Berg-Know-How

Methoden zur Messung der Hangneigung im Gelände

Tipps & Tricks • 17. Februar 2019
von Astrid Heinz

Ein wesentlicher Faktor zur Einschätzung der Lawinengefahr stellt die Hangneigung dar. Aber: Wie lässt sich die Steilheit eines Hangs im Gelände feststellen? Sofern nicht bereits in der Karte die Steilheit des Geländes vorab beurteilt wurde, gibt es zur Übung der Neigungsbestimmung im sicheren Gelände einige verlässliche Methoden.

Grafik: Hangneigung
Foto: bfu – Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung, www.bfu.ch
Grafik: Bestimmung der Hangneigung

1. Die Skistock-Pendelmethode

Den ersten Stock legt man hangabwärts in den Schnee, verstärkt den Abdruck am Griffende des Stocks und hebt ihn dann an der Schlaufe so an, dass das spitze Ende nach wie vor am Hang liegt. Nun nimmt man den zweiten Stock mit der anderen Hand und fügt die beiden Griffenden zusammen; jetzt hebt man den ersten Stock so weit an, dass der zweite sich „einpendelt“ und ebenfalls den Hang berührt.

Pendelt sich die Spitze des zweiten Stockes nun dort ein, wo sich der Abdruck des ersten Stockes befindet, so ist der Hang 30° steil.

Achtung: Beide Stöcke müssen natürlich gleich lang sein, bei längeren Stöcken (> ca. 110 cm) schätzt man den Hang zudem etwas steiler ein als er tatsächlich ist.

Trifft das Ende des zweiten Stockes nun unterhalb der Markierung auf den Hang, so ist der Hang steiler als 30°. Ungefähr gilt: 10 cm entsprechen 3 Grad Hangneigung.

2. Die klassische Skistock-Methode

Messung der Hangneigung
Foto: Astrid Heinz
Messung der Hangneigung: Die klassische Skistock-Methode

Einen Stock hält man (wie in der Abbildung) waagrecht weg vom Hang, die Spitze berührt dabei die Schneeoberfläche. Den anderen Stock bringt man senkrecht im rechten Winkel zum ersten Stock in Position, Spitze im Hang. Berühren sich nun die beiden oberen Enden (Griffe), haben wir eine Neigung von 45 Grad. Ragt ein Drittel des senkrechten Stockes drüber hinaus, haben wir eine Neigung von 35 Grad und bei der Hälfte eine Neigung von 27 Grad.

3. Die „Snow Safe“-App

Die „Snow Safe“-App
Foto: Astrid Heinz
Messung der Hangneigung: Die „Snow Safe“-App

Da man im Gelände ohnehin immer ein Handy dabei haben sollte, hier noch ein App-Tipp für Smartphone-Besitzer: Bei „Snow Safe“ (kostenlos für iOS & Android) kann man das Gebiet aussuchen, in dem man gerade unterwegs ist und auch gleich die Lawinenwarnstufe ablesen. Außerdem kann man damit wirklich einfach und genau die Hangneigung bestimmen.

4. Elektronischer Hangneigungs-Messer

Elektronischer Hangneigungs-Messer
Foto: PIEPS
Messung der Hangneigung: Elektronischer Hangneigungs-Messer

Ein zuverlässiges und interessantes Tool: Ein elektronischer Hangneigungs-Messer (z.B. Pieps 30°PLUS) am Stock liefert verlässlich die jeweils gefragten Neigungsdaten und darüber hinaus auch noch die Schneetemperatur.

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