„Steig, o Seele, mit diesen
Das Steinherz in der Brust,
Ihr seid nicht höflich und fein,
Ihr lüget nicht, weich zu sein,
Euch macht nicht Sorge und Rücksicht bang,
Ihr bücket euch nicht, ihr fraget nicht lang,
Die Losung heißt: Durch! die Losung heißt: Kraft!
So habt ihr euch Platz in der Welt verschafft. _
Fort ist die Farbenpracht.
Schwarzblau mit düsteren Stirnen;
Aber o sieh, schau empor!
In des Lichtquells letzten fliehenden Schein
Zart milchweiß und rosig angehaucht.“
Friedrich Theodor Vischer wurde 1807 in Ludwigsburg in Baden-Württemberg geboren und darf getrost als Tausendsassa bezeichnet werden: Er war Literaturwissenschaftler, Philosoph, Schriftsteller und Politiker. Zunächst schlug er dieselbe Laufbahn ein wie sein Vater und sah sich zum Pfarrer berufen. So studierte Vischer zunächst Theologie, Philosophie und Philologie an der Universität Tübingen, ehe er 1832 promovierte und zwei Jahre später schließlich Repetent am Tübinger Stift wurde.
Nur ein Jahr später allerdings trat er schon eine Stelle als Privatdozent für Ästhetik und deutsche Literatur an der Universität Tübingen an. Mit der Ernennung zum ordentlichen Professor erhielt er schließlich den neu geschaffenen Lehrstuhl für Ästhetik und deutsche Literatur. Kurzzeitig arbeitete er als Dozent in Zürich, immer wieder setzte Vischer auch zu längeren Reisen an. Im Rahmen einer solchen verstarb er schließlich an einer schweren Infektion: Vischer schied 1887 in Gmunden im Salzkammergut auf halbem Wege nach Venedig aus dem Leben.