helle Freude gehabt. Neun verschiedene Kletterparcours in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, ein Free Fall-Sprung aus 22 Metern Höhe und ein Fahrrad das an einem Stahlseil über das Tal rauscht. Ein Hochseilgarten der Superlative. Viel mehr gibt es nicht zu sagen, außer unbedingt hinschauen. Der Spaß ist riesig.

Im Hochseilpark Saalbach kann man in luftiger Höhe übers Tal schweben
Foto: Martin Foszczynski
Im Hochseilpark Saalbach kann man in luftiger Höhe übers Tal schweben

14:35 Uhr

Wieder zurück auf der Terrasse. Die kleine Almfamilie ist wieder um ein paar Menschen gewachsen. Michi und Elisabeth sind soeben aus Wien angereist, Paul und Wolfgang vom Tourismusverband Saalbach Hinterglemm statten uns einen Besuch ab und dann wären da noch vier Mountainbiker, die unsere Chefin kurzerhand auf Bier und Brotjause eingeladen hatte. Auch Sissi und Riki biegen gerade um die Ecke und stellen ihre Räder ab. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen Menschen schart sich um die beiden Biertische und versucht im Schatten Platz zu finden. Die Sonne zeigt sich gerade von ihrer allerschönsten Seite und brennt erbarmungslos auf uns herab. Die Butter schmilzt, der Speck schwitzt und selbst mir, als passioniertem Sonnenanbeter, wird es langsam zu hitzig. Später soll das Wetter zusammenbrechen und unserem Sonnwendfeuer einen Strich durch die Rechnung machen. Im Moment würde uns eine einzige Wolke schon reichen.

15:41 Uhr

Die vier lustigen Mountainbiker rollen soeben bergab und auch die netten Menschen vom Tourismusverband haben die Alm bereits verlassen. Die ersten Wolken sind auch schon aufgezogen und unser ursprünglicher Plan einer gemeinsamen Wanderung auf den Gipfel der Sonnspitze wird nach Prüfung einschlägiger Wettervorhersagen verworfen. Wandern wollen wir trotzdem, also beschließen wir einen Rundweg über die nahegelegenen Almen zu machen. So sollten wir rechtzeitig vor dem Unwetter wieder zurück sein. Dachten wir zumindest.

Auf der Sonnenterrasse der Bergwelten-Alm
Foto: Katrin Rath
Auf der Sonnenterrasse der Bergwelten-Alm

16:39 Uhr

Knapp unterhalb des Henlabjoch legen wir eine kleine Rast ein. Wir verlieren uns in Gesprächen und der traumhaften Aussicht ins Tal, sodass wir gar nicht bemerken wie sich die Gewitterwolken über uns zusammenbrauen. Die Chefin meint, jetzt wäre dann ein guter Zeitpunkt zur Umkehr, „bevor uns das Wetter doch noch erwischt“. In weiser Voraussicht hat natürlich keiner von uns eine Regenjacke eingepackt.

17:16 Uhr

Auf halbem Wege zurück zu unserer Alm hat sich über uns der Himmel entleert. Zumindest die Dusche können wir uns heute Abend ersparen.

Gewitterwolken ziehen über den Tristkogel (2.095 m) herein
Foto: Michael Linauer
Gewitterwolken ziehen über den Tristkogel (2.095 m) herein

19:01 Uhr

Die Almfamilie ist um noch einen Menschen reicher geworden, denn der Herr Direktor bzw. Chef vom Print ist vor einer halben Stunde eingetroffen und nun sitzen wir wie eine große Patchworkfamilie im Taxi auf dem Weg ins Tal. Wir dürfen heute Abend noch den Koch Robert Mair besuchen. Sein Hotel und Restaurant in Vorderglemm hört auf den Namen „Tiroler Buam“. Ein Name, der seinem Ruf vorauseilt.

20:49 Uhr

Nach einer unglaublichen Kaspressknödelsuppe stellt die Kellnerin einen Teller voller Himbeerrotkraut, Semmelknödel und halber Ente im Wiesenheu vor mir auf den Tisch. Spätestens jetzt ist mir klar warum Robert Mairs Küche weit über die Tal- und Landesgrenzen hinaus bekannt ist, denn der erste Bissen fühlt sich wie Weihnachten und Geburtstag zugleich an. Die Nachspeise, ein flaumiger Sauerrahmschmarrn, der so leicht und luftig schmeckt, als ob er vom Himmel herab gesandt wurde, setzt der ganzen Sache das Sahnehäubchen auf. Abgerundet mit einer Flasche französischem Weißburgunder ist das Menü komplett, die Mägen voll und die Seele glücklich. Einzig und allein der strömende Regen macht uns einen Strich durch die Rechnung, hätten wir doch zu gerne noch heute Abend unser Sonnwendfeuer entzündet. Gegen die Natur ist man allerdings machtlos und das irgendwie auch gut so.

Ente im Wiesenheu bei den Tiroler Buam
Foto: Martin Foszczynski
Ente im Wiesenheu bei den Tiroler Buam

23:31 Uhr

Das Taxi bringt uns wieder zurück auf die Lengaualm. Es regnet noch immer wie aus Gießkannen und die Temperatur ist von heißen 28°C auf kuschelige 12°C gesunken. Der guten Stimmung kann das Wetter allerdings nichts anhaben und so findet sich die Patchworkfamile wieder auf der Terrasse zusammen, um im Schutz des Vordaches und eingehüllt in Decken mit einem letzten Glas Wein auf die gelungene Ehe anzustoßen. Wir sagen Danke und gute Nacht!

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