Wanderer in den Leoganger Steinbergen

Leoganger Steinberge: Die schönsten Touren, Hütten und Tipps für Wanderer und Kletterer

Regionen
4 Min.
01.09.2026

Foto: Markus Rohrbacher

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Zwischen Wildem Kaiser, Watzmann und Steinernem Meer liegen die Leoganger Steinberge: auf engem Raum warten karge Karstplateaus, stille Almen, tiefe Höhlen und mit dem Birnhorn (2.634 m) eine der höchsten Wände der Ostalpen. Hier findest du die wichtigsten Touren, Hütten und Planungstipps.

Inhalt

  1. Warum sich die Leoganger Steinberge lohnen

  2. Die wichtigsten Hütten in den Leoganger Steinbergen

  3. Natur & Wissen: Ein gigantischer Wasserspeicher

  4. Planung & Sicherheit

  5. Häufig gestellte Fragen zu den Leoganger Steinbergen

Warum sich die Leoganger Steinberge lohnen

Die Leoganger Steinberge bilden zusammen mit den benachbarten Loferer Steinbergen ein Plateaugebirge: Im Süden ragt das Birnhorn steil auf, im Norden flacht das Gelände deutlich ab. Diese zwei Gesichter prägen auch das Wandererlebnis – schroffer, kalkgrauer Fels auf der einen, sanfte Pinzgauer Grasberge wie der 1.914 Meter hohe Asitz auf der anderen Seite. Wer sich auf das Gebiet einlässt, wandert abseits der belebten Wege am Wilden Kaiser, Watzmann und Steinernen Meer und erlebt ein Gebirge, das ruhiger und ursprünglicher wirkt als seine berühmten Nachbarn.

Wanderung zum Birnbachloch und zum Birnbachgletscher

Die bekannteste Quelle der Leoganger Steinberge ist das Birnbachloch: Hier tritt Regen- und Schmelzwasser, das zuvor durch das Kalksteingebirge gesickert ist und gefiltert wurde, als reinstes Trinkwasser wieder zutage. Ein Schild warnt vor Felssturz, ins Innere der Quellhöhle sollte man ohnehin nicht vordringen. Wer noch wenige hundert Meter weiter Richtung Birnhorn-Südwand geht, findet dort auf rund 1.200 Höhenmetern den Birnbachgletscher – mit gerade noch einem halben Hektar Fläche einer der niedrigstgelegenen Gletscherreste Mitteleuropas. Seine Ausdehnung hat sich laut Bergführern in den vergangenen fünf Jahren deutlich verringert.
  • Ausgangspunkt: Parkplatz Ullachtal
  • Dauer: rund 1:30 h | Strecke: 2,1 km | Höhenmeter: 370 hm im Aufstieg, 370 hm im Abstieg
  • Charakter: leichte, gut markierte Wanderung, auch als geführte Klimawanderung buchbar

Wanderung über die Hainfeldscharte zur Passauer Hütte

Vom Wanderparkplatz am Bergbauernhof Mitterbrand gelangt man über Wald und Wiese in knapp einer Stunde zur Lettlkaser Hütte. Diese liegt unterhalb der Hainfeldscharte an der Baumgrenze und ist bis heute ursprünglich geblieben: eine winzige, mit Holzschindeln verkleidete Alm, die der lokalen Agrargemeinschaft gehört. Von hier führt ein teils steiler Weg weiter zur aussichtsreichen Scharte. Das Mitterhorn lässt sich auf einem teilweise ausgesetzten Steig entlang der Nordseite umgehen, bis man die Mittagsscharte und schließlich die Passauer Hütte erreicht.
  • Ausgangspunkt: Parkplatz Mitterbrand
  • Dauer: rund 2:30 h | Strecke: 6,5 km | Höhendifferenz: 1.200 m
  • Charakter: mittelschwere Höhenwanderung mit Einkehrmöglichkeit am Lettlkaser

Auf den höchsten Gipfel: das Birnhorn

Der Weg zum höchsten Punkt der Leoganger Steinberge führt von Ullach zunächst zur Passauer Hütte. Danach geht es auf das Felsplateau. Der Südanstieg passiert das Melkerloch, ein gewaltiges Felsenfenster, das den Blick mitten durch den Karst hindurch freigibt, und führt über den teils ausgesetzten Hofersteig auf den 2.634 Meter hohen Gipfel.
  • Ausgangspunkt: Ullach
  • Dauer: rund 3:30 h | Strecke: 6,4 km | Höhenmeter: 1.853 hm im Aufstieg, 30 m im Abstieg
  • Charakter: anspruchsvolle Bergtour mit kurzen Kletterstellen, nichts für Anfänger
  • Alle Infos zur Tour findest du hier.

Extremtour: der Pinzgawurm

Für sehr erfahrene Kletterinnen und Kletterer führt der „Pinzgawurm“ direkt durch die Birnhorn-Südwand: Mit zwei Kilometern Strecke und 45 Seillängen zählt die Route zu den längsten Kletterrouten der Alpen.
  • Ausgangspunkt: Leoganger Ullachtal
  • Charakter: hochalpine Mehrseillängen-Route durch die 1.400 Meter hohe Südwand, nur für sehr erfahrene Alpinkletterinnen und -kletterer

Klettersteige Leoganger Nord und Leoganger Süd

Wer sich in den Fels wagen will, findet nahe der Passauer Hütte zwei Klettersteige mit sehr unterschiedlichem Charakter. Der Leoganger Klettersteig Süd führt zum ausgesetzten Gipfel des Fahnenköpfls (2.142 m): 220 Höhenmeter, teils überhängendes Gelände, Schwierigkeit D – geeignet nur für sehr erfahrene Klettersteiggeher. Der Leoganger Klettersteig Nord gilt als einfachere, aber ebenso spektakuläre Alternative: über Leitern und eine Seilbrücke geht es in der Schwierigkeit C/D zum Gipfel, der Abstieg führt häufig durch das enge Teufelsloch, eine der zahlreichen Dolinen des Karstplateaus.
  • Ausgangspunkt: Parkplatz Ullachtal
  • Dauer: rund 3 h zur Hütte, plus 2:30 h (Süd) bzw. 1 h (Nord)
  • Charakter: alpine Klettersteige, nur für trittsichere, schwindelfreie und erfahrene Klettersteiggeherinnen und Klettersteiggeher

Leichte Alternative: Sinnlehenalm

Wer es ruhiger angehen möchte, findet auf der Seite der Pinzgauer Grasberge die Sinnlehenalm mit einzigartigem Ausblick auf die Leoganger Steinberge. Der einfache Weg führt vom Ortszentrum Leogang über Wiesen zur Alm, die dank sonniger Terrasse mit Spielplatz vor allem bei Familien beliebt ist.
  • Ausgangspunkt: Dorfzentrum Leogang
  • Dauer: rund 1:30 h | Strecke: 4,9 km | Höhendifferenz: 150 m

Mit dem Bike unterwegs: Schwarzleo – Schwarzbach

Seit 25 Jahren ist Leogang mit dem Bikepark eine weltbekannte Destination für Mountainbiker. Die klassische Runde durch Schwarzleo- und Schwarzbachtal verlangt anspruchsvolle Anstiege über Forstwege, belohnt aber mit weiten Ausblicken.
  • Ausgangspunkt: Leogang Asitzbahn Talstation
  • Dauer: rund 4:30 h | Strecke: 30,8 km | Höhendifferenz: 1.090 m

Die wichtigsten Hütten in den Leoganger Steinbergen

Die Passauer Hütte (2.051 m) ist die einzige Schutzhütte der Leoganger Steinberge und dient als zentrale Bergsteiger-Basis für Birnhorn, Fahnenköpfl und beide Klettersteige. Hüttenwirt Michi Faber und sein Team bieten ihren Gästen gemütliche Lager und die rustikale Küche des Schutzhauses. Abgeschiedenheit und einzigartige Natur gibt's obendrauf.
Die kleine, urige Lettlkaser Hütte (1.440 m) ist bis heute sehr ursprünglich geblieben. Bewirtet wird sie von Katrin und Christian Krahbichler. „Mit den Kindern sind wir immer wieder auch mal zu viert“, erzählt Christian – mehr Platz für Personal hätte die winzige Hütte ohnehin nicht. Auf der Karte stehen selbst gemachte Kräutersirupe, Kuchen sowie Brot mit Butter und Schnittlauch aus dem eigenen Almgarten. Geöffnet ist von Ende Mai bis Ende Oktober.

Infrastruktur: Anreise und Ausgangspunkte

Leogang hat trotz knapp 3.500 Einwohnerinnen und Einwohnern gleich zwei Bahnhöfe – Leogang und Leogang-Steinberge. Wer bei der Station Leogang-Steinberge aussteigt, kann viele Touren direkt zu Fuß starten. Mit dem Auto erreicht man Saalfelden und Leogang von Salzburg über die B311, von Tirol kommend über die B164. Zentrale Ausgangspunkte für die meisten Touren sind der Parkplatz Ullachtal (Birnbachloch, Klettersteige, Zustieg zur Passauer Hütte) sowie der Parkplatz beim Bergbauernhof Mitterbrand (Lettlkaser, Hainfeldscharte).

Natur & Wissen: Ein gigantischer Wasserspeicher

Die Leoganger Steinberge mögen auf den ersten Blick karg wirken – in Wahrheit bilden sie einen gewaltigen Wasserspeicher: Das Kalksteingebirge nimmt Regen- und Schmelzwasser auf, filtert es durch zerklüftete Felsen und gibt es als reinstes Trinkwasser wieder frei. „Der Karst ist in Wahrheit unser größter Reichtum“, bringt es Leoganger Bergführer Franz Deisenberger auf den Punkt. Selbst in großer Höhe sprießen dank dieses Systems bunte Blumen zwischen dem grauen Fels.
Der Karst ist in Wahrheit unser größter Reichtum.

Franz Deisenberger, Leoganger Bergführer

Die Region spürt den Klimawandel dabei unmittelbar. „Die Kühe könnten mittlerweile zwei Wochen früher auf die Alm und zwei Wochen länger bleiben“, sagt Pia Hohenwarter, die als Managerin der regionalen Klimawandelanpassung den Austausch zwischen Landwirtschaft, Wissenschaft, Tourismus und Politik organisiert. Sichtbarstes Zeichen dieser Entwicklung ist der Birnbachgletscher, dessen Fläche seit Jahren schrumpft.
Auch unter der Oberfläche hat das Karstplateau einiges zu bieten: In einer der zahllosen Dolinen unweit der Passauer Hütte liegt der obere Eingang in den Lamprechtsofen, der mit 1.727 m als tiefste Höhle Österreichs gilt. Für Laien ist die Öffnung meist nur dann zu erkennen, wenn Forscherinnen und Forscher dort ihre Zelte aufschlagen – ein Hinweis darauf, wie viele Geheimnisse das Plateau der Leoganger Steinberge noch birgt.

Planung & Sicherheit

  • Kondition und Erfahrung einschätzen: Die Touren reichen von leichten Almwegen (Sinnlehenalm, Birnbachloch) bis zu anspruchsvollen alpinen Klettersteigen (Leoganger Süd, D). Wer unsicher ist, informiert sich vorab beim örtlichen Tourismusverband über Schwierigkeitsgrade und Höhenmeter.
  • Frühzeitig starten: Gerade im Hochsommer lohnt sich ein früher Start, um Hitze auf den exponierten Karstabschnitten zu vermeiden.
  • Wasser mitnehmen: Oberhalb der Baumgrenze verläuft ein Großteil der Touren über kahles Karstplateau – ausreichend Wasser sollte man daher schon beim Start dabeihaben.
  • Geführte Touren nutzen: Wer die Region und ihre Besonderheiten – etwa den Karst oder die Klimaveränderung – besser verstehen möchte, kann sich Bergführern wie Markus Hirnböck anschließen, der ganzjährig Wanderungen, Klettersteig- und Bergtouren anbietet.
  • Bei Nebel oder Nässe vorsichtig sein: Die Klettersteige und exponierten Steige rund um Fahnenköpfl und Birnhorn sind bei Nässe deutlich anspruchsvoller.

Häufig gestellte Fragen zu den Leoganger Steinbergen

Wie schwer ist die Besteigung des Birnhorns?

Die Gipfeltour von der Passauer Hütte gilt als anspruchsvoll und ist nur für konditionsstarke und erfahrene Bergsteigerinnen und Bergsteiger geeignet.

Welcher Klettersteig eignet sich für Einsteiger?

Keiner der beiden – beide Routen sind der alpinen Kategorie zuzurechnen. Der Leoganger Nord (C/D) gilt als die weniger schwierige Variante, verlangt mit Leitern und Seilbrücke aber weiterhin Kondition, Trittsicherheit und absolute Schwindelfreiheit. Der Leoganger Süd (D) mit seinem überhängenden Gelände ist ausschließlich sehr erfahrenen Klettersteiggeherinnen und -gehern vorbehalten.

Wo übernachtet man in den Leoganger Steinbergen?

Die Passauer Hütte auf 2.051 Metern ist die einzige bewirtschaftete Schutzhütte der Gruppe. Die Lettlkaser Hütte an der Baumgrenze bietet von Ende Mai bis Ende Oktober Einkehr ohne Übernachtung.

Welche Tour eignet sich für Familien mit Kindern?

Sowohl der Weg zur Sinnlehenalm als auch die Wanderung zum Birnbachloch sind leicht und gut für Familien geeignet.

Gibt es in den Leoganger Steinbergen einen Gletscher?

Ja, den Birnbachgletscher auf rund 1.200 Metern Seehöhe – einen der niedrigstgelegenen Gletscherreste Mitteleuropas, dessen Fläche allerdings seit Jahren schrumpft.

Kann man die Leoganger Steinberge geführt erkunden?

Ja – geführte Wanderungen, Klettersteige und Bergtouren werden von mehreren Bergschulen und Bergführern angeboten, beispielsweise von der Alpinskischule Markus Hirnböck.

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