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Neue Route

Erstbegehung: Angy Eiter klettert „Madame Ching“ 9b

• 21. Dezember 2020
von Robert Maruna

Extrem steil, stark überhängend und über 50 Meter lang: Die österreichische Sportkletterin Angy Eiter hat mit der Erstbegehung ihres Projekts „Madame Ching“ (9b) abermals die Grenzen des Machbaren verschoben. Der Kurzfilm „Erste Sein“ dokumentiert eindrucksvoll ihren wochenlangen Kampf mit der noch unbegangenen Route, die sie erst Zug für Zug zusammensetzen musste.

Angy Eiter während ihrer Erstebgeung von „Madame Ching“ (9b) im Tiroler Oberland
Foto: Raphael Pöham / Red Bull Content Pool
Angy Eiter während ihrer Erstebgeung von „Madame Ching“ (9b) im Tiroler Oberland
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First Ascent

Auf das Konto von Angela „Angy“ Eiter gehen vier Weltcuptitel, vier Weltmeisterschafts-Goldmedaillen und ein Europameisterschafts-Sieg. Und vor drei Jahren gelang ihr mit La Planta de Shiva in Spanien als erster Frau eine Route im Schwierigkeitsgrad 9b. Diesen Sommer suchte sie nach einem ähnlich schweren Projekt und wurde in ihrer Heimat im Tiroler Oberland fündig.

„Ursprünglich wurde diese Linie von meinem Mann Bernie Ruech im Frühling 2018 eingebohrt. Die Route startet im rechten Wandteil und traversiert links über einen steilen Bereich, bevor sie wieder nach oben ins steile Dach entlang geht und nach insgesamt 100 Zügen endet.“

Für die besonders schwierigen Schlüsselstellen benötigte Angy unzählige Versuche und gezieltes Training in der Kletterhalle.

„Ich war fasziniert von dieser unberührten Linie, an der noch niemand seine Spuren hinterlassen hat und die Suche nach den Griffen und das Spiel mit den Bewegungen begeisterten mich. Ich strukturierte mein Training. Den Schwerpunkt setzte ich auf Fingerkraft, welche bei diesem Projekt entscheidend war.“

50 Meter stark überhängendes Felsgelände galt es beim Durchstieg zu bezwingen
Foto: Raphael Pöham / Red Bull Content Pool
50 Meter stark überhängendes Felsgelände galt es beim Durchstieg zu bezwingen

Durchstieg

Als sie nach wochenlangem Training bereit für den Durchsteig war und zur Wand hochstieg, wollten die Bedingungen zunächst gar nicht recht mitspielen.

„Am Tag des Durchstiegs war es heiß und die Route im unteren Teil nass. Unsinnig an einen erfolgreichen Durchstieg zu glauben. Die Hoffnung blieb. Ich trocknete die Griffe mit Taschentüchern.“

Sie entschied sich dennoch dafür, einen Versuch zu wagen und kletterte Zug um Zug konzentriert nach oben.

„Die noch feuchten Griffen im unteren Teil hinderten mich nicht, ich blieb kühn und improvisierte meine Bewegungen. Ich meisterte alle schweren Züge, das aufkommende Gewitter mit Donnergebrüll brachte mich nicht aus der Ruhe. Noch bevor es zu regnen begann, konnte ich die Route punkten.“

Vom Schwierigkeitsniveau würde sie die neue Route mit ihrer bislang schwierigsten Linie „La Planta de Shiva“ vergleichen.

„Allerdings kann ich nur auf meine eigene Einschätzung zurückgreifen und weiß nicht, ob es leichtere Lösungen gibt bzw. größere Kletterer sogar schwere Stellen umgehen können. Wie dem auch sei, Erstbegehungen sind etwas besonderes für jeden Kletterer. Insofern bin ich mega glücklich über diese neue Erstbegehung, der ich den Namen „Madame Ching“ gebe. 

Wir gratulieren Angy Eiter zur erfolgreichen Erstbegehung!

Angy Eiter zählt mit ihren 34 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen im Klettersport, für die Zukunft hat die Tirolerin große Pläne.
Foto: Bernhard Hörtnagl / ASP / Red Bull Content Pool
Angy Eiter zählt mit ihren 34 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen im Klettersport, für die Zukunft hat die Tirolerin große Pläne.

Der Kurzflim

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