
Alles fließt: Bootstour auf dem Hochrhein in 2 Etappen
Foto: Angela Faber
von Angela Faber
Aus der Perspektive des Paddlers verändert sich die Wahrnehmung. Das Handy im Offline-Modus und wasserdicht verstaut wird die Aufmerksamkeit frei für den Fluss, der wohltuend ruhig und stetig fließt. Hohe Wellen sind ebenso wenig zu erwarten wie andere Gefahrenquellen – ich kann mich beruhigt der Strömung anvertrauen und mich tragen und treiben lassen. Der Alltag bleibt weit zurück.
Trotz Hochsaison ist nicht viel los auf dem ersten Abschnitt bis Schaffhausen. Vom letzten Zipfel des Untersees – so nennt sich dieser Teil des Bodensees – geht es nach Stein am Rhein wo der Fluss wieder wirklich zu strömen beginnt. Ab und zu kreuzt ein Ausflugsschiff unseren Weg, das sich mit lautem Tuten schon von Ferne ankündigt. Auf diesem Abschnitt werden Schiffe durch „Wiffen“ – in den Rheingrund gerammte Baumstämme mit grün-weißen Schildern – einem Riesentorlauf gleich durch das Wasser geleitet. Die grüne Seite gehört den Linienschiffen, die weiße Seite, die im seichten Rheinwasser liegt, ist den Freizeitkapitänen vorbehalten.

Vorbei ziehen hübsche mittelalterliche Städtchen und Weingärten. Über weite Strecken treffen wir jedoch auf unberührte Natur mit einer vielfältigen Vogelwelt. Der Habicht sorgt für eine ständige Luftüberwachung.
Direkt am Wasser gelegene, grün überwucherte Bunker erinnern daran, dass die Schweiz eine wehrhafte Nation ist. Doch am Hochrhein scheint es niemanden besonders zu interessieren, ob man sich gerade auf deutschem oder eidgenössischem Hoheitsgebiet aufhält. Entgegen landläufiger Meinung stellt westlich des Bodensees nicht der Rhein die Grenze zwischen Schweiz und Deutschland dar. Vielmehr folgt diese einem über Jahrhunderte gewachsenen, verwirrenden Verlauf. Bei den Pausen in schönen Gastgärten im Schatten hoher Bäume sind wir froh sowohl Euros als auch Franken in der Geldbörse zu haben. Beim „kulinarischen Grenzschlängeln“ besteht die Qual der Wahl zwischen schweizerischen und schwäbischen Spezialitäten. Bei der Preisgestaltung gelten leider die Schweizer als Vorbild.
Eine brausende aber beeindruckende Barriere – der Rheinfall

Vor der Halbinsel Rheinau steht das nächste Kraftwerk, das sich schon durch die schwächer werdende Strömung angekündigt hat. Schleppen und Umtragen war gestern – beim Wehr steht ein Übersetzwagen bereit, der über telefonische Anfrage wie von Geisterhand aus der Kraftwerkszentrale bedient wird. Sobald man das Boot auf den Wagen manövriert hat, setzt er sich in Bewegung und befördert einen in Rekordzeit ins Unterwasser. Ganz ohne Anstrengung! Noch zwei Mal haben wir auf der Etappe bis Eglisau die Gelegenheit, diesen genialen Bootslift zu benützen.

Nach dem dritten Kraftwerk gewinnt der Rhein wieder an Strömung. Ab Ellikon wandelt sich der Fluss wieder zu einen Naherholungsgebiet. Dutzende Schwimmer begleiten unsere Reise und lassen sich genussvoll treiben. Und auch wir nehmen unser Boot an die Leine und machen es den Lokals gleich.
In Eglisau endet unsere Fahrt. Wir haben wieder festen Boden unter den Füßen und spüren deutlich den Eindruck den die zwei Tage auf dem Fluss hinterlassen haben.


