
Portrait: Der Lawinensprenger
Foto: Marco Rossi
von Tobias Micke
Dann hat Alexander Striednig, zweifacher Familienvater und Mitglied der Lawinenkommission im Wintersportort Mallnitz in Kärnten, circa drei Minuten Zeit, um sich aus dem Staub zu machen, bis der von ihm deponierte und scharfgemachte Sprengsatz das Schneebrett auslöst – falls er es nicht schon vorher aus Versehen selbst auslöst.
Was für ein Job! Als Lawinensprenger trägt Alexander Striednig wesentlich dazu bei, dass die Skifahrer auf den Bergen um Mallnitz sicher unterwegs sind, indem er dafür sorgt, dass die Lawinen kontrolliert dann abgehen, wenn keiner auf den Hängen unterwegs ist – außer ihm und seinen Kollegen. Zweimal, sagt Ali, ist er schon bis zur Brust im betonharten Lawinenschnee gesteckt und musste befreit werden. Das nennt man dann kalkuliertes Risiko.
Der tollste Job der Welt

Das Skigebiet um den Ankogel (3.252m) mit seinen unzähligen Tiefschnee-Varianten ist das einzige Skigebiet Österreichs, in dem im Winter eine dreiköpfige Lawinenkommission täglich zusammenkommen muss, um einstimmig die Pisten freizugeben. „90 Prozent aller Lawinenhänge hier bei uns“, erklärt Ali zur Veranschaulichung, „laden – wenn sie losgehen – ihre gefährliche Schneelast auf Skipisten ab.“ Wenn die Winter dann schneereich sind, bedeutet das oft 18-Stunden-Schichten, die um fünf Uhr früh beginnen und gehörigen Zeitdruck, damit das Skigebiet pünktlich um neun Uhr zumindest teilweise für die Gäste freigegeben werden kann.
„Gscheiter, einmal mehr zu schießen“
Alexander Striednig, der als guter Skifahrer meist diesen Job übernimmt, wollte ursprünglich von Herzen gern Polizist werden. „Nur, nachdem Polizisten sehr oft nicht in ihrer Heimatregion eingesetzt werden und i vom Naturell her so a Hoamkuah bin“, sagt Ali augenzwinkernd, „bin ich doch zur Bergbahn gegangen“. – Und Pistenchef geworden.

„Gscheiter einmal mehr schießen, als einmal zu wenig“, ist dafür wiederum ein Satz, der nur aus dem Mund eines Lawinenbeauftragten vertrauenserweckend klingt.
Für die Vorsicht gibt es einen guten Grund: Es geht hier um die Sicherheit aller Menschen, die am winterlichen Berg unterwegs sind. Und die Mitglieder der Lawinenkommission müssen ständig wichtige Entscheidungen treffen: Sprengen oder nicht? Piste öffnen oder schließen? Wenn doch ein Unglück passiert, trägt die Lawinenkommission dafür die Verantwortung.
Auf die Dosis kommt es an
Wie man so zu dosieren lernt, dass einem statt dem kosmetischen Abräumen eines Schneebretts nicht der halbe Berg um die Ohren fliegt? „Im Grundkurs gehen die Anwärter in kleinen Gruppen mit der Aufgabe in den Wald Bäume so zu sprengen, dass sie nachher sauber in die gewünschte Richtung umfallen,“ erklärt Ali, und vor dem letzten Satz huscht ihm ein richtig breites Spitzbuben-Lächeln übers Gesicht: „Auch daran, wieviel Sprengstoff eindeutig zu viel ist, daran muss man sich bei dieser Übung natürlich erst herantasten.“

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