
So geht Snowkiten
Foto: Bernhard Huber
10 Tipps für den Start
- Schnuppern in einer Kite-Schule lohnt sich. Die Lernkurve ist steiler als im Selbstversuch, und man kann sich das Equipment ausborgen.
- Die Schirmgröße liegt zwischen 5 und 17 Quadratmetern und berechnet sich aus Körpergewicht, Können, Windstärke und Revier.
- Der Schirm ist der „Motor“, die Ski sind „Reifen und Lenkung“. Anfänger neigen dazu, mit dem Schirm lenken zu wollen. Das geht nur bis zu jenem Punkt gut, wo er den Wind verliert.
- Immer die Checkliste abarbeiten: Ist der Schirm in Ordnung? Ist das Gelände sicher? Und, der wichtigste Punkt: Traue ich mir das zu?
- Drei Dinge sind absolut tabu: Skipisten, bewaldetes Gebiet und Stromleitungen in der Nähe.
- Hände und Finger weg von den Leinen. Wenn der Wind zu ziehen beginnt, werden diese zu Messern.
- Stark taillierte Rennski machen die Kontrolle am Boden schwieriger als Powder-Ski. (Für den Beginner passt jeder Ski, denn so schnell wird man am Anfang ohnehin nicht.)
- Tourengeher greifen wegen des kleineren Packmaßes zum Soft-Kite (alias Mattenschirm), Freestyler wegen des Performance-Plus zum Tube-Kite.
- Im Gelände muss man den Schnee anders „lesen“ denn als Tourengeher: Durch die Windrichtung ist man manchmal gezwungen, Hänge zu traversieren, die man eigentlich nicht traversieren möchte. Lawinengefahr!
- Ein Rückenprotektor ist für Könner unabdinglich – spätestens wenn man abzuheben beginnt.
Hier kann man besonders gut snowkiten
- Obertauern, Salzburg: Auf 1.900 m liegt das Snowkite-Areal der
Hangon-Kiteboardingschule , die Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene gibt. Das Gebiet ist recht windsicher, weil hier die Süd- auf die Westströmung trifft. - Zell am See, Salzburg: Am zugefrorenen Zeller See kann man bei genug Eisstärke snowkiten. Die
Kiteschule Skywalker bietet Kurse für alle Könnensstufen an und hat auch eine speziell auf Kitesurfer abgestimmte Einheit, um den Umstieg von flüssigem auf gefrorenes Wasser bestmöglich zu schaffen. - Wipptal, Tirol: In der Gemeinde Gries am Brenner gibt es zwei Kite-Spots: Anfänger und Fortgeschrittene üben unten im Dörfchen Nösslach und freuen sich über einen Funpark, während Profis oben am Nösslachjoch auf 2.150 Meter Seehöhe Spaß haben.
- Achensee, Tirol: Das Snowkite-Areal befindet sich am Nordufer des Achensees und zeichnet sich durch gleichmäßige Windbedingungen aus. Von Weihnachten bis Anfang März bietet ein buntes Team rund um Szenegröße Michael Vogel Einsteigern bis Fortgeschrittenen unterschiedlichste
Kurse an. - Stuhleck, Steiermark: Das Wien nächstgelegene Kite-Revier befindet sich am Stuhleck in der steirischen Semmering-Region. Tourengeher wissen, wie windig der Höhenzug rund um das Alois-Günther-Haus sein kann – ideal fürs Snowkiten.
Selbst-Test: Wir haben Snowkiten ausprobiert
Klingt alles total gut, aber auch furchtbar kompliziert für jemanden, der nicht einmal als Kind gut im Drachensteigen war. „In zwei Stunden fährst du“, versichert Florian Schmaldienst, Chef der 1999 von Toni Ully gegründeten Kite-Schule Hangon in Obertauern. Blutig war nur sein eigener Anfang, als der ehemalige Windsurfer 1997 in Südafrika die ersten Kitesurfer sah und nachahmte: „Ich bin Autodidakt. Es ging nicht anders, als durch Versuch und Irrtum zu lernen. Kite-Schulen waren hierzulande unbekannt.“
In den letzten 20 Jahren habe sich da extrem viel getan, sagt er und grinst. Und überhaupt sei Kiten im Winter leichter zu erlernen als im Sommer: „Auf Wasser fährst du nach fünf Tagen, auf Schnee nach einem, maximal zwei.“ Warum das so ist? Bist du im Wasser zu langsam, gehst du unter. Auf Schnee musst du höchstens den Kite neu auslegen und frisch aufziehen.

Von den Bar-Enden laufen die Leinen zum Schirm. Damit man in der später unweigerlich auftretenden Hektik weiß, wo links und rechts ist, sind die Seiten unmissverständlich markiert – bei unserem Modell durch eine rote Kugel auf der linken Seite. Man muss also nicht einmal hinsehen, um zu wissen, in welche Richtung man den Schirm ausdrehen muss, sollte er sich verheddert haben – zu tasten reicht. So weit sind wir aber noch nicht.
Wie viel Wind ist genug?
Tatsächlich erlaubt der Chicken Loop, die Hauptverbindung zum Schirm halb zu kappen, sodass er zusammenfällt, sollte es brenzlig werden. „Wird es aber nicht“, sagt Florian. „Entspannt bleiben!“ Ihm steht ein kupiertes Areal auf der Sonnenseite von Obertauern zur Verfügung, fast einen Quadratkilometer groß.

„Fünf Knoten reichen. Das ist das Gute an Obertauern: Hier haben wir eigentlich immer leichten Wind – entweder aus Nordwest oder Südost. Wir liegen hier genau an der Wetterscheide zwischen Westund Südströmung. Das ist auch der Grund für die Schneesicherheit: Egal woher der Niederschlag kommt, wir kriegen eigentlich immer etwas ab.
Die besten Windverhältnisse gibt es im Frühling, aber zwischen November und April kannst du hier an 80 Prozent aller Tage kiten.“ Das wollen wir auch, aber zuvor gilt es, den Schirm auszulegen und die Leinen zu kontrollieren. Beim Aufleinen des neuen Schirms könne man nur einen einzigen Fehler machen, sagt Florian, nämlich die Powerlines, die den Schirm beschleunigen, mit den Lenkleinen zu vertauschen.
Dann wird die Sache unkontrollierbar. Sicherheit hat auch hier absolute Priorität – am kleinen rot-weißen Softkite ist, wie zu erwarten war, alles in Ordnung. Jetzt hebt Florian die Anströmkante in den Wind: Der nur 500 Gramm schwere Mattenschirm fasst Luft und erhebt sich.

Durch Zug an den Enden dreht er den Kite in den Wind und wieder hinaus, in großen, schwingenden Manövern. „Immer in Bewegung halten, damit Zug aufgebaut wird. Mit diesem Zug wirst du in zwei Stunden hier herumfahren.“ Noch unvorstellbar, aber bitte, er wird’s schon wissen.
Nächste Übung: „Den Kite auf 12 Uhr stellen.“ Damit ist eine Art Ruheposition gemeint, in der der Kite stabil, aber nahezu schwebend über dem Kopf steht. Gar nicht so einfach, den Balancepunkt zu finden. Anfangs sind die Bewegungen viel zu hektisch; und statt ruhig zu schweben, trudelt der Kite zu Boden.
Aber auch das gehört zum Lernprogramm: den Schirm selbständig starten und die Leinen entwirren. Ganz schön anstrengend – sowohl geistig als auch körperlich. Eine Stunde lang in Skischuhen über ein Schneefeld zu stolpern fällt durchaus unter Sport, falls es daran Zweifel gab.

Wie die erste Fahrstunde
Also noch einmal. Starten, 12 Uhr, diesmal fliegt der Kite praktischerweise in die richtige Richtung los. Tatsächlich: Wir bewegen uns! Und immer an Florians Worte denken: Hände locker an der Bar, fließende, ruhige Bewegungen, Kite zwischen 11 und 13 Uhr pendeln lassen.
Aber wo war das noch einmal genau? Die eigene Positionsveränderung lässt das Hirn des Snowkite-Rookies auf Vollgas rechnen, selbst bei sehr geringen Geschwindigkeiten. Es fühlt sich geistig so anstrengend an wie die erste Stunde in der Fahrschule.


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